Polizeieinsatz wegen Goldfischen

MÜNSTERLINGEN. Zierfische dürfen nicht in der Natur ausgesetzt werden. Dennoch entsorgten Unbekannte in einem Münsterlinger Rückhaltebecken zwei Goldfische und einen Koi. Sie wurden sofort abgefischt. Die Polizei ermittelt.

Samuel Koch
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Der Fischereiaufseher wird aktiv: Goldfische gehören nicht in Weiher. (Bild: Nana do Carmo/Archiv)

Der Fischereiaufseher wird aktiv: Goldfische gehören nicht in Weiher. (Bild: Nana do Carmo/Archiv)

Im Rückhaltebecken Weierwies in Münsterlingen sind fremdartige Zierfische entdeckt worden. Auf der Gemeindeverwaltung reagierte Gemeindeammann René Walther sofort: «Wir haben einen Anruf von Anwohnern erhalten und haben die notwendigen Massnahmen eingeleitet.»

Nachdem die Kantonspolizei Thurgau den Tatbestand aufgenommen hatte, wurde der zuständige Fischereiaufseher Roman Niedermann aufgeboten. Niedermann fischte bisher drei Schuppentiere aus dem Becken. «Zwei Goldfische und ein Koi», bestätigt er. Niedermann brachte die Fische nun an einen geeigneten Ort.

Bewilligung erforderlich

Aktuell ist eine polizeiliche Ermittlung in Gang, denn das Aussetzen von nicht einheimischen Fischarten erfordert eine Bewilligung von Bundesbern. Laut Bundesgesetz über die Fischerei (BGF) ist es verboten, landesfremde Fisch- und Krebsarten in heimischen Gewässern auszusetzen.

Eingeschleppte Tierarten können in Schweizer Gewässern nicht nur einheimische Lebewesen verdrängen, sondern auch deren Larven fressen und somit die Existenz von einheimischen Tieren gefährden. Eine Aussetzung ist nicht nur verboten, sondern gilt als Offizialdelikt. Womit müssen Personen rechnen, die fremdartige Tiere in die freie Natur entlassen? Bei einem Offizialdelikt handelt es sich im Gegensatz zum Antragsdelikt um eine Straftat, welche bei Kenntnis vom zuständigen Amt verfolgt und nicht auf Antrag eines Betroffenen erfolgen muss. Gemäss dem Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, Daniel Metzler, werden die abschliessenden Ermittlungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen übergeben. Nach Beurteilung des Falls könnte den Tätern eine Geldstrafe drohen.

Ob ökologische Schäden im Retentionsbecken und deren Lebewesen wie Libellen oder Kaulquappen entstanden sind, ist gemäss Roman Kistler, Amtsleiter der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau, kaum zu eruieren. «Das Hauptproblem mit fremdartigen Lebewesen ist, dass sie Krankheiten an einheimische Tiere weitergeben können, wie sich dies vor Jahren beim nordamerikanischen Kamberkrebs ereignet hat», warnt Kistler. Dieser ist Träger der Krebspest, einer Pilzkrankheit, gegen die Kamberkrebse immun sind, aber einheimische Krebse damit anstecken und diese dadurch eingehen, betont er weiter.

Aquarien werden geleert

«Das Wichtigste ist, dass fremde Fische so schnell wie möglich abgefischt werden», sagt Kistler. Sobald sie sich dort fortpflanzten, sei der Schaden fast nicht mehr reparabel.

Wie häufig es vorkommt, dass fremde Fische ausgesetzt werden, ist laut Roman Kistler schwierig zu beurteilen. «Das ist nicht abschätzbar», betont er. In den meisten Fällen würden Goldfische aus Aquarien ausgesetzt. Auch für den zuständigen Fischereiaufseher Niedermann ist dieser Fall eher aussergewöhnlich: «Zum Glück finden solche Aussetzungen nur sehr selten statt», bestätigt er. Ob sich aktuell noch weitere fremdartige Fische im Becken aufhalten, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Deshalb wird Niedermann Nachkontrollen durchführen und gegebenenfalls die übrigen, unfreiwilligen Ökosystem-Eindringlinge noch abfischen.

Bei der Gemeinde Münsterlingen ist der Umgang mit dieser Thematik Neuland. Deshalb erwähnt der Gemeinderat, dass er weder das Aussetzen oder Ansiedeln von Tieren, noch das Setzen von Pflanzen im Bereich öffentlicher Naturschutzgebiete dulde.

Becken ist Puffer

Das seit 2014 bestehende Rückhaltebecken Weierwies an der Kreuzung Weiherstrasse-Rohrenzelgstrasse dient der Gemeinde vor allem als Hochwasserschutz. René Walther erklärt: «Bei starken Regenfällen dient das Rückhaltebecken als Pufferzone.» Überschwemmungen im Dorfbach könnten so verhindert werden und zusätzlich diene das Rückhaltebecken als naturnahes Erholungsgebiet für die Gemeindebewohner.