OHNE BEWILLIGUNG ABGERISSEN: Die Scheune steht nicht mehr

KREUZLINGEN. Eines Abends war sie weg. Die Scheune hinter dem Restaurant Grödeli in Kreuzlingen wurde abgebrochen – ohne Bewilligung. Nachbarn und die Denkmalpflege sind schockiert.

Nicole D'orazio
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Vorher: Die Scheune vor dem Abbruch. (Bilder: pd)

Vorher: Die Scheune vor dem Abbruch. (Bilder: pd)

Nichts mehr hinter dem Restaurant Grödeli an der Konstanzerstrasse erinnert an die kleine, alte Scheune, die bis vor kurzem dort stand. Vor einigen Tagen fuhr ein Bagger auf und machte mit dem Bau kurzen Prozess. «Ehe ich mich versah, was dort vor sich geht, war der Dachstock schon weg», erzählt ein schockierter Anwohner. «Das ist ewig schade, denn die Scheune war sehr hübsch und auch im Hinweisinventar der Denkmalpflege verzeichnet. So ein Gebäude darf nicht einfach abgerissen werden.» Man hätte die Scheune als besonderes Wohnhaus ausbauen können, ist er überzeugt. «Nun entstehen an ihrem Platz wohl neue Parkplätze.»

Von Denkmalpflege aufgewertet

Bis im März wurde das einstöckige Gebäude, das im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammte, von der Thurgauer Denkmalpflege als in der «Gesamtform erhaltenswert» eingestuft. Das ist auch im Richtplan so vermerkt. Nach einer erneuten Begutachtung bewertete die Denkmalpflege die Scheune sogar als «wertvoll», was aber noch nicht rechtskräftig war. Dies wird von Denkmalpflegerin Bettina Hedinger bestätigt. Daher hätte diese nicht abgebrochen werden dürfen.

Bedeutender Bau der Stadt

Im Internet kann man über das Geo-Informationssystem Thurgis das Datenblatt der Scheune abrufen. In diesem wird sie wegen ihrer geschichtlichen, ortsbaulichen und volkskundlichen Eigenschaften sowie ihrer Seltenheit als eine der bedeutenden Bauten der Stadt Kreuzlingen beschrieben.

Der Ball liegt nun bei der Bauverwaltung der Stadt Kreuzlingen. «Ein Mitarbeiter schaute sich noch am gleichen Abend die Lage vor Ort an und stellte fest, dass die Scheune wirklich abgebrochen wurde», sagt Michael Dörflinger, Stadtrat Departement Bau, auf Anfrage.

Keine Bewilligung erteilt

Ende Dezember 2011 habe der Besitzer zwar ein Abbruchgesuch für die Scheune eingereicht, erklärt er. «Doch wir haben keine Bewilligung erteilt. Das Gebäude hätte nicht abgerissen werden dürfen», betont Dörflinger. Die Denkmalpflege habe sich wegen des Gesuches den Bau nochmals anschauen müssen, da er im Richtplan als erhaltenswert eingestuft gewesen sei. Über das weitere Verfahren oder mögliche Folgen für den Besitzer konnte der Stadtrat keine Auskunft erteilen. Der Besitzer, Adolf Haberthür, wollte keine Stellung nehmen.

Nachher blieb vom Gebäude nur ein Haufen Schutt übrig.

Nachher blieb vom Gebäude nur ein Haufen Schutt übrig.

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