Pionier im Seegarten

Nach 493 Bautagen konnte das Primarschulhaus Seegarten bezogen und nun am Wochenende eingeweiht werden. Die Tagesschule steht für die pädagogische Zukunft und ist so konzipiert, dass sich neue Unterrichtsformen darin entfalten können.

Max Eichenberger
Merken
Drucken
Teilen
Ein Schülerchor unter Leitung von Alexandra Keel singt voller Inbrunst an der Seegarten-Einweihung. (Bilder: Max Eichenberger)

Ein Schülerchor unter Leitung von Alexandra Keel singt voller Inbrunst an der Seegarten-Einweihung. (Bilder: Max Eichenberger)

Elisabeth Gämperli ist nicht Lehrerin. Gleichwohl gehört sie zum Personal im Seegarten. Ihr Reich ist die moderne Küche. Die Köchin und ihr Team bereiten hier die Mittagessen für die Tagesschüler zu. 38 Kinder sind es zum Start. Das neue Primarschulhaus im Seegarten, erstellt mit Kosten von rund 20 Millionen Franken, ist mehr als ein Schulhaus. Es ist in mancherlei Hinsicht ein Pionier und lässt Schritte in eine pädagogische Neuausrichtung zu: Im dritten Primarschulzentrum, nach den Sommerferien bezogen und am Wochenende eingeweiht, ist das Mehrklassensystem eingeführt worden, das durchmischtes Lernen ermöglicht.

Mit seinem Betreuungsangebot markiere der Seegarten «einen Quantensprung» in der Arboner Schulgeschichte, sagt Vizestadtpräsident Patrick Hug: «Die Tagesschule bringt Arbon einen Standortvorteil.» Schulpräsidentin Regina Hiller und ihre Behörde denken bereits über einen Ausbau nach: so könnten bald schon auch während der Ferien Angebote gemacht werden.

Materialien erzeugen heitere Raumstimmung

Mit dem Vorteil, das Projekt auf der grünen Wiese realisieren zu können, sei es baulich wie konzeptionell und pädagogisch «fantastisch angelaufen», schwärmt die Schulpräsidentin – das tut sie auch von der sehr engen Zusammenarbeit mit dem Architektenteam Andreas Buss/Heike Lutz, die spürbar wurde auch an der Einweihungsfeier. Da sind Menschen, die sich gefunden haben. Landschaftsarchitektin Annette Sinz zeigte eine zerknüllte Skizze von jenem Aufenthalt in einem Kaffee in den Winterferien, wo das Team euphorisch die Wettbewerbsarbeit startete. Klar war von Anfang, der von den peripheren Bauten umschlossenen Umgebung mit Aufenthaltsräumen und Spielnischen eine besondere Bedeutung beizumessen.

Nach 493 Bautagen und 35 meist mehrstündigen Baukommissionssitzungen sei das Werk vollendet worden, erinnert Raphael Künzler, Bauressortchef in der Behörde. Begonnen hat es mit dem Spatenstich im Sumpf, bei Kälte und peitschendem Wind. Gearbeitet wurde mit Beton und viel Holz – einfachen und robusten Materialien. Die Schulzimmer wurden grosszügig konzipiert, um flexibel mit Raumteilern Unterricht halten zu können. Selbst Flure verschmelzen zum Lernraum, um durchgängig eine «heitere Raumstimmung» zu erzeugen. Sicht- und erlebbar wurden am Tag der offenen Türe am Samstag, was Architekt Andreas Buss als Credo an der Feier am Vorabend beschrieben hatte.

Dafür gab es viel Lob von Besuchern – und dem kantonalen Schulamtsleiter Beat Brüllmann. Irmela Walther hat es gar in Gedichtform gegossen. Für Regina Hiller ist der Bau und was darin gelebt wird «ein Generationenprojekt»: sinnbildlich besangen dies Schulkinder und die Arboner Sänger bei ihrem gemeinsamen Auftritt auf der Saalbühne.

Schulleiterin Elisabeth Dorizzi und Schulpräsidentin Regina Hiller haben den Schlüssel erst aus einer Wanne herausfischen müssen.

Schulleiterin Elisabeth Dorizzi und Schulpräsidentin Regina Hiller haben den Schlüssel erst aus einer Wanne herausfischen müssen.