«Ohne Arbon kein St. Gallen»

ARBON. Im 7. Jahrhundert hat man in Arbon Romanisch gesprochen und liegend gegessen. Zu dieser Zeit ist Gallus in die Stadt gekommen. Was der Namensgeber von St. Gallen mit Arbon zu tun hat, erzählte Max Schär im Kulturcinema.

Hedy Züger
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Letzte Predigt von Gallus in Arbon im Jahr 650. Gemalt von Johann Sebastian Hersche um 1670. (Bild: Stiftsbibliothek St. Gallen)

Letzte Predigt von Gallus in Arbon im Jahr 650. Gemalt von Johann Sebastian Hersche um 1670. (Bild: Stiftsbibliothek St. Gallen)

Hinter der Behauptung «ohne Arbon kein St. Gallen» stecke nicht nur Lokalpatriotismus, sagte Moderator Jürg Niggli am Freitag im Kulturcinema. Klarheit über diese Aussage brachte Max Schär aus Rorschach. Jürg Niggli stellte ihn als Sprachwissenschafter, Historiker und Theologen vor.

In Arbon gepflegt

Die Zuhörer lauschten gespannt den Erzählungen von Max Schär: Ohne den Arboner Tribun Waltram sei das Kloster St. Gallen undenkbar, denn er hat den Auftrag zur Gründung gegeben.

Zudem sei belegt, dass Gallus vom Arboner Priester Willimar aufgenommen, gepflegt und in seinen letzten Lebensjahren betreut wurde.

Imposanter Anblick

Das römische Kastell, welches damals Arbona hiess, habe für Reisende ein imposantes Bild abgegeben. Kirche (Oratorium), Pfarrhaus und Gästehaus lagen innerhalb der Schutzmauern von Arbona. Die Martinskirche erhebt sich über dem römischen Oratorium. Bei der letzten Renovation wurde die Badanlage entdeckt. Gallus sah das römische Bad mit Hypocauston, der Heizanlage, noch.

Verständigung in Romanisch

Als Gallus im Herbst 611 nach Arbon kam, wohnten hier fast ausschliesslich Kelto-Romanen. Ihre Sprache war Romanisch (Vulgär-Latein) und nicht keltisch. «Ab dem 7. Jahrhundert erfolgte eine friedliche Besiedlung durch Alemannen», sagte Schär. In der Umgebung lebten Romanen. Um 536 bildeten die Franken die Führungsschicht.

Am Tisch liegen

Gallus gewöhnte sich im Pfarrhaus an die römischen Tafelsitten. So lag man damals zu dritt am Tisch, stützte den linken Arm auf und ass mit Löffel oder Gabel in der rechten Hand. Die 200 bis 300 Arboner Bewohner waren grösstenteils Christen. «Im Umland waren die Menschen heidnisch oder oberflächlich christianisiert», sagte Schär. Im Jahr 680 überfiel ein Bregenzer Arbon und legte die Stadt in Brand. Die Bregenzer waren religiös gemischt, sie brachten ihrem Gott Wodan noch Bieropfer dar.

Kolumban, der Lehrer von Gallus, zerstörte jedoch das Bierfass, indem er hineinpustete. Darauf liessen sich einige bekehren.

Einsiedelei im nahen Wald

Graf Dalto, dessen Sarkophag unter dem Klosterplatz kürzlich entdeckt wurde, hatte Gallus erlaubt, im nahen Wald eine Einsiedelei zu gründen. Dort liessen sich weitere Mönche nieder. Die Klostergründung erfolgte erst 719. Schär sagt, Gallus habe Vorbildcharakter. «Er ging einen inneren Weg.» Das sei heute noch möglich.