Naturstrom oder nicht?

ARBON. Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander – auch in der Energieversorgung. Das hat der Informationsabend der Stadt Arbon gezeigt.

Martin Sinzig
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Unterhalten sich am Rande des Infoabends: Silvan Kieber, Geschäftsführer der Arbon Energie AG, Stadtammann Andreas Balg, Christian Keller, Leiter Finanzen/Administration bei der Arbon Energie AG, und Stadtrat Reto Stäheli. (Bild: Martin Sinzig)

Unterhalten sich am Rande des Infoabends: Silvan Kieber, Geschäftsführer der Arbon Energie AG, Stadtammann Andreas Balg, Christian Keller, Leiter Finanzen/Administration bei der Arbon Energie AG, und Stadtrat Reto Stäheli. (Bild: Martin Sinzig)

Etwa 30 interessierte Personen, darunter vor allem Arboner Parlamentarier, Stadträte sowie Vertreter der Energiebranche haben sich am Donnerstag in der Lagerhalle der Arbon Energie AG an der Schöntalstrasse getroffen, um aktuelle Energiefragen zu diskutieren und sich auszutauschen.

Als Energiestadt punkten

Zum Auftakt nahm Stadtammann Andreas Balg eine Auslegeordnung vor. Er verwies insbesondere auf alle Institutionen, die in Arbon mit Ver- und Entsorgungsaufgaben betraut sind. Im Energiebereich seien eine sichere Versorgung, die lokale Wertschöpfung, eine umweltfreundliche Erzeugung sowie kostengünstige Angebote die wichtigsten Grundsätze.

Weil der Kanton Thurgau umfangreiche Fördermassnahmen leiste, konzentriere sich die Stadt auf ergänzende Themen, zum Beispiel auf die Verdichtung des Angebots im öffentlichen Verkehr oder auf die Koordination von Energie- und Wärmelieferanten. Besonders die Erarbeitung eines Energiebestandsplans soll die Energiestadt Arbon weiterbringen.

Stromausfall gab zu reden

In Gang kam die Diskussion vor allem nach dem Vortrag von Silvan Kieber, dem neuen Geschäftsführer der Arbon Energie AG. Angesprochen auf den jüngsten Stromausfall, der zahlreiche Industriebetriebe stundenlang lahmgelegt hatte, versicherte Kieber, Arbon verfüge trotz dieses Vorfalls über ein zuverlässiges Netz.

Im vierten Versorgungsring, wo der Kurzschluss erfolgte, befänden sich viele Anlagenteile im Besitz der Industrie selber. Diese Anlagen seien von den Behörden abgenommen und entsprächen dem Schweizer Standard.

Investitionsbedarf

Die Arbon Energie AG habe dennoch auf den Investitionsbedarf hingewiesen. Der Stromausfall sei vor diesem Hintergrund eine Chance, die Modernisierung zusammen mit den Besitzern der Anlagen voranzutreiben. Gespräche hätten bereits stattgefunden. Ein weiterer Fragesteller wollte wissen, wie gut die Arboner Energieversorgung für die bevorstehende Strommarktliberalisierung gerüstet und ob sie nicht zu atomfreundlich aufgestellt sei.

Noch wenig Naturstrom

97 Prozent der Strombezüger der Privathaushalte bezögen einen Mix aus Kernenergie, Wasser und Importstrom, sagte Kieber. Das zertifizierte Naturstromprodukt «1 to1 energy easy nature» hingegen werde kaum verlangt, trotz des geringen Aufpreises von 1 Rappen pro Kilowattstunde.