Pionierprojekt spürt Konkurrenz

ROMANSHORN. Die Genossenschaft Alterssiedlung und Altersheim Romanshorn will das Seniorenzentrum Konsumhof verkaufen. Altersgerechte Wohnungen gibt es mittlerweile viele. Einzelne Vermieter bieten sogar einen Putz- und Einkaufsservice an.

Markus Schoch
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Innenhof des Seniorenzentrums: Unten hinter der Glasfront hat die Spitex ihren Stützpunkt. (Bild: Markus Schoch)

Innenhof des Seniorenzentrums: Unten hinter der Glasfront hat die Spitex ihren Stützpunkt. (Bild: Markus Schoch)

Es war ein lange gehegter Wunsch, der vor 20 Jahren mit der Eröffnung des Konsumhofs im Zentrum von Romanshorn mit 44 altersgerechten Wohnungen in Erfüllung ging. Beim Spatenstich im Februar 1992 sprach der damalige Genossenschaftspräsident Max Tobler von einem «historischen Tag» für die Gemeinde, die sich mit 500 000 Franken an den Baukosten von rund 15 Millionen Franken beteiligte. Das Projekt liege auch im öffentlichen Interesse, schrieb der Gemeinderat damals in der Abstimmungsbotschaft.

Konkurrenz wird grösser

Die Zeiten haben sich geändert: Heute sind praktisch alle Neubauwohnungen altersgerecht. Ein Lift beispielsweise ist Standard, sagt Werner Flück, der Leiter des Hauses Holzenstein der Genossenschaft Alterssiedlung und Altersheim Romanshorn. Vor zwei Jahren machte er eine Erhebung in der Stadt und kam zum Schluss: Die Konkurrenz für den Konsumhof wird immer grösser.

«Geht es so weiter, bekommen wir bald Belegungsprobleme», sagt Flück. Die Warteliste sei heute bereits bedeutend kürzer als noch vor ein paar Jahren. «Wir hatten bis jetzt aber noch keine Probleme, die Wohnungen zu vermieten», stellt der langjährige Heimleiter klar.

Die Spitex und ähnliche private Organisationen, der Mahlzeitendienst, eine gute ärztliche Versorgung, Nachbarschaftshilfe und Mittagstische würden es Senioren erlauben, immer länger in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Das zeige sich auch im Alter der Menschen, die in ein Alters- und Pflegeheim eintreten würden: Es steige kontinuierlich.

Wohnen mit Service

Auch private Anbieter im Immobiliensektor machen gerade älteren Personen das Leben immer einfacher. Mieter der 2011 fertig gestellten Überbauung Silberholz bei der Hubzelg etwa erhalten diverse Zusatzdienstleistungen: Auf Wunsch werden Wohnung und Wäsche gereinigt. Gibt es ein Problem, kümmert sich ein so genannter Troubleshooter darum: Er hilft beim Einkaufen, hängt Bilder auf oder schliesst den Fernseher an.

Weit verbreitet sind Wohnangebote mit Service in Romanshorn allerdings noch nicht. Weder Stadtrat und Baukommissions-präsident Danilo Clematide noch Hans Hagios, der Präsident des Clubs der Älteren, kennen weitere Beispiele.

Offen für neue Aufgaben

Der Vorstand der Genossenschaft Alterssiedlung und Altersheim entschied sich im letzten Jahr mit Blick auf das veränderte Umfeld, das Seniorenzentrum zu verkaufen, zumal auch externe Experten im Rahmen einer Strategieplanung zu diesem Schritt geraten hatten. «Damit sind wir offen für neue Aufgaben», sagt Flück. Im letzten Jahr kaufte die Genossenschaft für 715 000 Franken eine 2114 Quadratmeter grosse Parzelle angrenzend ans Alterswohnheim in Holzenstein für einen Erweiterungsbau.

An der Generalversammlung Ende Mai sollten die Genossenschaftsmitglieder grünes Licht zum Verkauf des Konsumhofs geben. Das Geschäft musste aber kurzfristig verschoben werden, da der mögliche Käufer die nötigen Sicherheiten nicht beibringen konnte. Es sei ihm bis heute nicht gelungen, sagt Genossenschafts-Präsident Christian Hug.

Im gleichen Stil weiter

Er hätte nicht gedacht, dass es so schwierig sein würde, die Liegenschaft zu veräussern. Er habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Oberthurgau von Investoren im Immobilienbereich in Bezug auf die Rendite als kritisch eingestuft werde. «Wir haben zum Glück Zeit», sagt Hug. «Wir stehen nicht unter Druck.»

Wichtig sei, eine gute Lösung für die Bewohner zu finden, betont Flück. «Sie sind sehr interessiert daran, dass es im gleichen Stil weiter geht.» So steht den Mietern des Konsumhofs für 70 Franken pro Monat rund um die Uhr eine ausgebildete Krankenschwester auf Abruf zur Verfügung. Sicherheit bietet auch ein Knopf in jeder Wohnung, den der Mieter täglich bis zu einer bestimmten Zeit am Morgen drücken muss. Tut er es nicht, schaut die Spitex vorbei, die im gleichen Gebäudekomplex ihren Stützpunkt hat. Geschätzt würden auch der Gemeinschaftsraum als Ersatz für das ehemalige Café und die regelmässigen Zusammenkünfte, bei denen Probleme im Haus besprochen würden, sagt Flück. «So fühlen sich die Bewohner ernst genommen.» Dieses Vertrauen müssten sie auch künftig in den Besitzer der Liegenschaft haben können.

Werner Flück, Heimleiter. (Bild: dwa)

Werner Flück, Heimleiter. (Bild: dwa)