Nach Amriswil statt in die Alpen

AMRISWIL. Eine mobile Alphütte bringt alpines Gefühl nach Amriswil. Betrieben wird sie von den Siebenschläfern unter der Leitung von Pius Angehrn. Gefertigt ist der Bau aus echtem Altholz. Ab Donnerstag ist die Hütte in Betrieb.

Rita Kohn
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Leitungsteam Ursi Kiener, Andreas Beurer und Pius Angehrn in der neuen Hütte, die als Siebenschläfer-Alp betrieben wird. (Bild: Rita Kohn)

Leitungsteam Ursi Kiener, Andreas Beurer und Pius Angehrn in der neuen Hütte, die als Siebenschläfer-Alp betrieben wird. (Bild: Rita Kohn)

Vorher war es ein Regenwasserbecken. Nun steht darauf eine Alphütte. Die Fläche hinter dem Landi-Markt in Amriswil wird für die nächsten eineinhalb Jahre – so lange läuft die Baubewilligung – Standort für ein Erlebnis sein, das die meisten mit Wandern in den Bergen verbinden.

«Ich habe immer davon geträumt, eine Alphütte zu bewirtschaften», sagt Pius Angehrn. Der Amriswiler, der mit der Siebenschläferparty und der daraus entstandenen Siebenschläferbar eine Tradition geschaffen hat, wollte mit einer Alphütte die Wintermonate überbrücken, in denen kaum Events stattfinden. Die Erfahrungen waren aber ernüchternd. «Es war nicht möglich, eine passende Hütte zu pachten», sagt er.

Lange darüber nachgedacht

Er habe lange darüber nachgedacht, wie er seinen Traum doch noch in Realität umsetzen könne, erklärt Pius Angehrn. Entstanden sind daraus die Pläne für eine eigene, mobile Alphütte, die jedoch nicht vornehmlich in den Bergen steht, sondern im Flachland. «Das Wesentliche dabei ist aber, dass diese Atmosphäre trotzdem rübergebracht werden kann.» Das sei nicht möglich, wenn etwas nur vordergründig gestylt werde.

Von vordergründig ist die Alp in Amriswil weit entfernt. Wer zur Türklinke greift, um in das schmucke Holzhaus einzutreten, wird ein erstes Mal stutzen. Zweckmässig urig ist die Klinke, die den Eintritt in eine andere Welt möglich macht. Nichts anderes würde man bei einer echten Alphütte erwarten.

Die Details müssen stimmen

Was bei der Klinke beginnt, setzt sich im Inneren der Alp fort. Das Betreten der Hütte wird zu einem Spaziergang in eine andere Welt. Holzböden, einfache Holztische und Bänke und vor allem eine bemerkenswerte Weite erwartet die Besucher. Bis zu 180 Sitzplätze bietet die Alphütte. Genug, um auch grösseren Gruppen Platz zu bieten.

«Weil ich nicht wollte, dass es wie ein billiger Nachbau wirkt, habe ich mich nach jemandem umgesehen, der mir wirklich das liefern konnte, was ich mir vorstellte», erklärt Pius Angehrn. Wichtig sei ihm etwa gewesen, dass die Alp aus Altholz hergestellt ist und auch entsprechend danach riecht. «Wir hatten mehrere Angebote für einen Elementbau», sagt Angehrn. Gesucht habe er aber nach einem Modulbau.

Jedes Element ist beschriftet

Zwei Tage braucht die Crew, um die Alphütte, die aus zwei Bereichen von je zehn mal zehn Metern besteht, auf- oder abzubauen. Jedes einzelne Element ist numeriert. «Gegenüber dem Elementbau hat diese Form den Vorteil, dass wir die Alp auch in unwegsamerem Gelände aufstellen können.» Es brauche weder einen Kran noch müsse man mit einem LKW zufahren können. Zur Not könne Brett für Brett an die richtige Stelle getragen werden. «Das gibt uns viel mehr Spielraum», sagt Pius Angehrn.

Falsch zusammensetzen lässt sich die Hütte nicht. «Die einzelnen Teile sind so gearbeitet, dass sie nur an einer einzigen Stelle wirklich passen. So ist gewährleistet, dass immer alles stimmt.» Aber das sei auch der Grund, weshalb die Alp so teuer geworden sei. «Es musste alles in Handarbeit hergestellt werden.»

Eine Herausforderung

Die Mobilität der Alphütte ist für Pius Angehrn und sein Team ein wichtiges Merkmal. Allerdings sei geplant, die Hütte bis März 2016 nun hinter dem Landi-Markt stehen zu lassen. So lange läuft die Bewilligung, die die Siebenschläfer nach längeren Abklärungen erhalten haben. «Unser Gesuch stellte für die Behörden eine rechte Herausforderung dar», sagt Pius Angehrn. Denn obwohl die Hütte aus Brettern und Balken zusammengesetzt ist, stellt sie keine feste Baute dar. «Um eine Baubewilligung zu erteilen, musste jede einzelne Behörde zuerst mal abklären, unter welches Gesetz unsere Hütte fällt.»

Findet das Konzept mit der Alp Anklang, denkt Pius Angehrn laut darüber nach, ein weiteres Modul anzuschaffen, das dann vor allem für kurzzeitige Auftritte genutzt werden kann. Doch zunächst wolle man nun die Akzeptanz abklären. «Die Feuerprobe an der Wega in Weinfelden hat die Hütte auf jeden Fall gut gemeistert», sagt Pius Angehrn.