Per Lift in die Berufswelt

AMRISWIL. Bei einem Treffen mit Amriswiler Lehrmeistern stellte die Volksschulgemeinde ihr neues Jugendprojekt vor. Es erfasst die «Risikogruppe» schon im 7. Schuljahr. Ein Sackgeld ist Anreiz zu wöchentlichen Arbeitsstunden in einem Gewerbebetrieb.

Roger Häni
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Gabriela Walser (Mitte) leistet in Amriswil Aufbauhilfe. Das Projekt Lift ist für Jugendliche mit erschwerter Ausgangslage gedacht. (Bilder: Roger Häni)

Gabriela Walser (Mitte) leistet in Amriswil Aufbauhilfe. Das Projekt Lift ist für Jugendliche mit erschwerter Ausgangslage gedacht. (Bilder: Roger Häni)

Kein Schüler verlässt die Schule ohne eine Anschlusslösung: Um dieses Leistungsziel zu erreichen, ist die Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri stark auf das lokale Gewerbe angewiesen. An der Veranstaltung «Schule im Gespräch mit Lehrmeistern» wurde das Projekt Lift vorgestellt, welches dazu beitragen könnte, das ehrgeizige Ziel tatsächlich zu erreichen.

Eine Lehrerin habe ihm einmal gesagt, die Berufswahl sei doch Sache der Eltern und nicht der Schule – das habe sich klar geändert, machte Schulpräsident Markus Mendelin deutlich.

Gewerbevertreter gesucht

Unter der Projektleitung von Hans-Ulrich Giger, Schulleiter der Sekundarschule Grenzstrasse, hat sich eine lokale Trägerschaft gebildet, die das in Zürich und Bern erfolgreich getestete Jugendprojekt Lift (leistungsfähig durch individuelle Förderung und praktische Tätigkeit) ab dem kommenden Schuljahr in Amriswil umsetzen wird.

Lanciert wurde das Projekt 2006 vom Netzwerk für sozialverantwortliche Wirtschaft. Nach Abschluss der Pilotphase sieht der Verein seine Aufgabe nun darin, den Aufbau und die Begleitung lokaler «Lift»-Trägerschaften zu fördern. Die Finanzierung ist jedoch Sache der Schulgemeinde. Laut Hans-Ulrich Giger halten sich die Kosten im Rahmen. Er sprach von der Schaffung eines kleinen Teilpensums für den operativen Bereich.

Die Wahl fiel auf die Amriswiler Lerntherapeutin Käthi Michel, die von «Lift»-Koordinatorin Gabriela Walser eingeführt wird.

Komplettiert wird die lokale Trägerschaft durch Markus Mendelin, Dani Plaisant – der jetzige Amriswiler Jugendtreffleiter ersetzt Mike Huber als Schulischer Sozialarbeiter –, Vertretungen aus den Lehrerteams sowie aus dem Gewerbe, die gemäss Giger noch gesucht werden.

Wochenarbeitsplätze ab Januar

Gabriela Walser zeigte den anwesenden Lehrmeistern den Sinn des Projekts auf. Das besondere an «Lift» ist, dass Jugendliche schon ab dem 7. Schuljahr an die Arbeitswelt herangeführt werden. Dies in Form von sogenannten Wochenarbeitsplätzen. Darunter versteht man regelmässige praktische Arbeit in einem Gewerbebetrieb über längere Zeit. Walser sprach von 2 bis 4 Stunden pro Woche ausserhalb der Schulzeit. «Ideal sind einfache Arbeiten wie Auspacken, Reinigen oder Botengänge.

» Die beteiligten Gewerbebetriebe zahlten einen Stundenlohn im einstelligen Franken-Bereich. Dieser sei für Jugendliche meist Anreiz genug, sich am (freiwilligen) Projekt zu beteiligen, weiss Gabriela Walser. «Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Schüler dank den Wochenarbeitsplätzen ihre beruflichen Stärken und Talente entdecken und ihre Motivation geweckt wird.»

Zielgruppe des «Lift»-Projekts sind Jugendliche mit erschwerter Ausgangslage im Hinblick auf den Berufseinstieg. Walser nannte neben ungenügenden Schulleistungen auch Defizite in der Sozial- und Selbstkompetenz oder mangelhafte Unterstützung aus dem Umfeld. Meist zeichne sich schon in der 7. Klasse ab, wer Mühe haben könnte, ins Berufsleben einzusteigen. Etwa 15 Prozent gehörten zur «Lift»-Zielgruppe, sagte Gabriela Walser, die sich nach erfolgter Starthilfe aus Amriswil zurückziehen wird. Mit der Akquisition von Wochenarbeitsplätzen wird sich Käthi Michel befassen.

Im Januar 2011 sollen die ersten Plätze vergeben werden können.

Projektleiter: Hans-Ulrich Giger.

Projektleiter: Hans-Ulrich Giger.