Nie um eine Antwort verlegen

In der Gaststube (3): Marianne Mettler ist seit vier Jahren die Wirtin im Restaurant Kreuzstrasse in Zuben. Sie erklärt, warum sie auch schon Salamifrappé serviert hat, aber auf keinen Fall Meeresfrüchte auf die Speisekarte nehmen würde.

Michèle Vaterlaus
Drucken
Marianne Mettler schaut aus dem Fenster ihrer Wohnung, die gleich oberhalb der Gaststube liegt. (Bild: Reto Martin)

Marianne Mettler schaut aus dem Fenster ihrer Wohnung, die gleich oberhalb der Gaststube liegt. (Bild: Reto Martin)

ZUBEN. «Weshalb wir hier sind? Natürlich wegen der Wirtin», sagt Marco Hirsiger, ein Gast des Restaurants Kreuzstrasse in Zuben, und sein Arbeitskollege Toni Ziberi nickt. Die Wirtin ist Marianne Mettler. «Sie ist eine kesse Person, sehr freundlich und nie um eine Antwort verlegen», sagt der Gast weiter.

Marianne Mettler lacht. Sie habe in den vier Jahren, in denen sie nun das Restaurant leitet, gelernt, sich nicht alles gefallen zu lassen. So erlaubt sie sich manchmal auch einen Scherz mit ihren Gästen – wenn sie sich nicht präzise ausdrücken.

Bestellung aus Scherz

Wer nicht weiss, was er will und sagt: «Bring mir irgendein Sandwich», dann kann es schon sein, dass Marianne Mettler dieses mit Sauerkraut und Gummibärchen füllt. Wer aus Scherz ein Salamifrappé bestellt, bekommt auch dieses serviert. «Und muss es trinken», sagt Marianne Mettler. Nur einmal habe sie das gemacht. Der Gast war eine Bekannte. «Ich war in Eile und sie bestellte aus Scherz ein Salamifrappé», erzählt die gelernte Köchin. «Ich habe Salami, Milch, Vanilleglace, einfach alles zusammen gemixt, was mir in die Finger kam.» Das Ergebnis sei ungeniessbar gewesen.

Diese Alberei treibt sie ganz unter dem Motto «jeder Beizer macht sich seine Gäste selbst». Sie lasse sich nicht alles gefallen, es brauche zwischendurch auch ein Nein. Und weil sie so klein ist, müsse sie die Grösse halt manchmal mit dem Maul aufholen.

Die meisten Gäste in ihrem Restaurant kennt Marianne Mettler. «Es sind viele Vereine, die bei mir einkehren», sagt die 33-Jährige. Sie kennt die meisten Kunden aber auch, weil sie in Zuben aufgewachsen ist. Bis vor vier Jahren haben ihre Eltern das Restaurant geführt. Im August 2008 hat sie es schliesslich übernommen. Dazu gehörte ursprünglich auch der Hof nebenan mit der Zucht von Hochlandrindern. Den Betrieb des Hofes hat ihr Bruder übernommen.

Ein Zwang sei es nicht gewesen, in die Fussstapfen der Eltern zu treten. Sie habe schon auf dem Bau gearbeitet und sogar bei der Post geschnuppert. «Aber nur aus Pflichtbewusstsein», sagt sie. «Ich wollte schon immer Köchin werden», sagt Mettler. Sie koche am liebsten gutbürgerliche Sachen. «Alles, das ich auch gerne esse», sagt sie. Also auf gar keinen Fall Crevetten und andere Meeresfrüchte, fügt sie lachend an.

In dritter Generation

In den oberen Stockwerken des Riegelbaus, der 1880 zum ersten Mal erwähnt wurde, wohnt die Wirtin in sechs Zimmern. Früher sei es eine Säumer-Station gewesen für die Reisenden zwischen den Klöstern St. Gallen und Konstanz. Der Grossvater von Marianne Mettler hat das Restaurant im Jahr 1946 gekauft. Sie betreibt es in dritter Generation. «Ich habe schon einiges verändert», sagt sie stolz. Sie hat eine neue Terrasse machen lassen, den Garten und einen Spielplatz. Das reiche vorläufig. «Ich fühle mich hier wohl.»

Bild: MICHèLE VATERLAUS

Bild: MICHèLE VATERLAUS