Prinz Karneval ist tot und verbrannt

Drei Feuerwerksraketen gen Himmel, gefolgt von einem Böllerschuss, der durch Mark und Bein geht – dann ist die Fasnacht tot. Schon seit 1926 wird sie in Tägerwilen jährlich wiederkehrend beerdigt. Der «Narrensamen» kümmert sich um die liebevolle Inszenierung.

Urs Brüschweiler
Merken
Drucken
Teilen

Drei Feuerwerksraketen gen Himmel, gefolgt von einem Böllerschuss, der durch Mark und Bein geht – dann ist die Fasnacht tot. Schon seit 1926 wird sie in Tägerwilen jährlich wiederkehrend beerdigt. Der «Narrensamen» kümmert sich um die liebevolle Inszenierung. Am Montagabend, begleitet von traurigen Klängen der Rhytüfeli, werden zuerst die Fahnen bei der Bürgerhalle eingeholt, bevor sich der Hemdglonggerumzug aufmacht mit Prinz Karneval eine letzte Reise durch die Dorfstrassen zu unternehmen. Beim Trittenbachschulhaus wartet bereits der Fasnachtspfarrer beziehungsweise mit Elvira Pauli dieses Jahr die Fasnachtspfarrerin. Sie erzählt den vielen grossen und kleinen Tägerwilern in Versform von den Peinlichkeiten, den Missgeschicken und den Malheuren der Dorfbewohner unterm Jahr. Da gibt es dann zu Schmunzeln über den Schulpräsidenten und das denkmalgeschützte Schulhaus, den ledigen Bauern, der zum Fernsehstar wird, oder auch von viel Lärm Obentoben. Doch eigentlich sind sie alle unsäglich traurig. Rotz und Wasser heulen die Tägerwiler über den Hinschied ihres Prinz Karneval. Gespickt mit Böllern am Leib tragen sie dessen Leichnam zu seinem brennenden Grab.