Prosit der Gemütlichkeit

Am Freitag wurde in Konstanz auf Klein-Venedig das Wiesnbier angestochen. Dass dabei nicht wenige kein Mass mehr haben, weil es ein Mass zu viel war, erstaunt kaum.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Hoch die Humpen: Das Oktoberfest auf Klein-Venedig wurde am Wochenende eröffnet und lockt Wiesnbierliebhaber über die Grenze. (Bild: Donato Caspari)

Hoch die Humpen: Das Oktoberfest auf Klein-Venedig wurde am Wochenende eröffnet und lockt Wiesnbierliebhaber über die Grenze. (Bild: Donato Caspari)

Konstanz. Bis Anfang Oktober wird in Konstanz Oktoberfeststimmung zelebriert, als würde München am Bodensee liegen. Das Oktoberfest hört man am Freitagabend schon von weitem. «Des wird a Gaudi», denkt man sich.

Kurz nach 21 Uhr sitzt eine junge Frau auf einer Bank vor dem riesigen Festzelt. «Mir trümmlet's», klagt sie ihrer Begleiterin. Beide tragen sie Dirndl.

Viele der Besucherinnen haben sich in die traditionelle bayrische Tracht geworfen, auch bei den Herren sieht man da und dort die Lederhose.

Blau-weisse Seligkeit

Im Festzelt runden die Farben Blau und Weiss sowie passende Deko-Elemente die Stimmung ab. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei hundert Prozent. Es ist dunstig, und nach spätestens drei Minuten tropft einem der Schweiss oder das Bier des Nachbarn runter. Auf einem Wegweiser ist «Da kasch abandln» als kleine Hilfestellung festgehalten.

Auch nach dem x-ten Mass muss man wissen, wo es langgeht. Unzählige Festtische reihen sich aneinander, in der Mitte eine Bühne, wo zurzeit die Party- Combo Münchner Zwietracht mit einem Ballermann-Hit Eintracht sät.

Nur spasseshalber angemeldet

Die Besucher stehen auf den Bänken und grölen leidenschaftlich mit. Servicepersonal hetzt herum, mit einigen Mass in den Armen oder Teller voller Haxen.

Auch Miss und Mister Oktoberfest 2009, Lena Spies und Sahle Fessehaye, haben zu tun. Es mache sie stolz, zusammen mit ihrem Freund ausgewählt worden zu sein und die Jugend am Oktoberfest zu vertreten, sagt Lena. Sie hätten sich ja nur spasseshalber am Casting angemeldet. Dann müssen die beiden weiter, ein Promo-Termin wartet.

Wissen, wann Schluss ist

Dagegen haben der 27jährige Michael Aebli und sein zwei Jahre jüngerer Cousin Marc Aebli nicht mehr viel vor. Zusammen mit zehn Kollegen feiern sie seit dem frühen Abend im Festzelt.

Mit dem Alter komme aber die Weisheit, dass nach drei Mass Schluss sei. Deshalb sitzen die zwei Tägerwiler nun an einem alkoholfreien Getränk.

Mädchen eine Augenweide

Gegen den kleinen Hunger verdrückt Marc eine Currywurst. Sie hätten zwar nicht reserviert, trotzdem Plätze mittendrin bekommen.

Jedoch seien sie erst nach einer Stunde mit der ersten Runde Mass bedient worden. Aber am ersten Abend sei das noch verzeihlich, findet Michael.

Das Hendl sei etwas trocken gewesen, dafür seien die Mädchen in den Dirndln eine Augenweide und légère unterwegs. Er sei zwar schwer verliebt, aber schauen dürfe man ja, findet Michael.

Bier ist kein Alkohol

Schräg gegenüber von Marc und Michael faselt ein älterer Konstanzer von der deutschen Marine und behauptet, Bier sei kein Alkohol. Zum Glück ist bald Zapfenstreich.

Aktuelle Nachrichten