RÄTSEL: Das Futter des Salmsacher Bibers ist weg

Ein Biberpaar in der Aachmündung ist um seinen Wintervorrat gebracht worden. Wer oder was dafür verantwortlich ist, bleibt unklar.

Ralf Rüthemann
Drucken
Teilen
Biber sind hübsch zum Anschauen, aber lange nicht jedermanns Freund. In Salmsach sind nun die Futtervorräte des pelzigen Schwimmers verschwunden. (Bild: Mario Testa)

Biber sind hübsch zum Anschauen, aber lange nicht jedermanns Freund. In Salmsach sind nun die Futtervorräte des pelzigen Schwimmers verschwunden. (Bild: Mario Testa)

Er nagt und kann sogar ausgewachsene Bäume fällen, sieht aber niedlich aus und ist ein geschütztes Tier: Der Biber ist des einen Freud und des anderen Leid. Seit Jahren wird die Aachmündung in Salmsach von einem Biber besiedelt, mittlerweile ist es sogar ein Biberpaar. Vor dem Winter sammeln die Nagetiere jeweils Äste und Zweige als Futtervorrat und deponieren sie am Ufer der Aach auf der Seite des Naturschutzgebietes, gegenüber der Bootsanlegestellen. Auch dieses Jahr hat das Pärchen wieder einen Vorrat für den bevorstehenden Winter angehäuft. Doch vor etwa einer Woche ist das Futter verschwunden. 
 

Nicht auf der Suche nach einem Schuldigen

«Offensichtlich gibt es Leute, die den Bibern nicht so gut gesinnt sind», sagt Rolf Traber, der sich für den WWF um Angelegenheiten rund um den Biber, vor allem in der Region Romanshorn, kümmert. «Mir geht es aber nicht darum, einen Schuldigen zu finden», sagt Traber. «Es kann ja auch sein, dass der Vorrat versehentlich entfernt wurde. Ich will lediglich die Leute dafür sensibilisieren und ihnen bewusst machen, dass der Biber geschützt ist.» Der Futtervorrat der beiden Salmsacher Biber ist nicht ganz verschwunden, wie Traber festgestellt hat. Er liegt noch in der näheren Umgebung des Biberbaus, etwa 30 bis 40 Meter weiter unten. Das nützt dem Biber jedoch nichts, wie Reservatspfleger Max Hilzinger sagt: «Die Biber müssen alles holen und zu ihrem Bau bringen, das ist schon noch eine grosse Arbeit.»

Ob der Futtervorrat von Menschenhand verschoben wurde, bleibt ungewiss. Für Gemeindepräsident Martin Haas kommt auch eine andere Möglichkeit in Betracht: «Zur fraglichen Zeit hat es kräftig geregnet, und die Strömung der Aach war ziemlich stark. Es kann sein, dass die Äste weggeschwemmt wurden.» 
 

«Die Leute sollten aufgeklärt sein»

Ohne Einwilligung der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung darf keine Manipulation an einem vom Biber errichteten Bau, Damm, einer Burg oder einem Futterfloss vorgenommen werden. «Ich denke, die Leute sollten eigentlich aufgeklärt sein», sagt Rolf Traber. «Aber ich höre immer wieder mal abfällige Bemerkungen über den Biber.»

Aus dem Paar in der Aachmündung könnte übrigens bereits eine Familie geworden sein. «Passanten wollen bereits junge Biber gesehen haben», sagt Traber. «Ich kann dies jedoch noch nicht bestätigen.»