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REISELUST: Weinfelder geht "mit 80 Rappen um die Welt"

Der Weinfelder Urs Wirth nahm sich zwölf Monate Auszeit und reiste von China nach Hongkong, über Australien nach Amerika und Brasilien. Dabei finanzierte er sich durch Arbeiten als Koch oder Lehrer.
Ines Biedenkapp
Der Weinfelder Urs Wirth arbeitet an einem Zaun in Australien. (Bild: PD)

Der Weinfelder Urs Wirth arbeitet an einem Zaun in Australien. (Bild: PD)

Ines Biedenkapp

ines.biedenkapp@thurgauerzeitung.ch

Wie sind Sie auf die Idee zu dieser Reise gekommen?

Ganz nach dem Motto – Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben. Ich hatte das Bedürfnis auf ein Erlebnis und wollte 365 Tage eine Auszeit nehmen. Mal etwas ganz Anderes, als den täglichen Bürojob machen. Es war ein Ausbruch aus dem Hamsterrad. Mein Wunsch war es, anderen Menschen als Freiwilliger zu helfen.

Wohin führte Sie Ihre Reise?

Zum Start war ich einen Monat lang Englischlehrer in China. In Hongkong habe ich Renovationsarbeiten durchgeführt und war im Catering tätig. In Australien verbrachte ich drei Monate mit Renovationen, als Gärtner, arbeitete auf der Farm, als Koch bis hin zum Hundesitter. In den USA war ich Handyman, Budgetberater und eine Woche in einem Obdachlosenheim tätig. In Brasilien arbeitete ich bei einer bettlägerigen Frau und renovierte deren Wohnung. In meiner Auszeit war ich acht Monate «Mit 80 Rappen um die Welt» unterwegs und vier Monate in der Schweiz. Mein Zuhause war da, wo mein Koffer war.

Wie sind Sie gereist?

Die Hauptstrecken bin ich geflogen – mit den allergünstigsten Tickets. Was leider nicht klappte, war die geplante Überfahrt mit einem Containerschiff von Hamburg nach China. Vor Ort war ich meist mit dem Bus oder zu Fuss unterwegs.

Sie sagten, die Reise auch zuliebe Ihrer Ehe gemacht zu haben.

Meine Beziehung war an einem Tiefpunkt. Es war mein Ziel, meine Beziehung zu pflegen und zu revitalisieren.

Wie haben Sie die Reise im Voraus organisiert?

Wer ich bin und was ich kann, habe ich in eine Präsentation gepackt und an Freunde und Bekannte geschickt. Meine Nachbarin stammt aus China und durch ihren Kontakt wurde ich nach China eingeladen. Und so ging es weiter. Im Pendlerzug nach Weinfelden habe ich im Vorfeld eine gebürtige Afrikanerin, eine Witwe mit fünf Kindern getroffen. Sie ist mit mir ins Gespräch gekommen und hat mich in die USA eingeladen. Ich war dann sechs Wochen dort zu ihrer Unterstützung.

Wie haben Sie sich die Reise finanziert?

Die Flugkosten nach Hongkong habe ich mir im Vorfeld in der Schweiz erarbeitet. In Australien habe ich so viel Geld verdient, dass ich alle restlichen Reisekosten finanzieren konnte. Um die Übersicht über das Geld zu haben, habe ich Buch geführt und rigoros gespart. In Chicago hätte ich die Möglichkeit gehabt, ein Playoff-Eishockey-Spiel für 50 Franken anzuschauen, aber das lag einfach nicht drin.

Was haben Sie alles erlebt?

(lacht) Wenn ich mein Reisetagebuch durchlese, gibt es jeden Tag ein tolles Erlebnis, wofür ich dankbar bin. Jeder Tag war speziell, auf seine eigene Weise.

Gab es ein Erlebnis, dass Sie besonders berührt hat?

Ich stamme aus einer Lehrerfamilie. Lehrer war mein Traumberuf, aber in der Sekundarschule war ich dafür nicht fleissig genug. In China war ich nun Englischlehrer. Ich war voll motiviert. In Australien lebte ich in einem einfachen Strandhaus. Aufgrund der globalen Erwärmung besteht die Gefahr, dass es dieses Haus bald wegschwemmt. Ich habe geholfen, den ganzen Strand mit einem natürlichen Schutzwall abzusichern. Abends ein Glas Weisswein bei Sonnenuntergang mit Blick auf die erledigte Arbeit. Wunderschön.

Waren Sie alleine unterwegs?

Ja, ich war immer alleine unterwegs. Meine Frau hat mich als Weihnachtsgeschenk in Australien besucht und mich symbolisch von meiner letzten Etappe in Brasilien abgeholt. Eine solche Reise, wie ich sie erlebt habe, ist zu zweit kaum möglich. Es würde die nötige Flexibilität nehmen.

Was waren Ihre Erkenntnisse auf dieser Reise?

Wir leben in der Schweiz im Paradies. Wir können Trinkwasser ab dem Hahn trinken. Auch, dass man mit zwei gesunden Händen gut durchs Leben kommt. Es gibt keinen besseren Weg, Länder und Kulturen kennen zu lernen. Ich war nicht Tourist, sondern ein Gast und Freund. Ich war Teil der Familien und somit deren Gesellschaften. Bei so einer Reise sieht man hinter die Kulissen. Man ist mittendrin. Unbezahlbar.

Was können Sie anderen Abenteuerlustigen erzählen, die selbst gerne einmal solch eine Reise wagen möchten?

Just do it! Seid mutig und zuversichtlich. Es kommt gut. Die Reise als Chance sehen. Habt Vertrauen in Land und Leute. Vertraut auf eure Stärken. Aber nicht nur davon träumen, sondern auch die dazu nötigen Schritte tun. Ohne Taten bleibt es wohl beim Traum.

Planen Sie selbst demnächst wieder eine Reise?

Zurzeit ist nichts in Planung. Vielleicht ein Buch schreiben lassen und anderen damit Mut machen.

Sie sagten, Sie seien als reicher Mann zurückgekommen. Wie versteht sich das?

Reich an Erfahrungen. Finanziell ist die Rechnung aufgegangen. Ich bin ohne Geld um die Welt gekommen und hatte zum Schluss ein paar Franken übrig.

Wie war denn Ihre Rückkehr?

Der Wiedereinstieg ist mir in allen Bereichen geglückt. Meine Freunde waren noch da, mein Familienleben wurde gestärkt und ich habe von meinen Chefs einen neuen Traumjob erhalten. Ich hatte rundum grosses Glück.

Hinweis

Urs Wirth wird Sonntag, 13. Mai, um 22.10 Uhr in der Sendung «Aeschbacher» auf SRF 1 von seinen Abenteuern erzählen.

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