Paul Trizsi lebt in seinem Sohn weiter

HAUPTWIL. Vor 14 Jahren starb der Dirigent der Stadtmusik Bischofszell bei einem Autounfall. Sein Sohn Paul überlebte. Dieser besuchte nun den ehemaligen Wirkungsort seines Vaters.

Erwin Schönenberger
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Paul Trizsi junior spielt auf dem Flügelhorn seines Vaters. (Bild: Erwin Schönenberger)

Paul Trizsi junior spielt auf dem Flügelhorn seines Vaters. (Bild: Erwin Schönenberger)

Der Name Paul Trizsi wird in der Region heute noch verbunden mit der Erinnerung an einen besonderen Musiker und Dirigenten. Man erinnert sich aber auch an die Schreckensnachricht von seinem Autounfall, bei dem nur der Sohn von Paul und Martha Trizsi überlebte. Nun ist sein Sohn Paul 18jährig und ein ebenso begabter Musiker wie sein Vater.

Der «ungarische Wirbelwind»

Als «ungarischer Wirbelwind» wurde Paul Trizsi, damaliger Dirigent der Stadtmusik Bischofszell, einmal in einem Bericht bezeichnet. Was den Musiker und Dirigenten aus Ungarn auszeichnete, war seine Fähigkeit, sowohl Musikanten wie auch das Publikum zu begeistern. Unter seiner Leitung wuchs das Stadtmusik-Korps auf über 60 Mitglieder an.

Unvergesslich waren seine Konzerte und Unterhaltungsabende, in denen Trizsi seine musikalischen Vorstellungen und Ideen verwirklichte. Da denkt man an das Kirchenkonzert, in dem Gershwins «Rhapsody in Blue» aufgeführt wurde oder an Trizsi letzten Unterhaltungsabend mit der szenischen Aufführung der «Csárdásfürstin». Aber auch an musikalischen Wettbewerben vermochte Paul Trizsi die Jury zu überzeugen. Am Eidgenössischen Musikfest in Interlaken startete die Stadtmusik Bischofszell erstmals in der 1. Stärkeklasse und erreichte ein sehr gutes Resultat. Nach fünf erfolgreichen Jahren wurde die Zusammenarbeit mit Paul Trizsi durch den tragischen Autounfall jäh beendet. Noch kurz zuvor war Paul Trizsi eigens von Wien angereist, um seine Stadtmusik an der Olma zu dirigieren.

«Das isch er!»

Nach dem tragischen Unfall wurde von Beat Wartenweiler und Franziska Bolliger ein Fonds zugunsten des jungen Paul Trizsi eingerichtet, der durch Spenden finanziert wurde. Als Paul Trizsi Junior 18 Jahre alt war, konnte das Geld ausbezahlt werden. Am Freitag reiste Paul Trizsi nun zusammen mit Verwandten und Bekannten nach Hauptwil, um sich für die finanzielle Unterstützung zu bedanken. «Das isch er!», tönte es wie aus einem Mund von Mitgliedern der Stadtmusik Bischofszell, als aus einem Auto ein junger Mann ausstieg, der in Aussehen und Haltung bestechend an seinen Vater erinnerte.

Ein Hornist wie sein Vater

Manch eine Frau hatte Tränen in den Augen, als sie durch diesen Anblick an den umschwärmten Paul Trizsi erinnert wurden. Fröhlich und überschwenglich war der Empfang, und alle wollten den jungen Paul Trizsi fotografieren und mit ihm sprechen. Dies war auch kein Problem, spricht Paul Trizsi doch perfekt Deutsch, schliesslich lebt er ja in Wien. Dass Paul Trizsi Junior wie sein Vater Horn spielt, überrascht eigentlich kaum. Momentan absolviert er seine musikalische Ausbildung in Wien, unterstützt von seinen Verwandten, die sich während seiner ganzen Jugend um ihn gekümmert haben und heute stolz auf den Erfolg Trizis sind.

Geld für Autoprüfung und Musik

Paul Trizsi junior genoss es sichtlich, im Mittelpunkt zu stehen, ganz wie früher sein Vater. Beim gemütlichen Beisammensein in der Henessenmühle wurden nicht nur Kontakte gepflegt, man verglich auch die Fotos seines Vaters mit dem jungen Paul Trizsi. Und dann durfte Paul Junior auch auf dem Flügelhorn, das früher seinem Vater gehört hatte, einige Töne blasen. «Ich werde das Geld aus der Stiftung für meine weitere musikalische Ausbildung verwenden und auch noch meine Auto-Führerprüfung finanzieren», erklärte Paul Trizsi über die Verwendung des Geldes aus der Stiftung.