Nachbarliche Rücksicht ist Pflicht

ARBON. Die Konfliktherde zwischen Nachbarn sind zahlreich. Oft wird ein Richter oder der Hauseigentümerverband um ein Urteil gebeten. Der HEV Arbon zeigte in einem Referat auf, wie den Streitigkeiten am besten vorzubeugen wäre.

Hedy Züger
Merken
Drucken
Teilen
Verfeindete Nachbarn grenzen sich oft ab, statt eine klärende Diskussion zu suchen. (Bild: fotolia)

Verfeindete Nachbarn grenzen sich oft ab, statt eine klärende Diskussion zu suchen. (Bild: fotolia)

Weil ihm laufend nachbarschaftliche Differenzen vorgelegt werden, holte der HEV Arbon den Juristen des Verbandes, Thomas Oberle, für ein Referat zum Thema Nachbarrecht nach Arbon. «Ein schönes Thema», sagte Oberle, es gebe jedoch viele Gründe, über den Nachbarn verärgert zu sein. Beziehungen seien aber nicht mit der Autobahn vergleichbar, wo genaue Messdaten vorliegen.

Diskussion statt Prozess

Wohin sich wenden, wenn ein Konflikt schwelt? Der Schweizer gehe nicht gern zum Richter, die Deutschen seien prozessfreudiger. Was sonst? «Alles wäre nur halb so wild, wenn wir gelernt hätten, miteinander zu reden», betonte der Referent wiederholt, reden koste weniger als Prozesse zu führen. Dafür die nötigen Beweise zu erbringen, sei oft schwierig, manche Immissionen könne man gar nicht messen, da sei die Aussage von Mitbetroffenen hilfreich.

Unbefriedigend ist nach den Worten des HEV-Mitarbeiters manche Thurgauer Regelung, wie zum Beispiel der Grenzabstand bei hohen Bäumen – die halbe Höhe bedeutet der minimale Abstand – oder die aufgehobenen Verjährungsfristen: Nachbarn können jederzeit das Fällen zu grenznaher Bäume verlangen. Teilweise fehlen die Reglemente aber ganz.

Veralbern verboten

Im Frageteil wurden persönliche Erfahrungen aufgeworfen. Jemand brachte Bäume im Grenzbereich Landwirtschaft und Einfamilienhauszone zur Sprache. Oberle wird die Sache prüfen, meinte aber generell, der Friede sei wichtiger als ein gefällter Baum. Oft schlage eine unterlegene Nachbarschaft irgendwann zurück. Er wies auch auf «Verbotenes» hin: Filmen des Nachbargrundstücks, Aufstellen verächtlich machender Figuren; Katzen in Falle locken und abduschen. Bei Stockwerkeigentum sind in der Sondernutzung eigene Regeln gültig, der Wille der Eigentümergemeinschaft gilt. Zum kommenden Busbahnhof äusserte sich ein Anstösser, der um eine Wertverminderung seines Anwesens und Lärmimmissionen (rund 300 Busse täglich) fürchtet. Zu Wohnrecht und Dienstbarkeit wurden weitere Fragen gestellt.

Regelungen fehlen

Der Stadtrat habe ein Reglement «Sicherheit und Ordnung» erarbeitet, das bereits die Vernehmlassung durchlaufen habe, sagte Vizestadtammann Patrick Hug zum Thema Nachbarrecht. Regelungen über die Mittags- und Nachtruhezeiten sowie Feste hinaus fehlten bisher. In Winterthur könne Feuerwerk nur an zwei Tagen, an Silvester und am 1. August, abgebrannt werden, führte der Jurist aus.

Immer Rücksicht nehmen

Zur Kenntnisnahme empfahl Thomas Oberle das arabische Sprichwort: «Ehe du ein Haus kaufst, erkundige dich nach den Nachbarn.»

Egal ob Kauf oder Miete: Es gelte stets die nachbarliche Rücksichtspflicht, sagt er.