Parties am See trüben Idylle: Zuerst in Arbon – nun in Steinach

STEINACH. Steinach gilt als ruhiges, ländliches Dorf, wo jeder jeden kennt. Doch seit einem Jahr wird die Ruhe am See durch Parties gestört. Arbon kennt das Problem. Mit einem neuen Reglement will Steinach nun für Ruhe sorgen.

Michèle Vaterlaus
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Den Abfall, den Jugendliche nach lauten Parties liegen lassen, müssen Gemeindearbeiter wegräumen. (Bild: Reto Martin)

Den Abfall, den Jugendliche nach lauten Parties liegen lassen, müssen Gemeindearbeiter wegräumen. (Bild: Reto Martin)

«Der Gemeinderat musste im vergangenen Jahr zunehmend feststellen, dass die vorhandenen Rechtsgrundlagen zur Sicherstellung von Ruhe und Ordnung nicht mehr ausreichen», heisst es im «Steinach aktuell».

Gemeindepräsident Roland Brändli erklärt: «Dorfpolizisten hat man aus den Gemeinden abgezogen. Und jetzt merkt man, dass es doch gewisse Kontrollen braucht. Das Pendel schlägt zurück.» Deshalb würden Sicherheitsdienste, die von der Gemeinde beauftragt sind, künftig gemeindepolizeiliche Aufgaben übernehmen.

Ruhestörung von Gruppen

Anlass zu einem neuen Reglement für Ruhe, Ordnung und Sicherheit haben umliegende Gemeinden gegeben, die bereits Vorschriften erlassen haben, sowie auch Vorkommnisse der letzten Zeit, wie Brändli erklärte. Er spricht damit einen konkreten Fall an: «Seit etwa einem Jahr versammeln sich am Seeufer Gruppen von rund 40 Jugendlichen. Sie machen Party am See beim Rohr», sagt der Gemeindepräsident. Das verursache vor allem Lärm. Aber auch Littering wird verstärkt zum Thema. «Wenn sich die Situation stärker ins Negative entwickelt, dann wollen wir ein Instrument haben, womit wir eingreifen können», sagt Brändli.

Zwar seien Sachbeschädigungen und Sprayereien in der Gemeinde noch kein grosses Problem. Dennoch: Nach neuem Reglement sollen Sicherheitspatrouillen nicht nur auf unangebrachtes Verhalten aufmerksam machen, sondern auch Bussen verteilen und Personenkontrollen durchführen können.

Ist Arbon schuld?

Für Steinach ist diese Situation neu. Das 3300-Seelen-Dorf gilt als ruhig. «Steinach ist ein ländliches Dorf. Bei uns kennt man einander», sagt Brändli. Die Gruppen am See seien auch keine Steinacher, sondern kämen aus den umgebenden Gemeinden. «Zum Beispiel aus Roggwil oder Arbon.» Brändli vermutet, dass sich die Gruppen aus Arbon nach Steinach verschoben hätten, nachdem dort die Patrouillen durch Sicherheitsdienste eingeführt wurden.

Hat sich das Problem also einfach von Arbon nach Steinach verschoben? «Nein, das kann nicht sein», sagt die Arboner Stadträtin Veronika Merz, zuständig für das Ressort Einwohner und Sicherheit. «Arbon hat diese Patrouillen bereits seit vier Jahren», sagt sie. Das Problem in Steinach ist aber erst ein Jahr alt. Und Merz fügt an: «Auch in Arbon gibt es nach wie vor Gruppen, die sich am See treffen.» Die Erfahrung habe ihr gezeigt: «Solche Gruppen verschieben sich immer wieder dem Seeufer entlang – von Ort zu Ort.» Das sei quasi ein «Naturgesetz».

Videokameras sind möglich

Das neue Reglement ermöglicht Steinach auch das Anbringen von Überwachungskameras. «Doch im Moment ist das noch keine Diskussion», sagt Gemeindepräsident Brändli. Neben dem Schutz vor Lärm bezweckt das Reglement auch den Schutz von öffentlichen Bauten, Anlagen und Plätzen vor Verunreinigungen und Beschädigungen. Und Hunde sind in öffentlichen Gebäuden und Anlagen an der Leine zu führen.

Der Gemeinderat Steinach hat das Reglement über Ruhe, Ordnung und Sicherheit am 14. März erlassen. Seit dem 21. März untersteht es während 30 Tagen dem fakultativen Referendum. Das Reglement kann unter www.stein ach.ch heruntergeladen oder bei der Gemeindekanzlei (Telefon 071 447 23 60) bezogen werden.

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