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Nicht mehr als ein Strohfeuer

Randnotiz
Gallus Frei-Tomic

An der Freiestrasse führt Frau Häderli ihren Buchladen. An der Freiestrasse in Amriswil ist sonst nichts. In der Nachbarschaft höchstens das «Grütli», eine alterwürdige Beiz, in der man einen Film über die 60er-Jahre drehen könnte.

Dass in der Freiestrasse eine Unerschrockene einen freien Buchladen führt, bedeutet nicht nur Lebensqualität für ein paar übrig gebliebene Bücherleser, die noch nicht in den langen Fangarmen von Amazon und anderen Billiganbietern sind, sondern ehrt die Stadt, die einen solchen Luxus in einer Nebenstrasse anbietet. Kultur.

Erstaunlich genug, dass es nach 30 Jahren Marianne Nagel wieder eine Frau ist, die mit Mut und Unerschrockenheit mit Büchern Geld verdienen will. In einer Zeit, in der zwei Generationen Leserinnen und Leser durch die digitalen Medien von Büchern entfremdet wurden. In einer Zeit, in der die Kurznachricht kultiviert wird und es für Poesie und lange Geschichten mit Stil keinen Platz mehr zu geben scheint. In einer Zeit, in der es rund um den Schweizer Buchpreis durchaus ein paar Strohfeuer gibt. Mehr aber nicht.

Gallus Frei-Tomic

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