«Nächstes Mal laden wir ein»

Islamkritiker haben am Samstag den Vortrag des Imams Nabeel Ahmed im evangelischen Kirchgemeindehaus verhindert. Er musste ausweichen.

Mario Testa
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Helmut Wiegisser Präsident Evangelische Kirchgemeinde Weinfelden (Archivbild: Esther Simon)

Helmut Wiegisser Präsident Evangelische Kirchgemeinde Weinfelden (Archivbild: Esther Simon)

WEINFELDEN. «Ich muss akzeptieren, dass unter einigen Kirchbürgern Ängste gegenüber dem Islam vorhanden sind», sagt Helmut Wiegisser. Der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Weinfelden hatte der islamischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat erlaubt, einen Informationsabend über den Islam im Kirchgemeindehaus durchzuführen. Darauf meldeten sich bei ihm mehrere Kirchbürger und drohten mit einem Sitzstreik, sollten die moslemischen Imame wirklich im Kirchgemeindehaus sprechen. «Ich wollte es nicht so weit kommen und es nicht eskalieren lassen. Deshalb wurde der Informationsabend ins Restaurant Frohsinn verlegt», sagt Wiegisser.

Vorurteile abbauen

Imam Nabeel Ahmed sprach am Samstagabend im «Frohsinn» über den eigentlich friedlichen Islam und dass auch ihm das brutale Vorgehen radikaler Islamisten Angst mache (die Thurgauer Zeitung berichtete). «Der Anlass war sehr bereichernd und aufschlussreich», sagt Wiegisser. «Ich konnte mit vielen Vorurteilen aufräumen.» Schade sei, dass von all den Kirchbürgern, die sich gegen die Durchführung des Informationsabends im Kirchgemeindehaus gewehrt hatten, keiner am Anlass teilnahm.

Grundsätzlich stehe es jedermann offen, das evangelische Kirchgemeindehaus für Anlässe zu mieten. «Solange es friedvolle Anlässe sind, spielt für mich die Religion der Veranstalter keine Rolle. Egal, ob Christen, Hindus oder Moslems», sagt Wiegisser. «Radikale Gruppierungen oder Hasspredigten lassen wir aber nicht zu. Aber das würde auch für radikale Christen gelten.»

Ein anderes Vorgehen

Den angedrohten Sitzstreik werde er sicherlich an Sitzungen der Kirchbehörde thematisieren. «Es ist nicht gut, wenn wir uns erpressen lassen», sagt Wiegisser. «Aber wir müssen auch mit Vernunft handeln. Wenn Ängste und Sorgen da sind, müssen wir sie ernst nehmen.» Zwischen den Kirchbürgern, die mit dem Sitzstreik drohten, und ihm habe ein reger Telefon- und Mailverkehr geherrscht. Er habe ihnen zum Schluss auch den Standortwechsel für den Informationsabend mitgeteilt. Grundsätzlich findet es Wiegisser sehr wichtig, dass durch Information Vorurteile und Ängste abgebaut werden. «Deshalb würde ich ein weiteres Gespräch mit einem Imam begrüssen, dann auch in unseren Räumen. Aber wir müssen den Anlass selber durchführen und einen Imam dazu einladen.»

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