Post war nicht Anfang vom Ende

EGNACH. Rund ein halbes Jahr nach der Schliessung der Poststelle in Egnach haben sich die Dorfbewohner mit der Situation abgefunden. Und es ist keine Negativspirale in Gang gekommen: Der Volg und die Raiffeisenbank bleiben im Dorfkern.

Ramona Riedener
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Keine wesentlichen Umsatzeinbussen: Der Volg-Laden spürt die Schliessung der Post nicht stark. (Bild: Ramona Riedener)

Keine wesentlichen Umsatzeinbussen: Der Volg-Laden spürt die Schliessung der Post nicht stark. (Bild: Ramona Riedener)

Oberhalb der Eingangstür zur ehemaligen Post in Egnach haben Spinnen ihre Gespinste hinterlassen. Das Haus an der Bahnhofstrasse steht einsam da und zeigt bereits erste Spuren von Verwahrlosung. Ausser einem Anschlag mit Hinweis auf den neuen Hausservice deutet nichts mehr darauf hin, dass hier über Jahrzehnte die Post beherbergt war.

Egnacherinnen und Egnacher haben sich letzten Herbst gemeinsam mit der Dorfvereinigung vergeblich gegen die geplante Schliessung gewehrt. Nachdem bereits die Landi aus dem Dorf weggezogen ist und es auch keine Bäckerei mehr gibt, befürchteten die Dorfbewohner, dass auch der Volg und die Raiffeisenbank in unmittelbarer Nähe ihre Zelte abbrechen könnten.

Verändertes Kundenverhalten

Heute, rund ein halbes Jahr nach der Schliessung der Post, hat die Raiffeisenbank keine wesentliche Veränderungen festgestellt. Laut Ruedi Reinhard, Vorsitzender der Bankleitung, wurden die Öffnungszeiten bereits vor der Postschliessung dem heutigen Kundenverhalten angepasst. «Immer mehr Leute benutzen E-Banking zur Erledigung ihrer Einzahlungen», erklärt Reinhard die Reduzierung der Öffnungszeiten. Die wenigsten würden heute noch Geld bei der Bank abheben, um anschliessend in der Post die Rechnungen zu bezahlen. Dies hätte sich in der ganzen Welt, nicht nur in Egnach, verändert. Die anderen Dienstleistungen der Raiffeisenbank Egnach werden weitergeführt, und eine Schliessung sei nicht zu befürchten.

Volg ist nicht gefährdet

Auch der Volg gegenüber der ehemaligen Post ist gut ins neue Jahr gestartet. Nach Aussage von Andrea Sutter, Bereichsleiter Verkauf Region Ostschweiz, hatte die Postschliessung keine wesentlichen Umsatzeinbussen für den Dorfladen zur Folge. «Es gibt keinen Grund, über eine Schliessung des Volg nachzudenken», zerstreut er die Bedenken der Dorfbewohner. Natascha Corradini, die Präsidentin der Dorfvereinigung Egnach, unterstützt den Dorfladen in allen Belangen und würde sich entschieden gegen eine Schliessung zur Wehr setzen. Auch nimmt sie den Posthausservice wenn immer möglich in Anspruch. Wie viele Egnacherinnen und Egnacher ist sie nicht bereit, die Post in Neukirch aufzusuchen.

Schade für Egnach

Im gleichen Gebäude neben dem Volg hat Rita Grünenwald seit drei Jahren ihre Geschenkboutique «Zeitperle». Die 59-Jährige findet es nach wie vor schade für Egnach, dass die Post geschlossen wurde. Von ihrem Geschäft aus konnte sie den Postbetrieb täglich beobachten. Und ihrer Meinung nach wurde dieser rege benutzt. Die Postschliessung wäre ihrer Meinung nach nicht nötig gewesen. Ausserdem würden in Egnach so viele neue Wohnungen gebaut. Jetzt müssten alle mobil sein, wenn sie auswärts ihre Postgeschäfte machen wollen. Vom Hausservice habe sie von ihnen Kundinnen Unterschiedliches gehört. «Ich selber habe ihn allerdings noch nie benutzt», sagt die Geschäftsfrau. «Kürzlich habe ich gelesen, dass die Post in Scherzingen wegen guter Kundenfrequenz ausgebaut wird. Das hat mich sehr gefreut.»

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