Ostereiermalen statt lauter Musik

ARBON. Halbwegs arrangiert haben sich die Anwohner des Durchgangsheims für Asylbewerber an der St. Gallerstrasse 99. Dies, nachdem die Wogen hochgegangen waren. Emotionsgeladen bleibt das Thema, wie eine Veranstaltung der CVP zeigte.

Max Eichenberger
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Deutschunterricht, Ämtli und Aktivitäten bringen Abwechslung in den Alltag im Durchgangsheim: Bewohnerin beim Ostereiermalen. (Bild: Max Eichenberger)

Deutschunterricht, Ämtli und Aktivitäten bringen Abwechslung in den Alltag im Durchgangsheim: Bewohnerin beim Ostereiermalen. (Bild: Max Eichenberger)

Im Thurgau gibt es einen aktuellen Bestand von 677 Asylsuchenden. 470 sind auf die Gemeinden verteilt. 207 Personen wohnen in den sechs Durchgangsheimen, welche die Peregrina-Stiftung im Auftrag des Kantons führt. Diese betreut im Arboner Durchgangsheim derzeit 32 Personen, wie Melanie Fritsche sagt. Sie schaut als Frontfrau in der gemieteten Liegenschaft an der St. Gallerstrasse 99 zum Rechten und betreut dort die Bewohner auf Zeit. Damit ist das Heim zu gut drei Vierteln belegt. Zehn Nationen sind im Heim vertreten – ein kunterbuntes Völkergemisch.

Was heisst Betreuung?

Nicht nur die Afrikaner sind froh, in einer warmen Wohnung zu sein. Draussen schneit es. Mit Betreuerin Melanie Fritsche bemalt eine Gruppe in einem Zimmer, in dem die Bewohner sonst morgens Deutschunterricht auf einfacher Stufe erfahren, Ostereier in bunten Farben und verzieren sie. «Wir bemühen uns darum, mit den zu Betreuenden einen sinnvollen Alltag zu gestalten», sagt sie.

Dazu gehören Aktivitäten im Haus, Putztage und gelegentliche Ausflüge, nachmittags Beschäftigungsprogramme, so etwa beim Förster im Wald oder bei Naturschutzeinsätzen. Am Donnerstag wird eine Stunde geturnt. Den Bewohnern erklärt die Betreuerin hiesige Gepflogenheiten. Sie werden vertraut gemacht darüber, was es mit der Abfalltrennung und den Ruhezeiten auf sich hat. Gewährleistet wird die ärztliche Versorgung. Auch die Einschulung der Kinder wird veranlasst.

Auch mal «die Post abgegangen»

Und doch kommt es hin und wieder zu Vorfällen, die zu Reklamationen aus der Nachbarschaft führen. Wie letztes Jahr. Das hat die CVP Arbon zum Anlass genommen, zur Asylproblematik einen Informationsanlass durchzuführen. 60 Interessierte kamen in den Seeparksaal, um Melanie Fritsche, Susanne Höllwarth, der Leiterin der Peregrina-Stiftung, und Bernhard Koch, Vorsteher des Departementes Finanzen und Soziales, zuzuhören. Die Heimleitung räumt zeitweilige Problemfälle ein – und dass «auch mal die Post abgegangen» sei. Gehäuft zu Reklamationen geführt haben in der Zeit von Sommer 2011 bis Herbst 2012 Lärmbelästigungen. Das hätte vor allem mit der damals starken Fraktion aus Nordafrika zu tun gehabt, sagt Höllwarth. Mit der rückläufigen Zahl der Nordafrikaner sei es – seit letztem Herbst – auch wieder ruhiger geworden.

Nach politischem Druck besser

Was manche Anwohner wiederum nicht beruhigt. Einzelne befürchten, dass bei offenen Fenstern oder auf dem Balkon der störende Lärmpegel wieder ansteigt, sobald es wärmer wird. Wie die Asylsuchenden zu ihren SIM-Karten und Handys kommen, ist teils auch der Heimleitung schleierhaft. «Da muss etwas organisiert sein.» Ein Handyverbot zu erlassen wäre schlicht nicht durchführbar. Anstoss erregt hat ausserdem, dass Heimbewohner sich in Bushaltestellen betrunken, andere jüngeren Frauen verbal nachgestellt hätten. SVP-Parlamentarierin Astrid Straub spricht von «Ausschreitungen unter aller Würde.» Erst nach politischem Druck habe sich die Situation verbessert. Wenn Angehörige einzelner Gruppen sich anstacheln, würden von Fall zu Fall auch Möglichkeiten einer Verlegung geprüft. «Doch», so Susanne Höllwarth, «meist verschiebt sich das Problem nur.» Hinreichende Gründe für eine Inhaftierung seien meist nicht gegeben. Manchmal stellt sich sogar heraus, dass die Quelle einer Belästigung gar nicht, wie behauptet, das Durchgangsheim oder dessen Bewohner sind. Auch schon hätten einheimische Jugendliche bis morgens um 4 Uhr bei der Trafostation gebechert. In Frauenfeld habe es einen Fall gegeben, schildert Höllwarth, wo Dritte inkognito einfach ihren Müll beim Durchgangsheim deponiert hätten.

Kontrollgänge bringen's

Regierungsrat Bernhard Koch zufolge sind letzten September auch in Arbon unregelmässige Nachtrundgänge eingeführt worden. «Diese Kontrollgänge haben etwas bewirkt», bilanziert Stiftungsleiterin Susanne Höllwarth. Wenn nachts drei Polizeiwagen vor dem Heim auffahren, zeuge das noch nicht von einem Vorfall. Allerdings verleugnet Höllwarth eine «abnehmende Akzeptanz gegenüber Durchgangsheimen» nicht. Dies, obwohl der Alltag «meistens sehr ruhig und unauffällig» verlaufe. Möglicherweise sei dies darauf zurückzuführen, dass von aussen nur negative Ereignisse wahrgenommen würden. Abgesehen von Steinwerfern in Frauenfeld habe sie aber sehr wenige Aggressionen gegenüber Heimen oder Bewohnern erlebt. Sogar Gefreutes hört man, so von Nachbar Kurt Henauer: «Das Strässchen haben sie super gewischt.»

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