NEUKIRCH AN DER THUR: Die fünf Ringe im Visier

Shaun Metzger will es als Sportler weit bringen. «Ich bin ehrgeizig. Wenn ich mir ein Ziel setzte, möchte ich dieses auch erreichen», sagt der Judoka, welcher jüngst international reüssierte.

Christof Lampart
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Der junge Neukircher Judoka Shaun Metzger ordnet gegenwärtig alles seinem grossen Ziel unter, will er es doch in den nächsten Jahren auch bei der Elite an die Spitze schaffen. (Bild: Christof Lampart)

Der junge Neukircher Judoka Shaun Metzger ordnet gegenwärtig alles seinem grossen Ziel unter, will er es doch in den nächsten Jahren auch bei der Elite an die Spitze schaffen. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

bischofszell@thurgauerzeitung.ch

Ein Leben ohne Sport könnte sich der schlaksige Teenager nicht vorstellen. «Ich brauche die Bewegung und muss immer etwas zu tun haben», erklärt er denn auch. Bereits mit vier schickte ihn deshalb sein Vater ins erste Judotraining nach Eschlikon. «Er meinte einfach, dass mir das guttun würde.»

Als sich der Hinterthurgauer Verein auflöste, wechselte der Achtjährige zum Judo- und Ju-Jitsu-Club Weinfelden (JJCW), wo er heute unter Hans Nessensohn trainiert. Jenem Judoka also, der vor kurzem an der Master Europameisterschaft in Zagreb überlegen Gold in der Kategorie M8 (65–69 Jahre) bis 60 Kilo holte und dabei seine Konkurrenz technisch überlegen hinter sich liess. «Hans ist schon ein Vorbild für mich», lacht Shaun. Immerhin weiss der junge Judoka in Nessensohn einen Mann hinter sich, der «weiss, wie man siegt», sagt Shaun Metzger.

Kämpfen bis zum Ende

Dabei sah es lange so aus, als wäre Judo für den Jungen, der gegenwärtig eine Sport-KV-Lehre absolviert und somit viel Zeit fürs Training hat, nur eine von zwei Sportarten. «Ich habe mich immer fürs Eishockey interessiert. Das Fighten machte mir schon immer grossen Spass. Diese gewisse Aggressivität, die ich auch im Judo ausleben kann, war schon immer ein Teil von mir». Zudem könne er «sehr gut beissen», also dann, wenn der Kampf sich in der Endphase befindet, noch eine Schippe drauflegen. «Ich kämpfe, bis der Kampf fertig ist und kann gegen Ende noch körperliche Reserven freimachen, die ich eigentlich gar nicht mehr habe.»

Auf diese körperlichen Reserven kann er jedoch im Bedarfsfall nur deshalb zurückgreifen, weil er wöchentlich nicht weniger als neun Trainingseinheiten absolviert. «Am Montag gibt’s Judo- und Konditionstraining in Weinfelden, am Dienstag trainiere ich in St. Gallen, am Mittwochabend in Zürich und am Freitagabend im aargauischen Brugg im nationalen Leistungszentrum», zählt Shaun Metzger auf.

Nur am Montagvormittag hat er «frei». Allerdings bedeutet das nicht, dass er dann auf der faulen Haut liegt, sondern nur, dass «kein Judo» auf dem Programm steht. «Dann besuche ich die Schule», sagt Shaun Metzger.

Für den Europacup qualifiziert

Seine ihm angeborene Kämpfernatur führte dazu, dass Shaun Metzger Anfang März 2017 seinen bis dato grössten Erfolg feiern konnte. Gewann er doch in seiner Alters- und Gewichtsklasse (bis 66 Kilo, U18) als Underdog Bronze am internationalen Grand Prix von Genua. Alleine in seiner Kategorie waren 107 Kampfsportler am Start, die «alle ein gewisses Niveau hatten», wie Metzger meint. Zum Vergleich: Bei einem 1000-Turnier in der Schweiz – der höchsten nationalen Kategorie – muss Shaun schon froh sein, wenn 16 Leute in seiner Klasse antreten, so wie das letzte Mal in St. Gallen. «Da kam ich dann relativ locker in den Halbfinal», erinnert sich der Neukircher. Ganz anders waren die Voraussetzungen in Genua. Um Bronze zu holen, waren nicht weniger als acht Kämpfe vonnöten. Damit er stets fokussiert blieb, nahm er jeden Kampf für sich. Einen nach dem anderen. Seine erste Begegnung gewann Metzger mit einem Innenschenkelwurf, während er den zweiten Kampf vorzeitig mit einer Hebeltechnik entschied. Im darauffolgenden Kampf überhörte er die Anweisung des Schiedsrichters bei einem Festhalter, verlor so unglücklich und wurde in die Hoffnungsrunde verbannt. Seine nächsten Kämpfe gewann er alle vorzeitig mit Würgetechnik und sicherte sich so den Einzug in den kleinen Final. Die Bronzeme­daille in Griffnähe, steigerte sich Shaun nochmals und gewann mit einem tollen Schulterwurf. Dank des dritten Schlussrangs wird der Athlet vom nationalen Verband ein Aufgebot für eines der nächsten Europacupturniere erhalten, worüber er sich schon jetzt freut.

Mentale Vorbereitung ist wichtig

Mit der mentalen Vorbereitung fängt Shaun am Abend vor dem Wettkampf an – denn es sind nicht alleine die kräftezehrenden Kämpfe, die Substanz kosten, sondern auch die langen Wartezeiten. «In Genua war es so, dass um acht Uhr morgens unser Wettkampfgewicht gewogen wurde, unser Wettkampf jedoch erst um 16 Uhr begann. Da ist es schon gut, wenn man die Anspannung rechtzeitig runter- und wieder hochfahren kann. Wer dies nicht beherrscht, verschwendet unnötig viel Energie», sagt Shaun Metzger. Dies ist nicht zuletzt dann auch wichtig, wenn im Verlaufe des Turniers das eine oder andere Wehwehchen hinzukommt. «Während eines Kampfes gebe ich alles und spüre die Verletzungen nicht, aber dann zwischen den Kämpfen umso mehr. Für mich sind Schmerzen jedoch ein Zeichen dafür, dass ich jetzt erst recht Gas geben muss.»

Schritt für Schritt nach oben

In welche Richtung («vorwärts») es für ihn gehen soll, weiss Shaun heute schon, doch wie weit ihn intensives Training und unverzichtbares Wettkampfglück einst bringen werden, steht noch in den Sternen. «Klar würde ich gerne mal bei den Grossen an Olympia teilnehmen», lacht er. Doch vorerst gilt es Schritt für Schritt zu gehen, denn «ich werde schon beim Wechsel in die U21-Kategorie erst einmal eine Zeit lang schauen müssen, dass ich mit den erfahrenen Judokas mithalten kann». Eines hingegen kann Shaun Metzger heute schon mit Bestimmtheit sagen: «Aufgeben ist für mich nie eine Option.»