Nur die Jugendlichen fehlen

KREUZLINGEN. Seit dem 1. Juli ist das neue Team der Offenen Jugendarbeit Kreuzlingen komplett. Dieses hat gemerkt, dass die Teenager das Angebot und das Jugendhaus nicht wirklich kennen und kaum nutzen. Das wollen die drei Jugendarbeiter ändern.

Nicole D'orazio
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Machen es sich auf den Sitzsäcken bequem: Die Jugendarbeiter Tobias Mahlbacher, Bianca von Freeden und Leiter Bastian Ehrmann. (Bild: Reto Martin)

Machen es sich auf den Sitzsäcken bequem: Die Jugendarbeiter Tobias Mahlbacher, Bianca von Freeden und Leiter Bastian Ehrmann. (Bild: Reto Martin)

Die Türen des Jugendhauses am Kreuzlinger Hafen stehen am Mittwoch- und Freitagnachmittag offen, doch nur wenige kommen. «Wir sind darüber überrascht», sagt Bastian Ehrmann, Leiter der Offenen Jugendarbeit Kreuzlingen (OJA). Seit Mai bilden der 37-Jährige und der 33jährige Tobias Mahlbacher das neue Team. Am 1. Juli ist die 31jährige Bianca von Freeden dazugestossen. Die Rochade wurde nötig, da Urs Fillinger und Caroline Wenk gekündigt hatten. «Dass wir gleich drei Neue sind, kann auch eine Chance sein», sagt Ehrmann. Sie würden nun bei Null anfangen und den Kontakt zu den Jugendlichen suchen. «Wir sind deswegen vor allem mit der Aufsuchenden Jugendarbeit beschäftigt.»

Die Drei sind oft in der Stadt unterwegs, auch abends, erzählt Bianca von Freeden. Es sei allerdings recht schwierig, an die Teenager heranzukommen. «Wir müssen zuerst verstehen, wie sie hier in Kreuzlingen funktionieren und wo sie sich aufhalten.»

Auf dem Pausenplatz

Die drei Jugendarbeiter sind eine Zusammenarbeit mit der Schule Kreuzlingen eingegangen und pflegen den Kontakt zu den Schulleitern der Oberstufe. «Wir werden nun regelmässig während der Pausen in den Oberstufenzentren anwesend sei und direkt den Kontakt zu den Jugendlichen suchen», sagt Ehrmann. Mit der OJA-Tasche sei auch direkt klar ersichtlich, wer sie seien.

Im Zentrum Remisberg haben die Jugendarbeiter kürzlich gute Gespräche mit den Schülern geführt. «So kommen wir direkt an unsere Zielgruppe heran», sagt Ehrmann. Das Team hat festgestellt, dass viele Teenager das Jugendhaus und auch das Angebot der OJA nicht kennen oder nur ungenügend. «Einige sagten auch, dass sie sich nicht trauten, vorbeizukommen. Das möchten wir natürlich ändern.»

Jugendarbeit funktioniere nur über Beziehungen, sagt Tobias Mahlbacher. Diese versuche man über kleine Aktionen wie Konzerte, ein Angebot nur für Mädchen oder Ausflüge zu knüpfen. «Auch hoffen wir, dass der Jugendinformationsladen, der JIL, wieder besser genutzt wird.»

Im JIL stossen die 12- bis 17-Jährigen immer auf ein offenes Ohr und bekommen Hilfe bei Fragen und Problemen. Auch helfen die Jugendarbeiter bei der Lehrstellensuche oder beim Aufgleisen eines Projektes. Der JIL ist zweimal wöchentlich geöffnet. Einen typischen Jugendtreff möchte das Team hingegen nicht führen. Der Raum solle für Aktionen genutzt werden.

Bruch mit dem Jugendhaus

Als die OJA noch an der Bahnhofstrasse ansässig war, sei das Angebot gut genutzt worden, weiss Ehrmann. «Mit dem neuen Jugendhaus, das im letzten Jahr bezogen wurde, hat es dann einen Bruch gegeben, natürlich auch mit dem Wechsel der Mitarbeiter.» Das Team hat festgestellt, dass das Jugendhaus sehr oft von Erwachsenen genutzt wird. «Das kann für Teenager abschreckend sein.» Die Jugendarbeiter haben darum die Vermietung vom städtischen Departement Freizeit übernommen. «Wir achten darauf, dass mehr Anlässe von und für Jugendliche veranstaltet werden», erklärt Ehrmann. Natürlich seien Vereine weiterhin willkommen. Man werde aber schauen, dass sie etwas mit jungen Leuten zu tun haben. «Wir wollen diese schliesslich ans Haus binden, ihnen einen Ort zum Wohlfühlen geben.» Die Gruppe der 16- bis 25-Jährigen vernachlässige man dabei natürlich nicht. «Wir sind für alle da. Aber ohne Mithilfe geht es nicht», sagt Ehrmann.