«Politik macht man nicht allein»

BISCHOFSZELL. In der Sittermühle erklärt Thomas Weingart, weshalb er den Schritt vom Radiojournalisten zum Bischofszeller Stadtpräsidenten wagen möchte. Grossen Wert legt der 44jährige Kandidat auf Zusammenarbeit in allen Bereichen.

Georg Stelzner
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Der Ort, an dem Thomas Weingart am Dienstag über die Beweggründe für seine Kandidatur und die Zielsetzungen im Falle einer Wahl sprach, war nicht zufällig gewählt. Der Schauplatz war symbolträchtig und sollte zum Ausdruck bringen, dass die Quartiere der Stadt noch mehr zusammenwachsen müssen. Die Medienkonferenz, an der alle Interessierten teilnehmen durften, habe er einberufen, um seiner Bewerbung für das höchste Amt in Bischofszell Profil zu geben, sagte Weingart.

Günstiger Zeitpunkt

Nachdem er das Zustandekommen der Kandidatur rekapituliert hatte, nahm Weingart zu seiner Motivation Stellung. «In Bischofszell wollen viele Leute etwas bewegen und dazu gehöre auch ich», sagte der Kandidat, um sogleich klarzustellen, dass es dabei gar nicht immer um den ganz grossen Wurf gehen muss. Weingart räumte ein, dass ein Wechsel ins Bischofszeller Rathaus für ihn auch mit etwas Wehmut verbunden wäre. Der Beruf des Radioreporters sei sein Bubentraum gewesen; andererseits wäre der Zeitpunkt für den Einstieg in die Politik günstig.

Weingart äusserte sich auch zu seinem Demokratieverständnis. Es gebe in der Politik eine einfache Regel, stellte er fest: «Die Mehrheit entscheidet, doch die Mehrheit muss auf die Minderheit Rücksicht nehmen.» Ausdrücklich bezeichnete es der keiner politischen Partei angehörende Kandidat als ein wichtiges Anliegen, die Streit- und Diskussionskultur in Bischofszell in positivem Sinne zu beeinflussen.

Kandidat der Mitte

Weingart beschrieb sich als kontaktfreudig, teamfähig und gut vernetzt. Dank seiner Funktion als Redaktionsleiter Ostschweiz und Graubünden beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) habe er Führungserfahrung. Er sei es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen und mit Kritik konfrontiert zu werden. Fundiert zu recherchieren, sei ihm aufgrund seiner journalistischen Tätigkeit nicht fremd. Weingart wies darauf hin, dass er zurzeit den Lehrgang «Politik» an der Universität St. Gallen belege, um sich weiterzubilden.

Den Umstand, dass er sich keiner Partei anschliesst, erklärte Weingart damit, dass ihm eine derartige Mitgliedschaft die spätere Rückkehr in seinen heutigen Beruf erschweren oder gar verunmöglichen würde. Eine Zuordnung scheute Weingart gestern trotzdem nicht. Er bezeichnete sich als bürgerlich. «Ich stehe in der Mitte und vertrete keine Extrempositionen.» Damit ihn die Wähler politisch einordnen könnten, mache er sein Abstimmungsverhalten bei den nationalen Vorlagen der Jahre 2014 und 2015 im Internet publik.

Als Bischofszeller Stadtpräsident würde Weingart auf die lokale Verkehrsproblematik, die Zusammenarbeit mit den Ortsparteien und anderen Körperschaften sowie auf das Zusammenwachsen der Gemeindeteile ein Hauptaugenmerk werfen. «Politik macht man nicht allein», gab Weingart zu bedenken. Zuhören sei ihm sehr wichtig.

Appell an die Parteien

Als Vertreter des Unterstützungskomitees meldete sich Peter Bätscher zu Wort. Der Präsident des Quartiervereins Sittertal bescheinigte Weingart, das Zeug zum neuen Stadtoberhaupt zu haben. «Er bringt Ideen ein, schätzt andere Meinungen und scheut sich nicht anzupacken», beschrieb er Weingart, den er durch die gemeinsame Tätigkeit im Vorstand des Quartiervereins näher kennengelernt habe.

Bätscher begrüsst die parteiunabhängige Kandidatur Weingarts. «Nach all den Geplänkeln der letzten Jahre kann dies für Bischofszell zum heutigen Zeitpunkt nur von Vorteil sein», führte er aus. Die Parteien seien nun gefordert, dem Kandidaten die Hand zu reichen und für die anstehenden Probleme gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Weingarts Kandidatur für das Bischofszeller Stadtpräsidium wird bisher von der CVP, EDU, FDP und SVP unterstützt. Die SP beriet gestern abend darüber.