Plötzlich ist alles kaputt

Vor sechs Wochen krachte ein Lastwagen in das Auto von Hans Peter Traber. Dabei wurde auch der angehängte Güggeliwagen zerstört. Traber hat sich vom Unfall erholt. Nun muss sich der bald 64-Jährige einen neuen Job suchen.

Cyrill Rüegger
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Hans Peter Traber vor seiner Garage, in der er noch bis vor kurzem jeweils seinen Güggeliwagen vorbereitet hat. (Bild: Cyrill Rüegger)

Hans Peter Traber vor seiner Garage, in der er noch bis vor kurzem jeweils seinen Güggeliwagen vorbereitet hat. (Bild: Cyrill Rüegger)

BÜRGLEN. «Plötzlich erwacht man im Strassengraben und alles ist kaputt.» Hans Peter Traber sitzt nachdenklich am Küchentisch seines Hauses in Bürglen. Vor sechs Wochen war er mit seinem Auto und seinem Chikkeria-Güggeliwagen schwer verunfallt. Ein Lastwagen rammt ihn auf einer Kreuzung zwischen Langrickenbach und Mattwil (siehe Kasten). An den Unfall selbst kann sich Traber nicht mehr erinnern: «Ich weiss nur noch, dass ein guter Bekannter gefragt hat, ob ich aus dem Auto steigen könne.»

Es handelt sich um Dani Fröhlich, der zufällig am Unfallort vorbeikommt. «Ich habe mich natürlich gleich nach meinem Güggeliwagen erkundigt», sagt Traber. «Doch mein Kumpel meinte, dass das nun das kleinste Problem sei.»

«Wie brauchen die Rega»

Traber kann sich aus dem Autowrack befreien. Als ihm die Rettungssanitäter die Kleider aufschneiden, hört er noch wie einer von ihnen sagt: «Wir brauchen die Rega.» Danach wird er bewusstlos.

Beim Unfall hat sich Traber sechs Rippen gebrochen. Eine hat sich in seine Lunge gebohrt. Traber liegt zwei Wochen im Spital in St. Gallen. Danach absolviert er eine dreiwöchige Reha in Walenstadtberg. Gesundheitlich gehe es ihm nun wieder recht gut. «Schon unglaublich, wie viel Glück ich hatte. Es ist ein wenig, als würde ich ein zweitesmal leben.»

Trotzdem ist es nicht der Unfall, der Traber am meisten beschäftigt. Vielmehr macht er sich Sorgen um seine Zukunft. Er blickt wehmütig aus dem Küchenfenster und zeigt auf den leeren Vorplatz. «Dort ist mein Jeep mit dem Güggeliwagen gestanden», sagt er. «Es ist schon ein rechter Hammer, wenn von einer Sekunde auf die andere die ganze Existenzgrundlage weg ist.»

Auf Jobsuche mit 64

Beim Unfall wurden sowohl Trabers Auto, wie auch der erst zweijährige Güggeliwagen komplett zerstört. Zwar zahle die Versicherung eine angemessene Vergütung. Einen neuen Güggeliwagen zu kaufen, lohne sich für die kurze Zeit bis zur Pensionierung jedoch nicht, sagt Traber. «Ich hätte nie gedacht, dass ich mit bald 64 Jahren nochmals einen Job suchen muss.» Auch wenn er nicht wisse, wie es beruflich weitergehen soll, sei eines sicher: Zu Hause rumsitzen will er nicht.

Gegen den Lastwagenchauffeur hegt Traber keinen Groll, auch wenn für ihn unerklärlich ist, wie der Chauffeur ihn auf der Kreuzung übersehen konnte. «Er hat sich bei mir entschuldigt und steht zu seinem Fehler. Das hat Respekt verdient.»

Viele Überbleibsel

Hans Peter Traber öffnet das Tor zur Garage, in der er früher seine Güggeli vorbereitet und den Wagen beladen hat. Darüber hängt ein Holz-Huhn, das ihm seine beiden erwachsenen Kinder geschenkt haben. In der Garage stehen vier riesige Kühlschränke. Nebenan im Lagerraum stapeln sich Kartons mit Feuchttüchern und Warmhalte-Beutel bis unter die Decke. «Das alles versuche ich nun, irgendwie zu verkaufen.»

Erinnerungen an Weinfelden

Seit neun Jahren hat Traber als Güggeli-Grilleur gearbeitet. Jeden Mittwoch stand sein Chikkeria-Wagen bei der Schreinerei Schadegg in Weinfelden. «Dort hatte ich immer am meisten Leute», sagt er. «Ich hatte allgemein eine tolle und treue Kundschaft. Leider konnte ich mich nun gar nicht verabschieden.» Traber hat viel Herzblut und Zeit in seinen Beruf gesteckt. Es sei ein strenger und kein wirklich lukrativer Job. «Doch ich habe ihn gern gemacht.»

In den schwierigen letzten Wochen konnte er immer auf die Unterstützung seiner Frau Marlies zählen. «Sie war grossartig, auch wenn es für sie nicht immer einfach war, den Kunden zu erklären, was passiert ist.» Zahlreich hätten sich die Leute gemeldet und sich nach ihm erkundigt. Das habe ihn sehr gefreut, sagt Traber. «Einige Kunden haben mich sogar zum Mittagessen eingeladen. Da freue ich mich besonders drauf.»

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