Nufers verlassen die «Seeburg»

Die langjährigen Gastgeber Gabi und Adrian Nufer bewerben sich nicht auf die öffentliche Ausschreibung des Schlossrestaurants. Sie übernehmen einen neuen Betrieb.

Martina Eggenberger Lenz
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Gabi und Adrian Nufer orientieren sich nach 13 Jahren Seeburg neu. (Bild: Nana do Carmo)

Gabi und Adrian Nufer orientieren sich nach 13 Jahren Seeburg neu. (Bild: Nana do Carmo)

kreuzlingen. Überraschend hat die Stadt Kreuzlingen Anfang Juni das Restaurant Seeburg ausgeschrieben – dies, obwohl die aktuellen Wirtsleute gerne im Haus geblieben wären. Das Vorgehen der Stadt löste vielerorts Kopfschütteln aus und warf Fragen auf. Sogar in Leserbriefen setzten sich Gäste für Nufers ein.

Diese erzählen, dass die Probleme im Herbst 2007 mit der neu gewählten Stadtregierung begonnen hätten.

Der alte Pachtvertrag, den 1997 nur Ernst Graf unterzeichnete, sollte durch einen neuen abgelöst werden. Nufers, während 13 Jahren gleichberechtigte Partner, sollten auch auf dem Papier als Pächter erwähnt werden. Die Verhandlungen liefen zäh, die Gastronomen wussten nicht, ob sie mit einer Mietzinserhöhung zu rechnen hatten. Im April 2008 erlitt Ernst Graf einen Herzinfarkt. Ab diesem Zeitpunkt war er nicht mehr voll arbeitsfähig.

Ausschreibung früher geplant

Im Dezember gleichen Jahres fand eine Sitzung mit den Wirtsleuten Graf und Nufer und mit Dorena Raggenbass sowie Stadtammann Andreas Netzle statt. In der Sitzung verwiesen die Pächter auf ungelöste Probleme. Auch wurde informiert, dass Ernst Graf den neuen Vertrag nicht mehr unterzeichnen wolle. «Das Gespräch ist sehr emotional verlaufen und hat die Stadträte wahrscheinlich verärgert», sagt Gabi Nufer.

Kurz danach eröffnete Ernst Graf dem Ehepaar Nufer, dass er aus der Geschäftspartnerschaft austrete und fortan als Angestellter tätig sein wolle.

Im Frühling 2009 seien dann plötzlich Vertreter der Beratungsfirma Gastroconsult in der «Seeburg» gestanden – ohne Vorankündigung, wie Nufers berichten. Das Unternehmen hatte von der Stadt den Auftrag, eine Standortanalyse zu erstellen. Im Rahmen dieser sollten Nufers ihre Jahresabschlüsse offenlegen. Sie weigerten sich, worauf man ihnen mangelnde Kooperation vorwarf.

«Für uns überraschend kündigte dann Ernst Graf im September per März 2010 den Pachtvertrag», so Gabi Nufer. Nun gab es keinen neuen Pachtvertrag, sondern die Stadt kündigte an, die «Seeburg» öffentlich auszuschreiben. Das sollte schon 2009 passieren.

Analyse nie gesehen

Nufers wehrten sich, die Stadt gewährte ihnen einen auf ein Jahr befristeten Vertrag.

In diesem, so wurde Nufers versprochen, sollten allenfalls begünstigende Ergebnisse der Standortanalyse einfliessen. «Bis heute haben wir diese Analyse nicht zu Gesicht bekommen», bemerkt Gabi Nufer. Noch einmal musste das Wirtepaar fünfeinhalb Monate auf einen schriftlichen Vertrag warten. Der alte Pachtvertrag war damals nur noch zwei Wochen gültig.

Noch einmal vier Wochen später lag erst das unterzeichnete, gültige Papier auf dem Tisch – zu den gleichen Konditionen wie in den letzten 13 Jahren.

Gleich mehrere Angebote

«Aus all diesen Gründen haben wir uns entschieden, dass wir uns nicht für die <Seeburg> bewerben», halten Nufers fest. Sie übernehmen nächstes Jahr einen anderen Betrieb.

Dank des Renommées konnten sie sogar auswählen: «Uns wurden nach Erscheinen des Inserates innert vier Tagen sieben Betriebe angeboten. Sogar eine Gemeinde hat uns angefragt», so Adrian Nufer.

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