Real und doch erfunden

Die dritte Klasse der Kanti Romanshorn macht bei «Roman des Romands» mit. Das ist ein Literaturwettbewerb, bei dem die Schüler den Sieger küren.

Michèle Vaterlaus
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ROMANSHORN. Ein Mann reist nach Shanghai. Er verliert sich in der Stadt, er sucht nach etwas, aber er weiss nicht genau wonach. Bis er sich erinnert: Er sucht den Tod. Die Geschichte «Béton Armé» des welschen Autors Philipp Rahmy ist komplex. Die Schüler der Klasse 3ms der Kantonsschule Romanshorn haben sie gelesen und den Autor am Mittwoch mit ihren Fragen dazu konfrontiert.

Zwei statt neun Bücher

Das ganze findet im Rahmen des Projekt «Roman des Romands» statt. Das ist ein Literaturwettbewerb der welschen Schweiz, bei dem Mittel- und Berufsschüler den Sieger küren. «Normalerweise machen nur Französisch sprechende Schulen mit. Mir hat das Projekt aber gefallen, darum habe ich angefragt, ob wir uns nicht auch beteiligen können», sagt die Lehrerin Enza Gervasi. Für die Klasse in Romanshorn wurden die Bedingungen gelockert. Eigentlich müssen die Schüler neun Bücher lesen. Für die deutschsprachige Klasse waren es nur zwei. Jeweils zwei Autoren besuchen anschliessend die Klassen, um das Buch zu besprechen. «Bei uns sind es darum die beiden Autoren, von denen wir das Buch gelesen haben», sagt Gervasi.

Eigentlich ist er Poet

Die Schüler fragten Rahmy, ob das Buch autobiographisch sei, ob er einiges erfunden habe oder ob er überhaupt schon einmal in Shanghai war. Dort war er, das Buch sei teils real, teils fiktiv. Der Autor ist vorsichtig mit seinen Formulierungen. «In der Literatur ist es anders als in der Mathematik, da gibt es nicht richtig oder falsch, es gibt nicht eine Wahrheit», sagt er. «Ich finde es sehr berührend, dass sich die Schüler so sehr mit meinem Buch beschäftigt haben», sagt er. Denn die Geschichte sei komplex, und sich durch eine Fremdsprache zu arbeiten, sei nicht einfach. Für Rahmy war es das erste Buch, das eine Geschichte erzählt. «Bisher habe ich nur Poesie veröffentlicht», sagt er.

Sieger erst im Januar bekannt

Im November wird die Klasse das Buch von Silvia Härri «Loi de soi» besprechen. Dieses Mal jedoch per Videokonferenz. Wer den Preis «Roman des Romands» gewinnt wird erst am 27. Januar des nächsten Jahres entschieden. Der Preis ist mit 15 000 Franken dotiert.

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