Nachgefragt

«Kein Platz für Sentimentalitäten» Die SBB wollen der Gemeinde nicht das ganze Güterschuppenareal abtreten (Tagblatt vom Mittwoch). Gemeindeammann Norbert Senn mit einer Einschätzung.

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Norbert Senn Gemeindeammann

Norbert Senn Gemeindeammann

«Kein Platz für Sentimentalitäten»

Die SBB wollen der Gemeinde nicht das ganze Güterschuppenareal abtreten (Tagblatt vom Mittwoch). Gemeindeammann Norbert Senn mit einer Einschätzung.

Herr Senn, für die SBB kommt es nicht in Frage, Abstand von den Planungen auf dem Güterschuppenareal zu nehmen. Das dürfte für den Gemeinderat kaum eine Überraschung sein…

Der Verkauf des Zollhauses mit dem Fähreplatz und der Bodenseeschifffahrt hat klar vor Augen geführt, dass die SBB nach streng betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden. Sentimentalitäten haben keinen Platz. Der Gemeinderat hat sich den Herausforderungen gestellt: Wir sind bei den SBB vorstellig geworden und konnten unsere Interessen bis zu einem gewissen Punkt einbringen.

Wir konnten für die Gemeinde das Land beim Skaterplatz und den Landanteil für den vorgesehenen Saalbau sichern. Zusätzlich könnte jetzt auch ein zehn Meter breiter Streifen dem Ufer entlang bis zum Zollhaus von den SBB erworben werden. Der Kanton ist auf unser Gesuch hin sogar bereit, diese Landkäufe finanziell zu unterstützen.

Er verlangt, dass die Gemeinde eine grundbuchamtlich gesicherte Dienstbarkeit errichtet, welche die öffentliche Zugänglichkeit des Ufers dauernd sichert. Zudem hat er einen Beitrag an den Bau der Uferpromenade in Aussicht gestellt. Es gilt zu bedenken, dass die SBB in einem lang andauernden planungsrechtlichen Vertragsverhältnis mit der HRS stehen. Aus diesen Überlegungen heraus habe ich Verständnis, dass ein Abbruch des Verfahrens für die SBB nicht in Frage kommt.

Gilt also bei der Saalabstimmung: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach?

Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken: Das Güterschuppenareal gehört den SBB. Diese haben mit der HRS einen lang andauernden planungsrechtlichen Vertrag abgeschlossen. Die Gemeinde ist eigentlich erst 2005 mit der Idee des Saals als dritte Partei dazugestossen.

Wenn ich mir vorstelle, dass das HRS-Gebäude beim ersten Projekt bis vier Meter an die Hafenmauer gekommen wäre, dann haben wir jetzt mit dem zehn Meter breiten Streifen für die Öffentlichkeit und einem Gebäudeabstand von 14,5 Metern zum Ufer schon viel erreicht. Wir haben ein gutes, durchdachtes Saalprojekt, das ein attraktives Restaurant mit Aussenbereich direkt am Hafen beinhaltet. Deshalb bin ich sogar der Meinung, dass wir damit «die Hand nach der Taube auf dem Dach ausstrecken».

Hat die IG Hafengestaltung der Gemeinde bereits signalisiert, ob sie die Haltung der SBB akzeptiert oder eine Initiative lancieren wird?

Die Gespräche haben gezeigt, dass der direkte Kontakt sehr wertvoll war, von allen Beteiligten als nützlich eingeschätzt wurde und auch nach einem ersten Entscheid im Einspracheverfahren weitergeführt werden soll. Mehr kann ich von Seiten der Gemeinde dazu nicht sagen. (dwa)

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