Räuberin aus Verzweiflung

Es war schwer, kein Mitleid mit der Frau zu haben. Die 57jährige Deutsche aus dem Grenzgebiet musste am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen antreten. Seit Jahren ist sie arbeitslos, ihre Aussichten eine Stelle zu finden sind schlecht, und sie muss mit 364 Euro Hartz IV im Monat auskommen.

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Es war schwer, kein Mitleid mit der Frau zu haben. Die 57jährige Deutsche aus dem Grenzgebiet musste am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen antreten. Seit Jahren ist sie arbeitslos, ihre Aussichten eine Stelle zu finden sind schlecht, und sie muss mit 364 Euro Hartz IV im Monat auskommen. Im Juni 2010 trennte sie sich von ihrem Ehemann und lebt seither bei ihrer Schwester. Dass es das Leben mit ihr nicht immer gut gemeint hat, sah man ihr an.

Kurzentschlossener Raub

Doch die schwierige Lebenslage könne ihre Kurzschlusshandlung im Juli 2010 nicht entschuldigen, entschied das Gericht. Es sprach sie des Raubes schuldig. Die Frau war im Einkaufszentrum Seepark in Kreuzlingen, hatte sich in der Migros Schokolade gekauft und begab sich auf die Damentoilette. Während sie sich die Hände wusch, kam eine weitere Frau herein. In dem Moment entschied sich die Angeklagte, dieser Geld wegzunehmen. Das Opfer wehrte sich, begann zu schreien. Die Hartz-IV-Empfängerin packte sie in der Folge, hielt ihr den Mund zu und befahl der Frau, still zu sein und das Geld herauszugeben. In dem Handgemenge riss die Täterin ihr Opfer auch an den Haaren und drohte ihr mit Schlägen, bis sie das Portemonnaie erhielt.

Anschliessend flüchtete die Frau und versteckte sich im Bereich der Aufzüge in einem Schrank, wo sie der geraubten Brieftasche 145 Franken und 45 Euro entnahm. Die Polizei verhaftete sie, als sie ihren Unterschlupf eine Stunde später verliess.

Eine einmalige Entgleisung

«Es tut mir furchtbar leid, dass ich diesen Blödsinn gemacht habe», sagte sie dem Richter und war den Tränen nah. «Das kann mir nie wieder passieren. Nein, nie mehr!» Sie bereue es jeden Tag.

Das Gericht glaubte ihr, legte die Strafe ans untere Limit. Sieben Monate Freiheitsstrafe muss sie nur absitzen, wenn sie sich in der zweijährigen Probezeit etwas zuschulden kommen lässt. Ihrem Opfer muss sie 500 Franken Genugtuung bezahlen. (ubr)