Öko-Energie hat ihren Preis

KREUZLINGEN. Die Campus-Holzschnitzelheizung beim Kreuzlinger Hafenbahnhof ist seit drei Monaten in Betrieb. Verträge mit der Kirchgemeinde und der Schulgemeinde sind allerdings noch nicht unterzeichnet – wegen der hohen Kosten.

Martina Eggenberger Lenz
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Die Wärmeverbundzentrale der Technischen Betriebe Kreuzlingen bedient den kantonalen Schulcampus. (Bild: Nana do Carmo)

Die Wärmeverbundzentrale der Technischen Betriebe Kreuzlingen bedient den kantonalen Schulcampus. (Bild: Nana do Carmo)

Die Ölheizung der Kirche St. Ulrich läuft auf Reserve. Sie muss ersetzt werden. Bis vor kurzem schien klar, dass die katholische Kirchgemeinde sich dieses Jahr an die neue Campus-Holzschnitzelheizung der Technischen Betriebe Kreuzlingen anschliessen wird. Die Kirchbürger sprachen hierfür letztes Jahr einen Kredit.

Doch nun ist fraglich, ob die Pläne tatsächlich in Realität umgesetzt werden. Die vertraglich vorgeschlagenen Bezugstarife sind der Kirchgemeinde zu hoch. «Unverhältnismässig teuer», sagt Kirchenpräsident Thomas Gisler. Deshalb habe er den entsprechenden Vertrag auch noch nicht unterschrieben.

Andere sind günstiger

Das gleiche trifft auf die Schulgemeinde zu. Auch sie äusserte einst die Absicht, die bestehende Öl-/Gasheizung für das Präsidium und das Schreiber-Schulhaus nicht mehr zu erneuern und sich an den Wärmeverbund anzuschliessen. Jetzt droht Schulpräsident Jürg Schenkel mit einem Rückzieher. Der Kilowattpreis von 17 Rappen ist ihm zu hoch.

Sowohl Schenkel als auch Gisler kritisieren, dass die Verträge erst vorgelegt wurden, als die Anlage bereits fertiggestellt war. Beide sagen, der Preis sei für sie nicht nachvollziehbar. «Dass die Technischen Betriebe so teuer gebaut haben, ist nicht mein Problem», meint Schenkel.

Die Schulgemeinde beziehe von der Holzschnitzel-Heizung in der Rosenegg Energie für maximal acht Rappen pro Kilowattstunde. Auch die Anlage der Kanti laufe wesentlich günstiger. Thomas Gisler sagt: «Die Tarife der Campus-Heizung sind doppelt so teuer wie jene anderer Holzschnitzelheizungen.» Schulpräsident Jürg Schenkel hat errechnet, dass ihn eine neue Gasheizung inklusive Unterhalt gerade einmal halb so teuer käme wie der Anschluss an den Wärmeverbund. Er ist der Meinung, dass Energie in einem so grossen Verbund billiger zu produzieren sein müsste.

Volk soll entscheiden

Beide Verhandlungspartner sitzen nun mit den Technischen Betrieben noch einmal an einem Tisch. Für sie ist klar: Wenn die Tarife nicht gesenkt werden, konsultieren sie das Volk. Bei der Kirchgemeinde kämen die Kosten vor die Versammlung. Die Schule würde eine Abstimmung ansetzen. Die Behörden alleine könnten über so hohe jährliche Beträge nicht allein entscheiden, lautet die Meinung. Der Stimmbürger solle entscheiden, ob ihm die Ökologie so viel Geld wert sei.

Thomas Gisler (Bild: sb)

Thomas Gisler (Bild: sb)

Jürg Schenkel (Bild: edc)

Jürg Schenkel (Bild: edc)