Neue Jüngerin Gutenbergs

Gefesselt auf einem Leiterwagen und von Tambouren begleitet wird Corina Brändle auf den Fischmarktplatz gefahren. Ihre Versuche, sich zu wehren, sind zwecklos.

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Bild: Andrea Kern

Bild: Andrea Kern

Gefesselt auf einem Leiterwagen und von Tambouren begleitet wird Corina Brändle auf den Fischmarktplatz gefahren. Ihre Versuche, sich zu wehren, sind zwecklos. Zu viert packen die Männer an, um die frischgebackene Polygraphin zuerst mit Schwämmen mehr oder minder sanft zu benetzen und ihr einen Eimer voll Wasser über den Kopf zu leeren, bevor sie mit Schwung im zwar mit Sonnenblumen dekorierten aber kühlen Brunnenwasser landet.

Nun sind die Sünden der Lehre weggewaschen, und die Jüngerin Gutenbergs, die mit einer Note von 5,5 als schweizweit beste Polygraphin des Jahrgangs abgeschlossen hat, wird vom Gautschmeister als Schwarzkünstlerin in den Gesellenstand aufgenommen. Doch Dankbarkeit ist wohl nicht das wichtigste oder zumindest nicht das einzige, das der jungen Dame durch den Kopf geht.

Mit einem Schwamm bewaffnet steht sie triefend im Brunnen, und wo kurz zuvor noch Schaulustige mit Kameras ausgerüstet das Geschehen für die Nachwelt festhielten, steht plötzlich niemand mehr. Nach einigen kurzen Racheaktionen widmet sie sich doch noch dem Buffet mit Brezeln und Getränken und genehmigt sich ein wohlverdientes Bier. (ak)