Posaunen für amerikanische Profis

WEINFELDEN. Posaunisten aus der ganzen Welt reisen neuerdings nach Weinfelden, um sich ein neues Arbeitsgerät zu kaufen. Das Blaswerk Haag produziert und repariert Blasinstrumente seit einem Monat am neuen Standort an der Gaswerkstrasse.

Mario Testa
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Der Amerikaner Matthew Guilford probiert im Anspielraum eine Haag-Kontrabassposaune aus. Gebaut werden diese glänzenden Instrumente von den Spezialisten in der Werkstatt gleich nebenan. (Bilder: Mario Testa)

Der Amerikaner Matthew Guilford probiert im Anspielraum eine Haag-Kontrabassposaune aus. Gebaut werden diese glänzenden Instrumente von den Spezialisten in der Werkstatt gleich nebenan. (Bilder: Mario Testa)

Matthew Guilford steht in einem der beiden Anspielräume, eine Bassposaune an den Lippen spielt er eine Tonleiter nach der anderen. «I like it», sagt Guilford, als er das Instrument absetzt und es Fabian Bächi zurückgibt. Der Blasinstrumentenmacher übergibt dem amerikanischen Kunden ein noch tieferes Instrument, eine Kontrabassposaune. Guilford setzt sein Mundstück an und bläst rein. Beim tiefen Ton, der ertönt, vibriert es im Raum. Der 48-Jährige spielt eine Weile, setzt wieder ab und grinst: «Diese mag ich sogar noch mehr.»

Seit 22 Jahren spielt der studierte Posaunist beim Nationalen Symphonieorchester der Vereinigten Staaten in Washington mit. «Die Haag Posaunen sind bei uns in Amerika sehr bekannt. Sie geniessen einen ausgezeichneten Ruf», sagt Guilford. Er ist mit dem Orchester auf Europatournée und zurzeit in Nürnberg stationiert. «Wir haben einen freien Tag, und den habe ich genutzt, um mit dem Zug hierher zu reisen. Ich will auch so eine Haag-Posaune.»

Je tiefer desto seltener

Weltweit gibt es nur ganz wenige Firmen, die sich an die Spezialanfertigung von Kontrabassposaunen und der verwandten Cimbassos wagen. «Wir sind einer von etwa fünf Mitbewerbern auf dem Markt», sagt Instrumentenmacher Franz Monschau. Besonders in den USA sind die Haag-Posaunen weit verbreitet. «Wer den Kinofilm <Fluch der Karibik> schaut, hört unsere Posaunen.» Die drei Posaunisten des Orchesters Hollywood Studio Symphony spielen auf Haag-Posaunen. Billig sind die handgefertigten Instrumente nicht. Bis zu 17 000 Franken kostet eines.

Noch bis Ende 2012 hatte Musik Haag seine Geschäfte an vier Standorten in der Ostschweiz. «Im Januar haben wir dann die Standorte Wil, St. Gallen und den bisherigen Hauptsitz in Kreuzlingen aufgelöst und sind in den Neubau in Weinfelden an der Gaswerkstrasse gezogen», sagt Geschäftsinhaber Marco Weber. Einzig die Filiale in Wetzikon blieb.

Kurze Wege für die Mitarbeiter

Dank dem Zusammenzug in Weinfelden konnten die meisten Mitarbeiter profitieren. «Fast alle wohnen in der Umgebung, sie haben nun viel kürzere Arbeitswege», sagt Marco Weber. Zudem sei das ganze Team und damit auch die Kompetenz für alle Arten von Blasinstrumenten nun an einem Ort konzentriert. «Wenn Kunden kommen, finden Sie immer einen Ansprechpartner für ihr jeweiliges Instrument.»

1,8 Millionen Franken hat Weber in den Bau des Blaswerks Haag in Weinfelden investiert. Entstanden ist ein Gebäude, das vielseitig genutzt werden kann. Die Instrumentenwerkstatt ist offen, jeder Kunde erhält Einblick in die Tätigkeit der Handwerker. Die Maschinenräume sind abgetrennt. «Das ist viel besser als zuvor in Kreuzlingen. Da waren wir dem Lärm der Maschinen immer ausgesetzt», sagt Blasinstrumenten-Reparateur Severin Lauper, während er die Klappen eines Saxophons repariert. Sein Kollege Matthias Gubler, eine silberne Flöte in der Hand, ergänzt. «Wir konnten mitreden bei der Planung der Werkstatt, jetzt sind die Abläufe ideal.» Ein Verkaufsraum, zwei Anspielräume, ein grosses Lager und ein kleines Konzertlokal befinden sich ebenfalls im Blaswerk.

Ideenfindung in der Alphütte

Bevor Inhaber Marco Weber die Planung des neuen Blaswerks an die Hand genommen hatte, lud er 2011 alle zehn Mitarbeiter zu einem Wochenende in eine Berghütte ein. «Dort sassen wir zusammen und diskutierten Ideen für den Neubau», erzählt Weber. Es habe sich sehr gelohnt. Ein Resultat der Diskussion sei das kleine Konzertlokal im Blaswerk. «So können wir Musikern einen günstigen Konzertraum anbieten, und das Publikum seinerseits lernt unseren Laden und die Werkstatt kennen. Beide Seiten profitieren.»