Ohne Steuerkorrektur der Absturz

Wäre die Sekundarschulgemeinde Arbon ein Privatunternehmen, müsste sie die Bilanz deponieren. Daher beantragt die neue Behörde eine Steuerfusserhöhung, um wieder auf Kurs zu kommen. Es ist dies der Preis hoher Investitionen.

Max Eichenberger
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Das Prinzip Hoffnung bei der Eingangspartie im Zentrum Reben 4 gilt für Sekundarschule als Körperschaft. (Bild: Max Eichenberger)

Das Prinzip Hoffnung bei der Eingangspartie im Zentrum Reben 4 gilt für Sekundarschule als Körperschaft. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Er hat das Präsidium der Sekundarschulgemeinde erst im August angetreten – und damit kein leichtes Erbe: Eben war beim Sporthallenbau ein neuer Wasserschaden aufgetreten, und die Finanzen zeigten arge Schieflage an. Jetzt muss Robert Schwarzer den Schulbürgern – wenig populär – beantragen, was schon längst fällig gewesen wäre: eine Steuerfusserhöhung um 4 Prozentpunkte. Alles andere als leichtfertig ersuche die erneuerte Behörde darum. Der Schritt sei schlicht notwendig.

Quittung für Optimismus

Es ist der späte Preis dafür, dass die Schulzentren auf einen modernen Stand gebracht werden konnten. Auch das war notwendig; erinnert man sich doch noch mit Schaudern an marode Bauten wie im Stacherholz. Dieses Verdienst redet der früheren SSG-Spitze niemand weg. Allerdings: «31 Millionen in die Erneuerung der Infrastruktur zu investieren und zu glauben, das könne man als Nullsummenspiel veranstalten, ist illusorisch», sagte Schwarzer an der Budgetinformation der Arboner Schulen. Jetzt kommt die Quittung für diesen Optimismus. Der SSG das heimzuzahlen mit einem Nein zum Voranschlag wäre indes doppelt verfehlt, zeigte Finanzressortchef Urs Gähwiler die Konsequenzen ungeschminkt auf: «Wenn wir den Steuerfuss nicht korrigieren, sieht es arg aus. Dann stürzen wir rasch ab in ein immer tieferes Loch. Die Bilanzfehlbeträge würden laufend grösser. Jeder Privatbetrieb müsste seine Bilanz deponieren.» Ein Protest-Nein hätte zur Folge, sagt Gähwiler, dass die SSG nächstes Jahr erneut um eine Steuerfusserhöhung betteln müsste. «Nur dass es dann mehr sein würde» – um den Turnaround mittelfristig schaffen zu können.

Keine Abstriche bei Schulqualität

Was investiert wurde, muss abgeschrieben werden. Diese Last drückt, auch wenn neu auf 33 statt 25 Jahre abgeschrieben wird. Dies bringt immerhin eine Entlastung von 200 000 Franken. Gezielte sonderpädagogische Massnahmen und Fördereinrichtungen kosten zwar – rund eineinhalb Millionen jährlich – aber sie machen die Schulqualität aus, bei der niemand Abstriche machen will. Der Kanton bescheinigt der SSG denn auch einen hohen Stand in seinem neuesten Bericht. Dies wiederum helfe, für alle Schulabgänger Anschlusslösungen zu finden und teure städtische Sozialfälle zu vermeiden. Der Anstieg des Personalaufwandes hat nicht nur mit der Führung neuer Klassen zu tun, sondern auch damit. Im übrigen sei 2015/16 der Knick bei den Schülerzahlen absehbar. Vor lauter Finanzen werde leider oft ausgeblendet, was alles sehr gut läuft in der Sek Arbon, bedauert Robert Schwarzer.

Zu defensiv budgetiert?

85 Prozent aller Ausgaben sind laut Urs Gähwiler vorgegeben durch den Kanton. Auf der Ertragsseite sei das defensiv kalkulierte Steuerwachstum noch Puffermasse. Die 2 Prozent der SSG sind aus Sicht von Vizestadtammann Patrick Hug gar vorsichtig budgetiert; die Stadt rechne optimistisch mit 5 Prozent höherem Steueraufkommen. Hug fühlt sich durch die aktuellen Eingänge bestätigt.

Robert Schwarzer Sekundarschulpräsident (Bild: Picasa)

Robert Schwarzer Sekundarschulpräsident (Bild: Picasa)

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