Neues Wasserkraftwerk Tuurau: Umweltverbände beenden Dialog

BISCHOFSZELL. Die Gespräche zwischen der Koch Kraftwerk AG sowie den Umwelt- und Fischereiverbänden sind gescheitert. Zu unterschiedlich waren die Auffassungen über die Ausgestaltung eines neues Thurkraftwerks, mit dessen Planung vor acht Jahren begonnen wurde.

Georg Stelzner
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Bischofszell. Die Gespräche zwischen der Koch Kraftwerk AG sowie den Umwelt- und Fischereiverbänden sind gescheitert. Zu unterschiedlich waren die Auffassungen über die Ausgestaltung eines neues Thurkraftwerks, mit dessen Planung vor acht Jahren begonnen wurde. Es geht um das grösste Wasserkraftwerk im Kanton Thurgau. Es könnte Strom für rund 4500 Haushalte liefern. «Das unverrückbare Festhalten an einer Maximierung der Wasserkraft-Ausbeutung verhindert eine innovative Lösung», erklärt Benjamin Leimgruber von Aqua Viva. Die Gewässerschutzorganisation vertritt in dieser Causa die Umwelt- und Fischereiverbände.

Das Projekt für den Neubau des Wasserkraftwerks Tuurau hat nach Einschätzung von Aqua Viva negative Auswirkungen auf zwei Auengebiete von nationaler Bedeutung. Beeinträchtigt würden auch rund 4,5 Kilometer des Flusslaufes, der über ein hohes ökologisches Potenzial verfüge, lautet die Begründung für die Beendigung des Dialogs.

Nutzung versus Schutz

Leimgruber vermutet, dass sich die Koch Kraftwerk AG von den in Aussicht gestellten Subventionsgeldern leiten lässt. Zwar hätten die Einsprachen der Verbände zu einer geringeren Beeinträchtigung im Staubereich und zu kürzeren Dämmen geführt, doch stünden auch im überarbeiteten Projekt Nutzung und Schutz der Thur in keiner Weise ausgewogen da. «Es ist schade, dass wir den Dialog abbrechen mussten», sagt Leimgruber. «Energiewende heisst nicht, den Fliessgewässern noch mehr Wasser abzugraben als bisher und bereits aufgeschobene Revitalisierungspflichten nun kurzerhand ganz zu beerdigen.» Eine Fortsetzung der Kooperation hätte die Umweltverbände zu Mitbeteiligten an irreversiblen Zerstörungen gemacht.

Projekt überarbeitet

Urs Koch, Verwaltungsrats-präsident der Koch Kraftwerk AG, zeigt sich vom Ende der Gespräche nicht sonderlich überrascht. «Die Atmosphäre war zwar nicht schlecht, doch im Grunde war es nie ein wirklicher Dialog. Vielmehr hat uns die Gegenseite mit einem Forderungskatalog konfrontiert, in dem es keinen Platz für Kompromisse gab», erklärt Koch.

Laut Koch hat das Projekt aufgrund zweier Einsprachen einschneidende Veränderungen erfahren. Diese hätten einen Energieverlust von 5 Prozent zur Folge. Koch gibt zu bedenken, dass der Damm im Auengebiet nun grossteils wegfallen werde und das Stauziel variabel festgelegt werden könne. Auch die Bedingungen für die Fische seien signifikant verbessert worden. Zudem habe man die Dimensionen des Maschinenhauses reduziert. Zur Restwassermenge, einem wesentlichen Streitpunkt, stellt Koch fest: «Das modifizierte Projekt sieht maximal dreimal mehr Restwasser vor als das gesetzliche Minimum.» Er könne nicht verstehen, dass diese Tatsache ignoriert oder bestritten wird.

Urs Koch betont, dass es den Kraftwerkstandort Tuurau bereits seit 150 Jahren gebe, sich nun aber die Gelegenheit bieten würde, die Bedingungen für die Umwelt zu optimieren. Der Verwaltungsratspräsident ist überzeugt, dass das Bauvorhaben in der Bevölkerung Anklang findet. Das neue Projekt werde Ende April beim Kanton eingereicht.

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