Optimismus in zwei Städten

KONSTANZ. Die Universität Konstanz hat die Vereine von Kreuzlingen und Konstanz befragt und eine Vergleichsstudie angefertigt. Die Gemeinsamkeiten sind gross. Die Städte könnten die Zusammenarbeit mit den Vereinen noch intensivieren.

Urs Brüschweiler
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David Born blättert auf dem Dach der Uni Konstanz in seiner Studie. Ein halbes Jahr beschäftigte er sich mit Kreuzlinger und Konstanzer Vereinen. (Bild: Urs Brüschweiler)

David Born blättert auf dem Dach der Uni Konstanz in seiner Studie. Ein halbes Jahr beschäftigte er sich mit Kreuzlinger und Konstanzer Vereinen. (Bild: Urs Brüschweiler)

David Born ist jetzt Experte, wenn es um Vereine geht. Der 27jährige wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Konstanz hat während eines halben Jahres eine Studie erarbeitet mit dem Titel «Vereine in Konstanz und Kreuzlingen – ein Vergleich der Vereinslandschaften in den Nachbarstädten».

225 Vereine gibt es in Kreuzlingen, deren 280 sind es in Konstanz. Während sie in Kreuzlingen von der Stadt fein säuberlich aufgelistet werden, mussten in Konstanz die entsprechenden Daten erst recherchiert werden. Nur eingetragene Vereine – erkennbar am Kürzel e.V. – sind in Deutschland nämlich registriert.

Post für die Präsidenten

Ende letzten Jahres erhielten dann alle Vereinspräsidenten per E-Mail einen Online-Fragebogen. Jene, die nicht antworteten, erhielten den Fragebogen auch noch per Post zugesandt. Rund die Hälfte machten mit – auf deutscher Seite waren es ein wenig mehr. Nach der Auswertung der Antworten stehen die folgenden Fakten zu Buche:

• Den grössten Anteil machen in beiden Städten die Sportvereine aus. Augenscheinlich ist, dass Konstanz viele und grosse Narren- und Karnevalsvereine beherbergt. Eine Kategorie, in der Kreuzlingen natürlich nicht mithalten kann.

• 76 aktive Mitglieder hat ein Kreuzlinger Verein durchschnittlich. In Konstanz sind es 1,8mal mehr: 136 Aktive.

• 40 Prozent der befragten Vereine gaben an, dass ihre Mitgliederzahl in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Und 80 Prozent erwarten, dass sie in den kommenden fünf Jahren keine Abnahme erwarten. Die Kreuzlinger Vereine sind in dieser Hinsicht etwas optimistischer als die Konstanzer.

• In Kreuzlingen gibt es einige Vereine, welche angaben, mehr als 50 Prozent ihrer Mitglieder seien Ausländer, und sogar solche, die nur aus Ausländern bestehen. In Konstanz hat kein Verein gemeldet, dass er zur Mehrzahl ausländische Mitglieder hat.

• In Kreuzlingen schätzen zwei Drittel der Vereine ihre Finanzlage als sehr gut oder eher gut ein. In Konstanz sagen das nur 46 Prozent. Die Konstanzer Vereine haben durchschnittlich auch ein geringeres Jahresbudget zur Verfügung.

• Im Fragebogen sollten die Vereine Dienstleistungen bezeichnen, welche sie im Vorjahr in Absprache mit der Stadt erbracht haben. Über die Hälfte der Kreuzlinger Vereine gab an, keine Dienstleistung erbracht zu haben. • Die umgekehrte Frage, ob man Unterstützung von der Stadt erhalten habe, beantworteten über ein Drittel der Kreuzlinger Vereine mit «keine».

• Die Zusammenarbeit zwischen Städten und Vereinen wird aber meist als problemlos bewertet. Die Kreuzlinger sind in dieser Hinsicht positiver gestimmt als die Konstanzer.

Für David Born ergibt sich in der Schlussbetrachtung ein Bild von Vereinen, welche durchaus positiv in die Zukunft schauen – sowohl betreffend die Mitgliederzahlen als auch finanziell. Auch mit den Städten haben die Vereine offenbar ein gutes Verhältnis. Das wird die Stadtverwaltungen freuen. Sie haben die Studie ebenfalls erhalten. «Vielleicht könnten die Städte die Vereine als Erzeuger von öffentlichen Dienstleistungen stärker einbeziehen», interpretiert Born. Viele Vereine hätten angegeben, dass sie solche weder erbracht noch erhalten hätten. «Der Vorteil ist, dass Vereine nahe am Bürger sind. Vereine leisten schon dadurch einen Dienst zum sozialen Zusammenhalt, indem es sie gibt. Sie sind ein elementarer Teil der Zivilgesellschaft.»

Untersuchung geht weiter

Für David Born ist das Kapitel Vereine nicht abgeschlossen. Seine Dissertation schreibt er über die lokalen Vereinslandschaften in 60 Schweizer Gemeinden. Weshalb ausgerechnet in Schweizer Vereinen? «Das Vereinswesen ist in der Schweiz sehr ausgeprägt. Sie ist quasi ein grosses Labor.»

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