Parkhaus-Desaster wird durchleuchtet

KREUZLINGEN. Nach dem Schock vom Donnerstagabend wollen sich der Gemeinderat und der Stadtrat für eine umfassende Aufarbeitung des Falls «Parkhaus Seestrasse» einsetzen. Es steht die Frage im Raum, ob Michael Dörflinger als Stadtrat Einfluss auf die Vergabe genommen hat.

Martina Eggenberger Lenz
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Das Aktienkapital der Ostschweiz Parkhaus AG gehört zu 100 Prozent der Familie von alt Stadtrat Michael Dörflinger. Das wissen die Gemeinde- und die Stadträte seit Donnerstagabend. Fabian Neuweiler, SVP, hat in der Sitzung eine ihm zugespielte Gründungsurkunde präsentiert, die es schwarz auf weiss belegt.

Stadtrat fühlt sich hintergangen

Die Firma, an die das Baurecht für das Parkhaus an der Seestrasse gemäss stadträtlicher Botschaft hätte vergeben werden sollen, gehört weder Robert Urweider, der als Repräsentant in die ganzen Verhandlungen involviert war, noch einem anderen Investor – sondern immer schon den Dörflingers. Die Gesellschaft wurde am 18. September gegründet. Der Stadtrat hatte die Vergabe bis zum Schluss verteidigt und stets betont, dass alles richtig gelaufen sei – trotz der im November publik gewordenen Beteiligung von Dörflingers Sohn Daniel. «Dass unser Vertrauen nun so missbraucht wurde, ist für uns wirklich schlimm. Michael Dörflinger hat uns getäuscht und die wahren Besitzverhältnisse verheimlicht», sagt Stadtpräsident Andreas Netzle. Die Beteiligung von Daniel Dörflinger sei ja schon «ungeschickt» gewesen. Nun sei alles noch schlimmer als gedacht. Der Stadtrat sei aufgrund der Verhandlungsgespräche davon ausgegangen, dass Urweider Mitgründer der Ostschweiz Parkhaus AG war. Dass am Ende nicht Urweider, sondern gleich drei Dörflinger das Aktienkapital zeichneten, hätte man nicht für möglich gehalten.

Bauverwaltung im Fokus

Andreas Netzle verspricht, die Sache nun genau zu durchleuchten. Denn immerhin war Michael Dörflinger noch Bau-Stadtrat, als die Bauverwaltung die Bewerbungskriterien definierte und die eingegangenen Bewerbungen prüfte. «Es stellt sich die Frage, ob Dörflinger Einfluss genommen hat, denn die Evaluation lief über sein Departement.» Netzle sagt aber auch, er sei überzeugt, dass die Bauverwaltung korrekte und gute Arbeit geleistet habe.

Auch die Gemeinderäte wollen jetzt Antworten hören und fordern eine Offenlegung der entsprechenden Protokolle und Dokumentationen, wie Fabian Neuweiler betont. «Wir wollen Klarheit über die Abläufe.» Die Angelegenheit werde in der nächsten Sitzung der Geschäftsprüfungskommission thematisiert. Eine Parlamentarische Untersuchungskommission sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig. Der Stadtrat ziehe am gleichen Strick wie der Gemeinderat.

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