Ökostrom sorgt für Spannungen

ARBON. Bernhard Bertelmann wirft der Arbon Energie AG Etikettenschwindel vor. Sie biete Ökostrom an, der diese Bezeichnung nicht verdiene. Das sei Haarspalterei, hält ihm das Unternehmen entgegen.

Markus Schoch
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Bernhard Bertelmann Kritiker der Strompolitik der Arbon Energie AG (Bild: pd)

Bernhard Bertelmann Kritiker der Strompolitik der Arbon Energie AG (Bild: pd)

74 Bezüger von Solarpower waren der Arbon Energie AG am Schluss zu wenig. Kurz vor Weihnachten teilte ihnen das Unternehmen darum mit, dass sie das vergleichsweise sehr teure Produkt aus dem Angebot streiche. Aufwand und Ertrag seien in keinem Verhältnis mehr gestanden, sagte damals Geschäftsführer Jürgen Knaak.

Den betroffenen Kunden machte die Arbon Energie AG als Alternative einen Strom-Mix schmackhaft, den sie in einem Brief vom 16. Dezember an die Solarpower-Bezüger als «Ökostromprodukt» bezeichnete. Erhalten hat das Schreiben auch Bernhard Bertelmann, der sich nur wundern konnte, als er es las.

Etikettenschwindel

Es sei Etikettenschwindel, was die Arbon Energie AG betreibe, findet Bertelmann, der für die SP im Arboner Stadtparlament sitzt. Denn beim angeblichen Ökostrom handle es sich um das Produkt «1to1 energy easy nature», das eben genau kein Ökostrom sei. Zumindest wenn es nach der Organisation Naturemade geht, deren Label die Arbon Energie verwendet. Nur 5 Prozent im betreffenden Strommix erfüllen die entsprechenden Kriterien. Die restlichen 95 Prozent sind Energie aus herkömmlicher Wasserkraft, die zur so genannten Basis-Kategorie zählt. Diese garantiert gemäss Naturemade lediglich, dass der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Als Ökostrom darf er aber nicht bezeichnet werden.

Bereits das zweite Mal

Bertelmann wies die Verantwortlichen von Arbon Energie bereits im Frühling 2013 auf diese Zusammenhänge hin. Damals hatte das Unternehmen «Aquapower» aus dem Angebot genommen und die betroffenen Kunden genau gleich wie jetzt auf «1to1 energy easy nature» hingewiesen, das «100 Prozent Ökostrom sei», wie es im Flyer hiess.

Bertelmann versteht nicht, warum sich die Arbon Energie jetzt erneut in der Wortwahl vergreift. «Ist es Unwissenheit, Vergesslichkeit oder ist es bewusst Irreführung?», fragt er sich.

99,9 Prozent ökologisch

Jürgen Knaak, der Geschäftsführer von Arbon Energie, hält die Kritik von Bertelmann für Haarspalterei. Naturemade-Strom aus herkömmlicher Wasserkraft sei zu 99,9 Prozent ökologisch produziert. Um unnötige Diskussionen zu vermeiden, würden sie den Begriff «Ökostrom» im Zusammenhang mit «1to1 energy easy nature» aber künftig nicht mehr verwenden.

Ökostrom im eigentlichen Sinn anzubieten, wie sich das Bertelmann wünscht, kommt für Knaak nicht in Frage. Es gebe keinen Markt dafür.

Am Markt ausrichten

Die Arbon Energie könne es sich mit Blick auf die absehbare Öffnung des Strommarktes 2017 und 2018 nicht leisten, an Angeboten festzuhalten oder neue aufzubauen, für die kein Bedarf bestehe, sagt Knaak. «Sonst sind wir nicht marktgerecht in Zukunft.» Aus diesem Grund sei es auch keine Option, dem Standard-Strom mehr Ökostrom beizumischen. «Wir wollen bei unseren Stromangeboten transparent sein.»

Bertelmann bedauert das Geschäftsgebaren der Arbon Energie, die Anfang Jahr mit dem Energiepreis der Stadt Arbon ausgezeichnet worden ist. «Umweltbewussten Kundinnen und Kunden bleibt jetzt nichts Weiteres übrig, als sich anderswo umzusehen: Die Energiegenossenschaft Roggwil oder das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau helfen gerne mit innovativen Angeboten weiter.»

Jürgen Knaak Geschäftsführer der Arbon Energie AG (Bild: Max Eichenberger)

Jürgen Knaak Geschäftsführer der Arbon Energie AG (Bild: Max Eichenberger)