Ohne Besucher stirbt der Umzug

KRADOLF. Ende Februar findet der sechste Fasnachtsumzug von Kradolf-Schönenberg statt. Bleibt die Teilnehmerzahl wie bisher, wird es der letzte sein, sagt Organisatorin Angie Staub. Sie ist enttäuscht von Schulen, Vereinen und Einwohnern.

Basil Höneisen
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Verkleidet und geschminkt, wie es sich für Fasnächtler gehört: Angie Staub und Daniela Di Lanzo haben den Umzug ins Leben gerufen. (Bild: pd)

Verkleidet und geschminkt, wie es sich für Fasnächtler gehört: Angie Staub und Daniela Di Lanzo haben den Umzug ins Leben gerufen. (Bild: pd)

In vielen Dörfern erfreut die Fasnacht Kind und Kegel – nicht aber in Kradolf und Schönenberg. Der dortige Umzug, der alle zwei Jahre stattfindet, steht wieder vor der Tür. Die Zufriedenheit der Verantwortlichen mit der Resonanz hält sich jedoch in Grenzen: Zu tief sind die Zahlen der Anmeldungen und der Zuschauer vor Ort. «Wir haben im Schnitt 180 Leute, die mitmachen», erzählt Angie Staub aus Schönenberg, eine der beiden Organisatorinnen. «Und ein paar wenige, die am Strassenrand zuschauen.» Das sei einfach zu wenig, sagt sie und fügt an: «Haben wir auch dieses Jahr so wenig Interessierte, wird das der letzte Umzug in Kradolf und Schönenberg sein.»

Fehlendes Interesse

Für den ausbleibenden Erfolg des Umzugs sieht Angie Staub verschiedene Gründe. «Zum einen haben wir kaum Unterstützung durch die örtlichen Schulen», sagt sie. In den vergangenen Jahren hätten jeweils nur ein bis zwei Klassen teilgenommen. Sie kenne Schulen, da sei die Teilnahme der Klassen an örtlichen Umzügen Ehrensache.

«Zum anderen macht es den Anschein, dass die Leute aus dem Dorf lieber im Warmen sitzen, als dass sie vor die Haustüre stehen würden.» Die Organisatorin ist enttäuscht, dass sich nicht mehr Leute für den Event interessieren, denn sie steckt viel Zeit in die Organisation. «Ich plane den Umzug mit Daniela Di Lanzo, weil wir etwas für die Dorfgemeinschaft tun möchten», sagt Staub. «Damit die Leute aus den Häusern kommen, sich besser kennenlernen und sich so die Atmosphäre im Dorf ein wenig lockert.» Sonst bleibe es ein Teufelskreis: Wenn nur eine Handvoll Leute zuschauen, lockt das auch nur wenige Teilnehmer an.

Noch ein letzter Versuch

Am 28. Februar findet nun der letzte Versuch statt. Bleibt die grosse Masse wieder fern, geben die Organisatorinnen das Projekt auf. «Der Umzug ist nicht für uns, sondern für das Dorf», betont Angie Staub. Als Präsidentin der Weinfelder Guggenmusik Crashband habe sie genug Fasnacht. Und zu wenig Arbeit scheint Angie Staub auch nicht zu haben: Als Sachbearbeiterin, private Buchhalterin, Haushälterin und Mutter ist die Woche auch ohne zusätzliche Organisationsarbeiten schnell ausgefüllt. Trotzdem führt sie den Umzug bereits zum sechsten Mal durch.

Dieses Jahr mit dabei ist ihre Guggenmusik Crashband. Nach dem Umzug werden die Teilnehmer gratis verpflegt. Auch die Zuschauer haben die Möglichkeit, sich beim Restaurant Rosengarten zu verköstigen. Erhöht sich die Zahl der Teilnehmer dieses Jahr nicht, dann ist der Fasnachtsumzug Geschichte.

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