Pfarramt ist nicht mehr verwaist

Im Juni hat die Evangelische Kirchgemeinde Sulgen Irmelin Drüner und Uwe Buschmaas zu Seelsorgern für den Pfarrkreis Süd (Kradolf) gewählt. Morgen findet im Kirchenzentrum die Amtseinsetzung statt.

Hannelore Bruderer
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Irmelin Drüner und Uwe Buschmaas sitzen vor dem Kradolfer Kirchenzentrum Steinacker, ihrer künftigen Wirkungsstätte. (Bild: Hannelore Bruderer)

Irmelin Drüner und Uwe Buschmaas sitzen vor dem Kradolfer Kirchenzentrum Steinacker, ihrer künftigen Wirkungsstätte. (Bild: Hannelore Bruderer)

KRADOLF. Sich eine Stelle zu teilen, ist für das Pfarrehepaar Irmelin Drüner und Uwe Buschmaas ein Novum. Im Aargau, wo die beiden vorher gelebt haben, war sie in der Kirchgemeinde Mellingen für die Teilgemeinde Rohrdorf zuständig, er arbeitete in der Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen. Bei gemeinsamen Projekten ihrer Gemeinden haben sie sich kennengelernt.

Seit fünf Jahren ist das Paar verheiratet. In Kradolf teilt es sich die Vollzeitpfarrstelle zu je 50 Prozent. «Wir würden unser Arbeitspensum gerne noch durch eine zusätzliche Teilzeitaufgabe aufstocken», sagt Irmelin Drüner. Während sie in Richtung Spitalseelsorge tendiert, denkt ihr Gatte eher an eine Tätigkeit bei der Landeskirche.

Das ganze Spektrum

Obwohl Irmelin Drüner und Uwe Buschmaas bisher nicht zusammen gearbeitet haben, wissen sie aus gemeinsam geleiteten Veranstaltungen, dass sie auch im Beruf gut harmonieren. «Wir haben Respekt vor dem Neuanfang, freuen uns aber auf die vielfältigen Aufgaben», sagen sie. In den einwohnermässig grösseren Kirchgemeinden, aus denen sie kommen, ist das Paar oft spezialisierten Arbeitsfeldern nachgegangen. «Hier haben wir die Chance, das ganze Spektrum kirchlicher Arbeit auszufüllen und langfristige Beziehungen aufzubauen», sagt Irmelin Drüner. «Kontinuität ist uns wichtig. Daher freuen wir uns auf den Religionsunterricht, besonders in der Primarschule. Die Arbeit mit Kindern ist herausfordernd. In der letzten Pfarrstelle lernten wir die Jüngsten erst als Jugendliche im Konfirmationsunterricht kennen, da im Aargau das Unterrichten in der Unter- und Mittelstufe nicht zu den Aufgaben eines Pfarrers gehört.»

Liberale Grundhaltung

Ausschlaggebend dafür, dass sich Irmelin Drüner und Uwe Buschmaas für die Pfarrstelle in Kradolf interessiert haben, war die Form der Ausschreibung. «Wir haben darin unsere eher liberale theologische Grundhaltung wiedergefunden», erklärt Uwe Buschmaas. Dass die Vermittlung der christlichen Botschaft in der heutigen Zeit auch mit einer Prise Humor geschehen darf, passe ebenfalls. «Wir haben Humor», versichert der 50-Jährige mit einem Lachen. Positiv bewertet das Pfarrerpaar auch, dass es in der Kirchgemeinde nicht allein steht, sondern in ein Team eingebunden ist. Ein Umstand, den die beiden bereits in ihrem letzten Wirkungsfeld schätzen lernten.

Wie ihre Vorgänger bewohnen die neuen Pfarrersleute die Wohnung im Obergeschoss des Kirchenzentrums. «Es ist schon etwas speziell, direkt über dem Arbeitsort zu wohnen. Das kannten wir bisher auch nicht», sagt Uwe Buschmaas. Überhaupt sei ihm aufgefallen, dass hier viel mehr Einwohner im Dorf oder in der Nähe arbeiten würden, als dies bei seiner vorherigen Pfarrstelle der Fall gewesen sei.

Nicht bestätigen können die neuen Pfarrersleute das Klischee, dass die Ostschweizer ein besonders verschlossener Menschenschlag seien. «Bevor wir die Initiative ergreifen konnten, haben sich die ersten Nachbarn bereits bei uns vorgestellt und uns willkommen geheissen», erzählt Irmelin Drüner.

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