«Niemand hat mich geweckt»

Samstagnacht wurde in der Tägermoosstrasse 8 zum viertenmal ein Brand gelegt. Bewohner, Feuerwehr und ein Psychiater halten es für möglich, dass der Feuerteufel im Haus wohnt.

Gloria Karthan
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KREUZLINGEN. Es ist kurz vor 1 Uhr, als eine Bewohnerin der Tägermoosstrasse 8 vom Rauchgeruch wach wird. «Ich bin sofort aufgesprungen. Als ich die Haustür öffnete, kam mir eine schwarze Wolke entgegen», sagt sie. Sie flüchtet auf die Strasse vor dem Haus, wo die anderen Nachbarn bereits stehen. «Niemand hat mich geweckt, es haben alle nur für sich geschaut.»

In dem Wohnblock wurde in diesem Jahr bereits der vierte Brand gelegt. Jedes Mal kam das Feuer aus dem Keller. Dieses Mal wurde ein Koffer mit Kleidern in einem Kellerabteil in Brand gesteckt. Die Kantonspolizei sucht Zeugen, noch gibt es keinen Verdächtigen. Die Massnahmen der Verwaltung beschränkten sich bisher auf ein neues Schloss am Hauseingang. Die Tür war zum Zeitpunkt der Brandlegung nicht verschlossen.

«Es hätte jeder sein können»

Wie Recherchen ergeben, ist die Stimmung im Wohnhaus eisig, man grüsse sich nicht und rede nicht miteinander. Eine Mieterin erzählt von der Nacht der Brandstiftung: «Ich fragte einen Nachbarn, ob man schon alle aus dem Haus geholt habe. Sie schauten mich verdutzt an.» Bei einem Bewohner sei die Klingel kaputt, man musste an die Tür poltern, um die Familie zu wecken.

Da die Haustür des Wohnblocks nicht verschlossen war, hätte man sich leicht Zugang zum Keller verschaffen können. Eine andere Bewohnerin sagt: «Die Tür war offen, es hätte jeder sein können. Im Haus wohnen auch junge Leute.» Sie schliesse nicht aus, dass der Feuerteufel jemanden aus dem Haus kennt oder es sogar selbst bewohnt.

Ungelöster Konflikt als Ursache

«Die Person nutzte die zerstörerische und angstauslösende Wirkung des Feuers für eine Äusserung von Aggressionen», schätzt Thomas Knecht, Forensischer Psychiater und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das Ganze ein.

Zum möglichen Feuerteufel sagt der Forensiker: «Psychologisch betrachtet wäre es wahrscheinlicher, dass sich ein Konfliktbeteiligter zu so etwas hinreissen lässt, das heisst, jemand aus dem Haus oder jemand, der einem Bewohner nahe steht.» Beim Auslöser für die Brandlegung handle es sich eher um einen chronisch ungelösten Konflikt als um kriminelle Energie. Die Täterschaft habe die Risiken jedoch relativ scharf kalkuliert, weshalb sie das Feuer in der Nacht legte.

Das Leben geht weiter

Feuerwehrkommandant Kurt Affolter war in jener Nacht vor Ort. Er habe Verständnis für die Missstimmung im Block: «Noch weiss keiner, ob ein Fremder das Feuer gelegt hat oder einer der Bewohner. Ich verstehe aber durchaus, dass die Mieter Angst haben.»

Die Bewohner hoffen, dass der Brandserie hoffentlich bald ein Ende gesetzt wird. Eine Frau sagt: «Ich habe Angst und bin verzweifelt. Aber das Leben geht weiter.»