Nicht jeder erhält die Kommunion

Der katholische Pfarrer Alois Jehle steht für seine strikte Linie in der Kritik. Zusammen mit seinem Kreuzlinger Pfarrerkollegen Josef Gander und Kirchgemeindepräsident Thomas Gisler nimmt er dazu Stellung.

Nicole D'orazio
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Im Gespräch: Pfarrer Alois Jehle, Kirchenpräsident Thomas Gisler und Pfarrer Josef Gander. (Bild: Reto Martin)

Im Gespräch: Pfarrer Alois Jehle, Kirchenpräsident Thomas Gisler und Pfarrer Josef Gander. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. «Vor Beginn des Gottesdienstes im Altersheim suche ich mit jeder Person das Gespräch», sagt Alois Jehle, Pfarrer von St. Ulrich in Kreuzlingen. «Es ist mir wichtig, zu allen einen Bezug zu haben.» Einmal im Monat halte er im Alterszentrum einen Gottesdienst. Er verweigere dort nicht einfach so eine Kommunion. Es stimme aber, dass er sie nicht jedem gebe. Wenn das der Fall sei, erkläre er der betroffenen Person im voraus, dass er sie dafür segne.

«Die heilige Kommunion ist für uns Katholiken der Leib Christi. Diesen kann nicht jeder und jede empfangen», erklärt Josef Gander, Pfarrer von St. Stefan. «Auch für Katholiken besteht im Gottesdienst die Gefahr, dass sie gedankenlos oder automatisch nach vorne kommen, um die Kommunion zu empfangen.» Dort verweigere er sie allerdings niemandem, ergänzt Jehle.

Noch nie alle aufgefordert

Gander unterstützt seinen Kollegen: «Ich habe noch nie alle Kirchgänger aufgefordert, nach vorne zu kommen. Man muss dafür würdig sein.» Ein Katholik müsse primär den festen Glauben haben, dass er den Leib Christi empfange, erklärt er. Und er müsse frei von schwerer Schuld sein. Geschiedene dürfen zur Kommunion. Doch wenn sie wieder heiraten, bleibt die erste Ehe gültig. «Mit einer zweiten Heirat bricht man die erste. Das hat schon Jesus gesagt.» Dennoch müsse jeder selber wissen, ob er disponiert sei, die Kommunion zu empfangen oder nicht.

In einem evangelischen Gottesdienst könnten hingegen alle das Abendmahl empfangen, sagt Gander weiter. «Bei den Katholiken ist das aber nicht möglich. Viele Gläubige wissen das heute nicht mehr.» Es sei deswegen auch nicht möglich, dass Katholiken und Protestanten gemeinsam das Abendmahl einnehmen. «Das hat der Vatikan bestätigt.» Die Vermischung von verschiedenen Glaubensauffassungen sei in der Schweiz manchmal ein Problem. Da könnten solche Missverständnisse auftreten, meint Gander. «Es ist schliesslich die Aufgabe der Pfarrer, das den Leuten zu sagen», ergänzt Jehle.

Man entscheidet vorher

Das gleiche gelte für Trauermessen und Wortgottesdienste, sagt Jehle. «Ich habe in keinster Weise jemandem eine Trauermesse verweigert.» Bereits im Trauergespräch klärt er mit den Hinterbliebenen, ob eine solche Sinn macht. Pfarrer Gander handhabt das genau gleich.

Jehle ist auch darüber erstaunt, dass immer wieder der Vorwurf aufkommt, er würde die Ökumene torpedieren. «Ich habe immer das uns Mögliche offeriert.» Aus den zuvor genannten Gründen sei eine gemeinsame Eucharistiefeier am Bettag nicht möglich, ein ökumenischer Wortgottesdienst schon. Die Protestanten seien jedoch zu einem Abendmahl am Bettag verpflichtet. Zudem habe er Kardinal Koch, den Ökumene-Minister, zu einem Gespräch nach Kreuzlingen eingeladen. «Leider hatten die Kollegen kein Interesse, den Anlass mitzugestalten.»

Wegen der Vorwürfe ziehe er sich nicht verletzt zurück, sagt Jehle. «Mein Ziel ist, auf die Leute zuzugehen, und ich versuche, auf sie und ihre Haltung einzugehen.» Mit ihm könnten alle sprechen, auch wenn man nicht immer einer Meinung sei.

Bischofsvikar soll aufklären

Thomas Gisler, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen, wundert sich, dass immer wieder die gleichen Vorwürfe gegen Jehle laut werden, obwohl vieles nicht wahr ist. «Wir werden das Thema in der Vorsteherschaft besprechen und Lösungen suchen.» Es könne nicht sein, dass auf den Mann geschossen werde, obwohl der katholische Glaube so sei. «Entweder man glaubt oder nicht», sagt er. Man wolle nun Aufklärungsarbeit machen. Dazu werde der Bischofsvikar nach Kreuzlingen kommen und die Problematik behandeln. «Vielleicht glauben es die Leute ja ihm.»