«Raum für humanitäre Hilfe wird immer enger»

Seit zehn Jahren ist Markus Geisser in Krisengebieten aller Erdteile für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz tätig. Er erzählte davon bei der Museumsgesellschaft.

Hedy Züger
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In diversen Kriegs- und Krisengebieten Afrikas und Asiens stand Markus Geisser seit 1999 für das IKRK im Einsatz. Im Vortrag vor der Museumsgesellschaft ging er auf den Ursprung des Roten Kreuzes, den Gründer Henri Dunant sowie die Genfer Konvention ein. Kriegführende Mächte werden zur rechtmässigen Führung der Kriege verpflichtet. Das IKRK steht für die Opfer, meistens die Zivilbevölkerung, ein, es leistet humanitäre Hilfe – Schutz und Unterstützung – nach beiden Seiten.

Akut gefährdet

Wie er in einem kleinen afrikanischen Dorf einen War Lord, einen mächtigen Mann und Milizenführer traf und an die Menschenrechte erinnerte, dies schilderte Geisser als persönliche Erfahrung eindrücklich. Um das Gespräch führen zu können, nahm er einen palästinensischen Dolmetscher mit. Später gelang es dem IKRK, zwei aus dem Dorf des selben Mannes entführte Frauen bei den Gegnern aufzuspüren und frei zu bekommen.

«Der Raum für humanitäre Hilfe wird immer enger», erklärte der Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Humanitäre Helfer werden oft mit einer der Kriegsparteien in Verbindung gebracht und sind dann akut gefährdet. Um die Neutralität zu sichern, werden bewaffnete Eskorten abgelehnt. Das irakische IKRK-Team in Bagdad schützt sich durch Diskretion. Ein anderes humanitäres Werk tarnt sein Büro als Gemüseladen. Geisser: «Das Gesetz des Stärkeren dominiert das humanitäre Völkerrecht.»

Keine Weltverbesserer

Die Teams vor Ort sollen der Spiegel der Gesellschaft sein; das IKRK befinde sich im Status des Besuchers – Akzeptanz sei gefragt, erklärte Geisser.

Seine Zeit setzt er ein, um die überall wichtigen Kontakte zu knüpfen, ferner für Arbeiten im Feld und Administratives. Fragen der Besucher im Landenbergsaal richteten sich auf die Wahlen in den USA, den Einfluss Chinas in Afrika sowie «Hoffnung für Afrika». Afrika sei reich an Bodenschätzen und Menschen, die arbeiten können; etwas wenig Impulse erhalte der Kontinent von der internationalen Gemeinschaft, meinte Geisser. Wie er mit Eindrücken von Not umgehe, erkundigte sich eine Zuhörerin. Geisser: «Ich liebe meinen Beruf. Es ist in dieser Funktion wichtig, Distanz zu halten und sich nicht als Weltverbesserer zu sehen, solche Leute scheitern.» Entspannung findet er auch in Arbon, bei der Familie.

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