Panettone gehört zum Fest

AMRISWIL. Weihnachtsdekorationen kannte Velina Schlosser als Kind nur aus der Kirche. Bei Lenya Daryna Huber hängen am Baum jeweils bunte Kugeln und Schokolade. Für beide ist Weihnachten das schönste Fest im Jahr.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Lenya Daryna Huber und Velina Schlosser haben Freude an den zierlichen Weihnachtsdekorationen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Lenya Daryna Huber und Velina Schlosser haben Freude an den zierlichen Weihnachtsdekorationen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

«Rote und weisse Weihnachtskugeln hingen im letzten Winter an unserem Christbaum», erzählt Lenya Daryna Huber mit strahlenden Augen und fügt an, dass auch Wachskerzen und Christbaumschokolade nicht fehlten. «Manchmal stibitzten meine Geschwister und ich ein Schöggeli vom Baum», verrät die Zweitklässlerin. Lenya Daryna spricht gerne über Weihnachten. Für sie ist es das schönste Fest im Jahr.

Geschenke von Santa Lucia

Genauso geht es auch Velina Schlosser. Doch früher war es anders. «Als Kind habe ich mich ganz besonders auf Santa Lucia gefreut», erzählt sie. Aufgewachsen ist Velina Schlosser in Castelbelforte, zwischen dem Gardasee und Verona. «In Italien werden die Kinder am 13. Dezember beschenkt, dem Fest der Santa Lucia, der Botin des Lichts», erklärt die 88jährige Seniorin, die bereits seit 64 Jahren in der Schweiz lebt.

Santa Lucia kam durch den Kamin und brachte den Kindern Erdnüsse, Mandarinen und sonstige kleine Geschenke. Die Erdnüsse und Mandarinen wurden dann in den Strumpf gestopft, der an der Wand hing.

Eine Puppe aus Karton

Velina Schlosser mag sich auch noch an ihre erste Puppe erinnern, die sie geschenkt bekam. Es war eine Puppe aus Karton, die draussen im Schnee leider viel zu schnell kaputt ging.

Den Heiligabend verbrachte die gebürtige Italienerin im Kreise der Familie. Man ass Panettone und Torrone, ein weisser Nougat mit Mandeln. «Einen Weihnachtsbaum und eine Krippe hatten wir damals noch nicht», erzählt sie und ergänzt, dass es früher überhaupt noch keine Weihnachtsdekorationen gab. Auf den Kirchenbesuch am Abend freute man sich aber ganz besonders. In der Kirche stand nämlich eine grosse Weihnachtskrippe.

An ein Weihnachtserlebnis mag sich Velina Schlosser noch besonders gut erinnern. «Mit Holzzoggeli und gestrickten Wollstrümpfen stapfte ich am Nachmittag durch den Schnee zur nahegelegenen Kirche, um dort als erste die Weihnachtskrippe zu bestaunen.» Dort angekommen, hielt sie die nassen Strümpfe zum Trocknen an eine brennende Kerze. «Statt trockene gab es dann halt verbrannte Strümpfe», bekennt die rüstige Rentnerin und lacht.

Schneereich und kalt waren die Winter in Norditalien. Eine Heizung gab es noch keine für das ganze Haus. Nur in der Küche war es warm, denn dort stand ein Ofen. «Während den Wintermonaten konnten wir oftmals die eingefrorenen Fenster gar nie öffnen, so kalt war es», erzählt Velina Schlosser.

Panettone von der Nonna

Panettone, die italienische Kuchenspezialität, mag auch Lenya Daryna Huber sehr. «Den Panettone bekommen wir immer von unserer Nonna geschenkt», erzählt das 8jährige Mädchen aus Amriswil. Selbstgemachte Guetzli gehören bei Hubers ebenfalls zur Weihnachtszeit. Lenya Daryna liebt es, in der Weihnachtsbäckerei mitzuhelfen und Plätzchen auszustechen. «Am liebsten esse ich Spitzbuben und Mailänderli», sagt sie.

Auch der Adventskalender darf nicht fehlen. Dieser lässt die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest verkürzen. Denn Lenya Daryna kann diese Zeit kaum erwarten. Jedes Jahr freut sie sich aufs neue – auf den geschmückten Weihnachtsbaum, die prächtige Krippe und natürlich auch auf die vielen Geschenke.

Bild: YVONNE ALDROVANDI-SCHLÄPFER

Bild: YVONNE ALDROVANDI-SCHLÄPFER