REGION: Hoher Preis für wenig Schutz

Die geplante Thurkorrektur zwischen Bürglen und Weinfelden stösst auf Kritik. Landwirtschaftsvertreter befürchten einen Kulturlandverlust, und sie wehren sich gegen die hohen Kosten. Zudem fordern sie ein gemeinsames Vorgehen aller beteiligten Kantone.

Mario Testa
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Landwirt und Pferdehalter Jörg Bornhauser aus Weinfelden.

Landwirt und Pferdehalter Jörg Bornhauser aus Weinfelden.

Mario Testa

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@thurgauerzeitung.ch

Die geplante Thurkorrektur zwischen Bürglen und Weinfelden wird von den betroffenen Gemeinden unterstützt (TZ von gestern). Auch der Grosse Rat des Kantons Thurgau hat grünes Licht für das Projekt gegeben. Seitens der betroffenen Grundbesitzer, Landwirte und der IG Thur gibt es jedoch Kritik am 28-Millionen-Projekt.

An vorderster Front weibelt der Rothenhauser Landwirt Jörg Rechsteiner gegen das Projekt. An der Wega hat er zusammen mit den Kollegen der IG Thur – eine Vereinigung aus Mitgliedern des Bundes der Steuerzahler und der Neuen Bauernkoordination Schweiz – den Messebesuchern die Gründe für seine ablehnende Haltung erklärt. «Das Projekt ist massiv zu teuer. Zudem verursacht es einen grossen Kulturlandverlust», sagt Rechsteiner. «Spätestens seit sich das Schweizer Stimmvolk im September an der Urne für die Ernährungssicherheit und damit den Kulturlandschutz ausgesprochen hat, darf dieses Projekt einfach nicht umgesetzt werden.» Rechsteiner und seine Mitstreiter in der IG Thur stören sich auch daran, dass jeder Kanton «für sich wurstelt», wenn es um die Renaturierung und Korrektur von Flüssen geht. Die Thur fliesst bekanntlich auch durch die Kantone St. Gallen und Zürich. «Was bringt es da für den Hochwasserschutz, wenn jeder nur bis zur Kantonsgrenze denkt und entsprechend handelt? Was wir fordern, sind überregionale Gespräche für einen guten Hochwasserschutz.»

Renaturierung, verpackt im Schutzmäntelchen

Als Privater am meisten von der geplanten Thurkorrektur betroffen ist Kaspar Böhi. Seiner Familie gehört der grösste Privatwald in der Region und seiner Thurkraftwerk AG mehrere Kraftwerke in der Thur und an den 90 Thurkanälen. «Ob sich der Wald mit der Thurkorrektur verändert, spielt mir nicht so eine grosse Rolle», sagt Böhi. Er bekomme Realersatz oder Geld für den Wald, den er hergeben muss. «Das Angebot des Kantons ist marktgerecht.» Am Wald liegt es bei Böhi also nicht, dass er sich von der Thurkorrektur distanziert. Grund dafür sind die Kosten und der Hochwasserschutz. «30 Millionen für etwas Dreckschaufeln bedeutet nicht, das Problem an der Wurzel zu packen.» Auch Kaspar Böhi pocht auf eine gemeinsame Strategie der betroffenen Kantone anstatt Alleingängen. «Es braucht eine bessere Zusammenarbeit entlang des Systems Sitter/Thur. Viele kleine Rückhaltebecken entlang des Flusses und bei den Zuflüssen bringen sicher mehr als ein grosses Überflutungsgebiet.»

Dass für den Hochwasserschutz etwas gemacht werden müsse, sei klar. «Aber ich bin mit dem jetzigen Lösungsansatz nicht einverstanden. Man probiert es den Betroffenen als Hochwasserschutz-Projekt zu verkaufen, über 90 Prozent sind jedoch Renaturierungen.» Er empfinde es als etwas mühsam, dass sich der Kanton in der Argumentation gerne hinter den «Vorgaben aus Bern» verstecke.

Einsprachen als letzter Ausweg

Böhi fühlt sich in der Planung der Thurkorrektur zu wenig ernst genommen. «Man kann die betroffenen Grundeigentümer an einer Hand abzählen. Eine direkte, einfache Zusammenarbeit wäre gut möglich gewesen.» Zwar habe es Gespräche mit der Arbeitsgruppe gegeben, die hätten aber nichts gebracht. Und so sei den Grundbesitzern nur die Möglichkeit geblieben, Einsprache zu erheben. «Ich gehe jedoch davon aus, dass das nichts bringt und ich die bittere Pille schlucken muss.»

Auch für Jörg Bornhauser, der im Südosten von Weinfelden seinen Landwirtschaftsbetrieb mit Pferdehof betreibt, ist die Thurkorrektur nicht ausgereift. «Ich habe mich immer für einen Kompromiss eingesetzt. Ausbuchtungen im Thurvorland wären sicher eine gute Lösung gewesen, auch wenn ich mir mit dieser Aussage bei den Bauernkollegen keine Freunde gemacht habe.» Zwar hätten die Gespräche mit der Arbeitsgruppe in den vergan­genen 15 Jahren durchaus etwas gebracht, einzelne Anliegen seien eingeflossen. Dennoch sei das jetzige Projekt einfach nicht zu Ende gedacht und sehr, sehr teuer. Vor allem der Verlust besten Ackerlands in der Thurebene sei nicht hinnehmbar. «Ein Bauer kann nicht bauern ohne Boden.»