National rechts, kommunal links

KREUZLINGEN. Die stärkste Partei in Kreuzlingen ist entweder die SP oder die SVP. Das ändert sich, je nachdem ob lokal oder eidgenössisch gewählt wird. Das zeigt ein Vergleich der Nationalratswahlen mit den Gemeinderatswahlen.

Urs Brüschweiler
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Die SVP hatte es zuletzt schwer in Kreuzlingen. Denn in der Stadt sind die Sozialdemokraten die Hausmacht in der Politik. Zumindest waren sie bei den letzten Gemeinderatswahlen im vergangenen Frühling die wählerstärkste Partei. Ein Viertel aller Stimmen entfiel auf ihre Kandidaten, sie überholten die Schweizerische Volkspartei, welche knapp 20 Prozent Anteil für sich verbuchen konnte. Bei den Nationalratswahlen ein halbes Jahr später sieht der Vergleich der beiden Polparteien in der Stadt plötzlich ganz anders aus. Satte 28 Prozent erreicht die SVP und weist gegenüber der SP einen stolzen Vorsprung von neun Prozent aus.

Ein altbekanntes Phänomen

Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt, dieser frappante Unterschied zwischen kommunalen und eidgenössischen Wahlen hat System. 2011 erreichte die SVP bei den Nationalratswahlen stolze 31 Prozent Wähleranteil, die SP lag mit ihren 20 Prozent damals deutlich im Hintertreffen. Bei den Gemeinderatswahlen vor vier Jahren lag die SP aber nur zwei Prozent hinter der SVP. Es zeigt sich also deutlich: Auf kommunaler Ebene schneiden die Sozialdemokraten jeweils deutlich besser ab als auf nationaler. Und bei der SVP ist es genau umgekehrt.

Mehr Wähler sind gut für die SVP

Bezogen auf die Ergebnisse des aktuellen Wahljahres lassen sich einige Erklärungsversuche ausmachen. Bei den Nationalratswahlen liegt die Stimmbeteiligung in der Stadt Kreuzlingen regelmässig deutlich höher als bei den Gemeinderatswahlen. Vor vier Jahren betrug der Unterschied fast 15 Prozent, und dieses Mal auch wieder elf Prozent. Der nationale Wahlkampf mobilisiert also markant mehr Wähler in Kreuzlingen als der kommunale, und die SVP profitiert davon enorm.

Starke FDP und EVP in der Stadt

Natürlich stehen die SVP und die SP (die Jungparteien sind immer inbegriffen) nicht alleine in der Landschaft. Auf nationaler Ebene erhalten die Sozialdemokraten Konkurrenz von den Grünen und wohl auch von den Grünliberalen, welche auf kommunaler Ebene gar nicht existieren. Hier gibt es dafür die Freie Liste, welche eine ähnliche Bedeutung einnimmt. Die Analyse zeigt weiter, dass vor allem die FDP und die EVP in der städtischen Politik deutlich mehr Gewicht haben, als sie Wähleranteil in Kreuzlingen bei den nationalen Wahlen generieren. Und dies geht zulasten der SVP.