Nach Konfessionen getrennt

Die Kreuzlinger Katholiken und Reformierten feiern den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag nicht mehr gemeinsam. In der evangelischen Kirchgemeinde verstehen das viele nicht.

Nicole D'orazio
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Damian Brot Evangelischer Pfarrer Kreuzlingen (Bild: Archivbld: Reto Martin)

Damian Brot Evangelischer Pfarrer Kreuzlingen (Bild: Archivbld: Reto Martin)

KREUZLINGEN. In Kreuzlingen wurde der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag jahrelang von Katholiken und Reformierten gemeinsam gefeiert. Morgen ist dies nicht der Fall, bereits zum zweitenmal. Auf der Kreuzlinger Seite im aktuellen «Kirchenboten», dem Mitteilungsblatt der evangelischen Landeskirche Thurgau, greift Damian Brot das Thema auf. Der evangelische Pfarrer aus Kreuzlingen bedauert es, dass kein ökumenischer Gottesdienst mehr stattfindet.

«Die Kirchenordnung der Evangelischen Landeskirche Thurgau schreibt am Bettag die Feier des Abendmahls in der Regel vor. Nach katholischem Kirchenrecht ist eine Ökumene als eucharistische Gemeinschaft aber verboten. Darum kann der Gottesdienst am Bettag nicht gemeinsam stattfinden», schreibt Brot. Viele katholische Pfarreien gingen aber mit den Vorschriften flexibel um und würden diese der konkreten pastoralen Situation anpassen. «In der Gestaltung des ökumenischen Miteinanders mit der katholischen Pfarrei St. Ulrich ist dies aber gegenwärtig nicht möglich.»

Strikt nach katholischem Recht

Brot meint damit Pfarradministrator Alois Jehle, der seit über einem Jahr der Pfarrei St. Ulrich vorsteht. «Er ist nicht gegen die Ökumene allgemein, aber er handelt strikt nach den katholisch-rechtlichen Vorschriften», sagt Brot. «So ist es nicht möglich, dass sich die zwei Gemeinden gegenseitig zu ihren Gottesdiensten, an denen das Abendmahl oder Eucharistie gefeiert werden, einladen.» Früher sei das problemlos gegangen. Viele evangelische Gemeindemitglieder würden das bedauern.

Traurig und verständnislos

Dem stimmt Andrea Stüven, seit 1999 evangelische Pfarrerin in Kreuzlingen, zu: «Viele Gemeindemitglieder fragen, warum wir nicht mehr gemeinsam feiern, da dies doch jahrelang möglich war.» Viele seien darüber traurig und reagierten verständnislos. Auch die Mitglieder der zwei Kirchenchöre seien enttäuscht, nicht mehr zusammen singen zu können. «Es haben sich über die Jahre Beziehungen und Freundschaften entwickelt.»

Mit Jehles Vorgängern, Diakon Matthias Loretan und Pfarrer Thomas Müller, hatte man in gegenseitiger Wertschätzung der jeweils anderen Tradition gemeinsam gefeiert. «Es war so, dass die Kirchgemeinden sich abwechslungsweise zu den Gottesdiensten einluden», sagt Stüven. Dabei habe man auch im Wechsel am Abendmahl und der Kommunion teilgenommen. Danach hatten alle zusammen Suppe gegessen.

Es stimme allerdings, dass nach katholischem Kirchenrecht die Eucharistiefeier keine ökumenische Sache sei, fügt Stüven an. «Dass Alois Jehle dem strikte folgt, müssen wir respektieren. Es ist einfach schade, dass wir als Christen nicht aufeinander zugehen und gemeinsam feiern können.»

Zu Wortgottesdienst bereit

Alois Jehle ist über die Enttäuschung und das Vorgehen seiner evangelischen Berufskollegen überrascht. «Laut meinen Mitarbeitern haben die beiden Kirchen am Bettag jeweils einen gemeinsamen Wortgottesdienst mit gesegnetem Agape-Brot und Trauben gefeiert. Das war keine Eucharistiefeier», sagt er. «Ich wäre gerne bereit gewesen, diese Tradition weiterzuführen.» Warum das nicht gehe, verstehe er auch nicht. «Die sonntägliche Eucharistiefeier in St. Ulrich hätte ich dafür auf den Morgen oder Abend verschoben. Das wäre ein grosses Entgegenkommen.»

Dass er im «Kirchenboten» mit der Aussage, andere katholische Pfarrer gingen mit den kirchlichen Vorgaben flexibler um, sozusagen zum Ungehorsam gegenüber seinem Bischof und der katholischen Kirche aufgefordert werde, finde er nicht nett. «Ich verlange das von anderen ja auch nicht», sagt Jehle. «Aber jeder darf seine Meinung haben.»

Verschiedene Auffassungen

Die Ökumene findet Jehle wichtig. Er sieht jedoch eine Problematik in den unterschiedlichen Auffassungen der zwei Konfessionen. Die Katholiken sähen die Ökumene als Weg zur Einheit im Glauben, die Reformierten würden gerne trotz aller Glaubensunterschiede alles gemeinsam machen. «Doch das klappt in gewissen Dingen nicht. Für uns wird in der Eucharistie die Opfergabe von Brot und Wein zum Leib und zum Blut Christi. Bei den Reformierten stellt diese ein Symbol dar.» Das passe nicht zusammen. «Deswegen sollten wir doch das gemeinsam feiern, was möglich ist», sagt er.

Andrea Stüven ist über Jehles Vorschlag mit dem Wortgottesdienst mit Brot und Trauben überrascht. «Darüber haben wir nie diskutiert.»

Andrea Stüven Evangelische Pfarrerin Kreuzlingen (Bild: pd)

Andrea Stüven Evangelische Pfarrerin Kreuzlingen (Bild: pd)

Alois Jehle Katholischer Pfarradministrator St. Ulrich Kreuzlingen (Archivbild: Reto Martin)

Alois Jehle Katholischer Pfarradministrator St. Ulrich Kreuzlingen (Archivbild: Reto Martin)