Neue Brücke auf wackligen Beinen

MÄRSTETTEN. Seit einem Jahr verbindet eine grosse Holzbrücke den Ruinenhügel Altenburg in Märstetten mit dem Waldstück auf der anderen Seite des Bachs. Gebaut hat sie das Militär. Die Jagdgesellschaft hat Einsprache gegen das Bauwerk erhoben.

Mario Testa
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Die Holzbrücke verbindet den Wald oberhalb von Märstetten mit dem Ruinenhügel Altenburg. Genutzt wird die Brücke derzeit nicht, sie ist am oberen Ende abgesperrt. (Bild: Mario Testa)

Die Holzbrücke verbindet den Wald oberhalb von Märstetten mit dem Ruinenhügel Altenburg. Genutzt wird die Brücke derzeit nicht, sie ist am oberen Ende abgesperrt. (Bild: Mario Testa)

«Es ist eine schöne Brücke, fast ein Kunstwerk», sagt Landwirt Guido Füglistaller. Zur Hälfte steht die Konstruktion auf seinem Grund und Boden am nordöstlichen Rand des Märstetter Gemeindegebiets. «Meines Erachtens ist die Brücke nicht legal erstellt worden – das Vorgehen war nicht korrekt.» Es sei im Vorfeld immer die Rede von einem «Brüggli» über den Bach gewesen als Zugang zur Ruine Altenburg, wie es früher eins gab. «Aber das ist kein Brüggli, das ist ein Viadukt», sagt Füglistaller.

«Die Haftungsfrage, falls mal etwas passiert, ist auch heikel. Grundsätzlich sind ich und die Bürgergemeinde Märstetten als Grundbesitzer haftbar», sagt Füglistaller. Mittlerweile habe er diese Frage geklärt, die Gemeinde sei bereit, die Haftung zu übernehmen. «Trotz allem, es ist einfach nicht sauber gelaufen bei der Bewilligung. Wenn ich als Privatperson einfach baue ohne Bewilligung, dann bekomme ich grosse Probleme – wieso darf sich die Gemeinde dieses Recht einfach so herausnehmen?»

Einsprache gegen den Bau

Gebaut haben die Brücke Pioniere der Armee im Auftrag der Gemeinde Märstetten als Baustellen-Infrastruktur für die Grabungsarbeiten – in dieser Form auch gleich selber bewilligt vom Gemeinderat. Erst als die Brücke schon teilweise gebaut war, reichte die Gemeinde ein Baugesuch nach. Dagegen hat Thomas Ribi, Obmann der Jagdgesellschaft Hugelshofen-Altenklingen, im vergangenen Mai als Vertreter der Jagdgesellschaft Einsprache erhoben. «Die Publikation des Baugesuchs erfolgte im Amtsblatt vom 23. Mai 2014 als Baute ausserhalb der Bauzone. Die Widerlager der Brücke standen zu diesem Zeitpunkt bereits», sagt Ribi. Mit dem Waldgesetz sei das Vorgehen nicht vereinbar. Darin steht: «Bewilligungen für Bauten und Anlagen im Wald dürfen nur mit Zustimmung des Kantons erteilt werden» und «für nichtforstliche Bauten und Anlagen darf die Zustimmung nur erteilt werden, sofern das Gefüge des Waldbestandes nicht beeinträchtigt wird.»

Beide Punkte sieht Ribi mit der Brücke in ihrer jetzigen Dimension verletzt. «Das Gebiet gilt in den Schutzplänen als ruhig. Mit einer solchen Erschliessung der Ruine werden viele Leute angezogen, die den Lebensraum des Wilds stören», sagt Ribi. Er kritisiert das Vorgehen der Gemeinde ebenfalls. «Es ist eine Frage der rechtmässigen Bewilligungsbehörde – das kann einfach nicht die Gemeinde selber sein.» Auch die vom Militär erstellte temporäre Zufahrtsstrasse für die Archäologen auf der anderen Hügelseite ist der Jagdgesellschaft ein Dorn im Auge. «Die Störungen für das Wild sollen möglichst klein gehalten werden. Auch für diese Strasse braucht es eine ordentliche Beurteilung und Bewilligung durch die Fachstellen des Kantons.» Und Guido Füglistaller sagt: «Ich bin gespannt, wie das Baudepartement entscheidet.»

Zeitdruck für die Gemeinde

Bei der Gemeinde Märstetten kümmert sich mittlerweile der ressortverantwortliche Gemeinderat Nathanael Huwiler um die Brücke. «Es stimmt, in der Anfangszeit des Projekts hat es einige Missverständnisse gegeben», sagt er, der damals aber noch nicht im Projektteam war. «Es drängte die Zeit. Das Militär hätte die Brücke ein Jahr später nicht mehr erstellen können und sie sollte vor Beginn der Grabungen stehen.» Deshalb habe die Gemeinde die Brücke in einem ersten Schritt im Sinne einer Baustellen-Installation erstellt und hätte nun während zweier Jahre Zeit gehabt, sie auch für die Zeit danach regulär bewilligen zu lassen. «Sie ist zweckmässig und behindertenfreundlich.»

Die Argumente der Jagdgesellschaft für ihre Einsprache kann Huwiler nicht nachvollziehen. «Über die Brücke werden die Besucher gezielt und sicher zur Ruine geführt – und sie müssen den gleichen Weg zurück- nehmen. Gebe es eine kleine Brücke unten am Bach, könnten die Besucher überallhin laufen, Wald und Wild dadurch viel mehr stören.» Zudem sei es eine explizite Bedingung der Jäger gewesen, die Ruine als Sackgasse zu erschliessen.

Huwiler stört an der Debatte um die Brücke vor allem eines: «Im Vordergrund stehen die Grabungen an der Ruine Altenburg, sie ist ein wahres Juwel aus dem 11. Jahrhundert – weit und breit gab es keine solch stolze Steinburg. Und nun werden diese Arbeiten vom Streit um die Brücke überschattet, das ist schade.»

Nathanael Huwiler Gemeinderat Märstetten Ressort Kultur, Freizeit und Sport (Bild: Mario Testa)

Nathanael Huwiler Gemeinderat Märstetten Ressort Kultur, Freizeit und Sport (Bild: Mario Testa)

Guido Füglistaller Landwirt Märstetten

Guido Füglistaller Landwirt Märstetten

Thomas Ribi Obmann Jagdgesellschaft Hugelshofen-Altenklingen (Bild: pd)

Thomas Ribi Obmann Jagdgesellschaft Hugelshofen-Altenklingen (Bild: pd)