Neubau gerät unter Beschuss

ERLEN. Zunächst kündigt die evangelische Kirchenvorsteherschaft von Erlen die Errichtung eines neuen Pfarrhauses an, dann legt sie das Projekt auf Eis. Zu den Gründen für die Kehrtwendung will sich die Behörde derzeit nicht äussern.

Georg Stelzner
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Dieses Haus an der Poststrasse in Erlen dient derzeit als Unterkunft für den evangelischen Pfarrer und seine Familie. (Bild: Georg Stelzner)

Dieses Haus an der Poststrasse in Erlen dient derzeit als Unterkunft für den evangelischen Pfarrer und seine Familie. (Bild: Georg Stelzner)

ERLEN. «Wir werden bis zur nächsten Kirchgemeindeversammlung eine Kreditvorlage für einen Neubau des Pfarrhauses ausarbeiten», erklärte Thomas Bichsel am 18. November des Vorjahres. Diese Ankündigung machte der Präsident der evangelischen Kirchenvorsteherschaft am Ende jener Versammlung, in deren Verlauf Andreas Haller, der bisherige Verweser, nahezu einstimmig zum neuen Pfarrer von Evangelisch-Erlen gewählt wurde.

«Unvorhersehbare Dinge»

Zwei Monate später tönt es anders. «Wir haben das Projekt bis auf weiteres auf Eis gelegt», erklärt Thomas Bichsel. Es müssten noch einige Punkte geklärt werden. Um welche es sich dabei konkret handelt, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. «Wir werden aber sicherlich informieren, sobald dies möglich ist», verspricht er. Bichsel verrät zumindest, dass die Kirchenvorsteherschaft mit dem Kirchenrat Gespräche führe.

Einen Zusammenhang mit Kritik am geplanten Bauvorhaben, wie sie zuletzt geäussert wurde, verneint der Kirchenpräsident. Er spricht von «anderen unvorhersehbaren Dingen», die eine Verschiebung nötig gemacht hätten. Dass das Projekt nicht auf ungeteilte Zustimmung stösst, sei der Kirchenvorsteherschaft bekannt, sagt Bichsel. Er bedauere jedoch, dass die Gegner nicht das persönliche Gespräch mit ihm suchten.

Haus in Zukunft zu gross?

Ein Kritiker, der anonym bleiben möchte, dessen Name der Redaktion jedoch bekannt ist, gibt zu bedenken, dass die heutige Situation im Pfarrhaus voraussehbar gewesen sei. Der verärgerte Kirchbürger schlägt Pfarrer Haller vor, eine angemessen grosse Wohnung zu mieten. Kritisch hinterfragt wird die Absicht, ein neues Pfarrhaus für eine siebenköpfige Familie zu bauen. Ein solches wäre innert absehbarer Zeit wieder zu gross, lautet der Einwand. Es sei ja möglich, dass dereinst ein anderer Pfarrer mit einer kleineren Familie einziehen werde. Das heutige Pfarrhaus zu verkaufen, um mit dem Erlös ein neues zu finanzieren, stellt einen weiteren Kritikpunkt dar. Das wäre nicht im Interesse der Kirchgemeinde, wird argumentiert, zumal das Einfamilienhaus erst vor nicht allzu langer Zeit genau für Pfarrer Haller renoviert worden sei. Für den Standort an der Poststrasse spreche zudem die Nähe zur Kirche und zum Kirchgemeindehaus.

Der Kirchenpräsident weist in seiner Replik darauf hin, dass es in Erlen derzeit keine grossen Wohnungen oder Häuser zu mieten oder zu kaufen gebe. Die Kirchgemeinde sei verpflichtet, ihrem Pfarrer gegen Entrichtung eines Mietzinses eine zumutbare Wohnung zur Verfügung zu stellen. Bichsel räumt ein, dass es Pfarrfamilien gebe, die sich ein eigenes Haus bauen oder eine Wohnung kaufen. «Dazu verpflichtet werden kann ein Pfarrer aber nicht.»

Nur eine Dusche eingebaut

Die unterschiedliche Grösse von Pfarrfamilien spiele bei den Bemühungen um eine Lösung des Problems sehr wohl eine Rolle, betont Bichsel. Der Kirchenpräsident legt auch Wert auf die Feststellung, dass das heutige Pfarrhaus vor zweieinhalb Jahren nicht renoviert worden sei. Die damaligen Arbeiten hätten nur den Einbau einer Dusche als zweite Nasszelle, das Streichen eines Zimmers sowie die Ersetzung eines Teppichs umfasst. Solche Anpassungen seien bei einem Mieterwechsel üblich, stellt Bichsel fest.

Thomas Bichsel, evangelischer Kirchenpräsident Erlen. (Archivbild: rst)

Thomas Bichsel, evangelischer Kirchenpräsident Erlen. (Archivbild: rst)

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