Pionier und Brückenbauer

1980 nach Arbon gekommen, liebäugelte er mit der Politik. Doch der Arzt Roman Buff half zuerst dem Stadtorchester auf die Beine und stand an der Wiege der Musikschule Arbon, ehe der «Arboner des Jahres» doch noch Politiker wurde.

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Roman Buff vor dem Seeparksaal, wo er am Sonntag als «Arboner des Jahres» geehrt werden wird. (Bild: Max Eichenberger)

Roman Buff vor dem Seeparksaal, wo er am Sonntag als «Arboner des Jahres» geehrt werden wird. (Bild: Max Eichenberger)

Wie haben Sie davon Kenntnis bekommen, dass Sie zum «Arboner des Jahres» gewählt worden sind?

Roman Buff: Eröffnet hat mir die Neuigkeit Stadtammann Andreas Balg. Es hat mich fast vom Stuhl gehauen. Ich habe mir dann aber zwei Tage Bedenkzeit gegeben.

Weshalb Bedenkzeit?

Buff: Ich brauchte ein wenig Zeit, um zu überlegen, ob wirklich ich derjenige bin, dem diese Ehre zustehen soll.

Und: Was waren Ihre Gedanken?

Buff: Ja, ich habe dann sozusagen die Wahl angenommen. Nicht zuletzt darum, weil mir dabei wichtig ist zu betonen, dass ich bei all meinen Ideen und Projekten immer auch gute Teams hatte, die mitzogen. Somit fällt die Ehre nicht nur mir zu, sondern auch den Menschen, die mit mir am gleichen Strick gezogen und zum Gelingen beigetragen haben.

Als Sie mit der Familie von Zürich nach Arbon gekommen sind, 1980, und in der Arztpraxis von Dr. Adolf Sutter eingestiegen sind, haben Sie sich kulturell engagiert und Institutionen auf die Beine geholfen…

Buff: Ich habe mir überlegt, ob ich politisch einsteigen soll, bin dann aber angefragt worden, ob ich das Präsidium des Stadtorchesters übernehmen würde. Dieses bestand noch aus einer Handvoll Streichern. Wir strebten einen Neuaufbau an – und hatten Glück.

Inwiefern Glück?

Buff: Der Zufall spielte mit. In der Wohnung über uns zog ein gewisser Thomas Maurer ein. Er war als Musiklehrer an die Sekundarschule berufen worden. Ihn habe ich gleich engagiert als Dirigenten.

Und es ging mit dem Stadtorchester Arbon wieder aufwärts?

Buff: Ja, er verhalf dem Orchester zu neuem Schwung. Gleichzeitig haben wir aber gemerkt, dass wir uns um den Nachwuchs kümmern müssen. So ist, mit Heidi Schmid, eine Vision entstanden, die uns bis zu deren Verwirklichung lange beschäftigen sollte.

Das war der Aufbau einer Arboner Musikschule?

Buff: Genau. Das erforderte Geduld, Beharrlichkeit und auch einiges Verhandlungsgeschick. Es galt nämlich, erst die finanzielle Basis eines Musikschulbetriebs zu sichern. Verhandlungen mussten geführt werden unter anderem mit der damaligen Ortsgemeinde und den Schulen. 1987 konnte die Musikschule starten…

…deren Gründungspräsident Sie waren. Sie haben entscheidend den Boden bereitet für eine Institution, die aus dem kulturellen Leben von Arbon nicht mehr wegzudenken ist.

Buff: Ich habe nur mitgeholfen, die Fäden zu ziehen. Dass eine gedeihliche Entwicklung der Musikschule wie übrigens auch des Stadtorchesters, das später zum Sinfonischen Orchester Arbon umbenannt wurde, möglich wurde, hat wesentlich mit einem weiteren Glücksfall zu tun…

Man darf raten: in der Person von Leo Gschwend.

Buff: 35jährig übernahm er die Leitung der Musikschule und hat sie zur Blüte gebracht. Noch heute personifiziert keiner so wie Leo Gschwend die Musikschule Arbon, die 2012 ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern konnte. Seit ebenfalls 25 Jahren hat er zudem die musikalische Leitung des Sinfonischen Orchestern Arbon inne. Was Synergien auf institutioneller wie personeller Ebene schafft.

Der Pioniergeist und der Mut, Verantwortung zu übernehmen, haben sich also gelohnt.

Buff: Sehr! Die Präsidien habe ich längst abgegeben. Auch das Musikzentrum haben andere initiiert: voran Roland Morgenegg, Bruno Glanzmann und Christoph Tobler. Aber das Schöne ist, dass die Entwicklung nachhaltig war und heute das Sinfonische Orchester und die Musikschule kulturelle Perlen in Arbon sind. Das macht Freude und erfüllt mich mit Genugtuung.

Sie sind ein bisschen auch der Prototyp eines «Netzwerkers». Wie kamen Sie zu dieser Gabe?

Buff: Ich habe gelernt, wie man Netzwerke schafft, wen man ansprechen, ins Boot holen muss, damit etwas vorankommt. Vieles ist auch Überzeugungsarbeit.

Das kommt Ihnen als politisch Spätberufener zustatten. Was reizte Sie denn, auf dem politischen Parkett zu wirken?

Buff: Den Ausschlag gab das Stadtparlament, das es seit knapp zehn Jahren in Arbon gibt. In einer dynamischen Volksvertretung etwas zu gestalten, das hat mich gereizt. Ich habe Ruedi Hayn, den damaligen Interimspräsidenten der EVP-Ortssektion, die sich im Dornröschenschlaf befand, und Bezirkspräsidentin Regula Streckeisen gesagt, wenn die Sektion reaktiviert würde, trete ich an. So kam es. Mit Edith Schaffert zogen wir gleich zu zweit ein.

Los ging es nicht so dynamisch…

Buff: Klar dauerte es eine Zeitlang, bis sich die Mechanismen eingespielt haben. Und dann hatten wir in Arbon ja auch noch die bekannten Führungsprobleme. Wir können heute aber mit Genugtuung feststellen, dass wir einiges erreicht haben. Ich mache die Parlamentsarbeit sehr gerne. Was mir Befriedigung in der politischen Arbeit verschafft, ist die überparteiliche Zusammenarbeit. Ich mache lustvoll mit, wenn es um eine gemeinsame gute Sache geht.

Haben Sie keine Berührungsängste?

Buff: Nein, weder gegenüber irgendwelchen Gruppen noch Parteien. Ich bin einer, der gerne Brücken schlägt. Ich mache Politik der Sache willen – da geht es nicht um Macht. Entweder findet man Partner oder eben nicht.

Feinde gibt es für Sie nicht?

Buff: Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Aber ich habe kein Grabengefühl.

Sie engagieren sich in einer Gruppe für «werteorientierte Stadtentwicklung». Weshalb?

Buff: Vieles in der Politik ist durch Bauen und Gestalten geprägt. In einer Stadt geht es aber auch um Menschen, deren gegenseitige Wertschätzung und den respektvollen Umgang miteinander.

Kurz vor dem Pensionsalter stehend waren Sie im Sommer noch einmal Pionier: mit der Gründung des Medizinischen Zentrums Arbon (MZA), dessen CEO Sie sind.

Buff: Ich war gesundheitspolitisch immer aktiv und sah die Entwicklung mit dem Hausärztemangel kommen. Die Vision eines solchen Zentrums habe ich lange mit mir herumgetragen. Drei auslaufende Praxen konnten so in einer neuen Betriebsform und durch junge Kräfte weitergeführt und durch weitere medizinische Angebote ergänzt werden.

Interview: Max Eichenberger