Nein zu Zonenplanänderung verhindert Holzkraftwerk

Die Axpo Holz + Energie AG ist mit ihrem Versuch, im Sittertal ein Holzkraftwerk zu errichten, vorerst gescheitert. Die Stimmbürger lehnten die erforderliche Änderung des Zonenplans wuchtig ab.

Georg Stelzner
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Nach der Ablehnung der Zonenplanänderung wird der Blick vom Letten-Quartier auf die Bischofszeller Altstadt nicht beeinträchtigt. (Bild: Bildmontage: pd)

Nach der Ablehnung der Zonenplanänderung wird der Blick vom Letten-Quartier auf die Bischofszeller Altstadt nicht beeinträchtigt. (Bild: Bildmontage: pd)

BISCHOFSZELL. Das Verdikt lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bei einer Stimmbeteiligung von 58,9 Prozent erteilten die Stimmberechtigten der Zonenplanänderung Sulgerstrasse, die Voraussetzung für den Bau des Holzkraftwerks gewesen wäre, eine Absage. Der Antrag des Stadtrates wurde mit 1190 Nein- zu 796 Ja-Stimmen abgelehnt.

Axpo gibt noch nicht auf

«Wir nehmen das Resultat zur Kenntnis, werden es analysieren und uns die weiteren Schritte überlegen», sagte Axpo-Mediensprecherin Daniela Biedermann.

Ihr Unternehmen habe sich nichts vorzuwerfen. «Wir haben über unsere Absichten laufend informiert und auch mit den Gegnern den Dialog gesucht.» Laut Biedermann ist die Axpo nicht gewillt, die Flinte bereits ins Korn zu werfen. «Bischofszell ist ein sehr guter Standort. Es gibt nicht viele vergleichbare in der Schweiz. Wir werden uns daher ansehen, was zur klaren Ablehnung geführt hat und die entsprechenden Schlüsse ziehen.» Bis wann das geschehen wird, konnte die Mediensprecherin gestern noch nicht sagen.

Abschreckende Wirkung?

Von der Deutlichkeit des Abstimmungsergebnisses zeigte sich auch Stadtammann Josef Mattle überrascht. Er glaubt, dass viele, die schon unter Immissionen von Industriebetrieben gelitten haben, sich mit den Bewohnern des Letten-Quartiers solidarisierten. So seien die sachlichen Argumente für eine nachhaltige Energieversorgung und den Ersatz fossiler Brennstoffe in einem emotional aufgeladenen Abstimmungskampf untergegangen. Mattle stellte aber auch klar: «Das Ergebnis ist als demokratischer Entscheid zu akzeptieren.

» Negative Auswirkungen auf andere Projekte wollte der Stadtammann jedoch nicht ausschliessen. «Es wird sicher Investoren geben, die dieses Nein als Dämpfer für ihre eigenen Vorhaben empfinden.»

Konsterniert reagierte Daniel Hauri, Präsident des Handels- und Industrievereins Bischofszell, auf das Nein zur Zonenplanänderung Sulgerstrasse.

«Die Stimmbürger haben nicht erkannt, dass es Gesamtinteressen gibt, die über Partikularinteressen zu stellen sind.» Das Holzkraftwerk, so Hauri, wäre für den Wohnort und den Arbeitsplatz Bischofszell zukunftweisend und aus ökonomischer wie ökologischer Sicht ein Gewinn gewesen. Hauri befürchtet, dass sich die Stadt als Industriestandort ins Abseits gestellt hat. «Bischofszell hat eine grosse Chance leichtsinnig vertan.»

Dank für Solidarität

Naturgemäss vollauf zufrieden äusserte sich Peter Bätscher, Präsident des Quartiervereins Sittertal und Mitglied des Aktionskomitees gegen die Zonenplanänderung Sulgerstrasse. «Wir haben uns eine Strategie zurechtgelegt und diese konsequent verfolgt», glaubt er einen Hauptgrund für den Erfolg seines Lagers zu kennen. Wissend, dass man es allein aber nicht geschafft hätte, dankte Bätscher den Stimmbürgern für die Solidarität.

«Bischofszell wird auch ohne dieses Holzkraftwerk seinen Weg machen», beruhigte er und betonte, dass «wir Sittertaler nicht gegen erneuerbare Energie sind, es aber keinen Sinn macht, Holz über derart weite Distanzen zu transportieren, wie das hier der Fall gewesen wäre».

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