Musikalische Reise in fremde Länder

Spanien, Russland, Israel und Afrika: Schüler des Schulhauses Hoffnungsgut luden mit ihrem Musicalprojekt zu einer Reise um die Welt ein – in Länder, aus denen ihre Gspänli herkommen.

Werner Lenzin
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Drei Schülerinnen tragen russische Volksweisen vor. (Bild: Werner Lenzin)

Drei Schülerinnen tragen russische Volksweisen vor. (Bild: Werner Lenzin)

BISCHOFSZELL. «Ursprünglich wählten wir insbesondere Lieder aus den Ländern, aus welchen die Kinder in unseren Klassen stammen», bringen die beiden verantwortlichen Lehrerinnen Christina Gerber und Ilona Tekin vom Schulhaus Hoffnungsgut zum Ausdruck. Dazu gesellten sich einige Lieder, welche die Klassen im Musikunterricht bereits gelernt hatten. «Wir merkten früh, dass uns ein roter Faden fehlte, und so beschlossen wir Szenen einzubauen», ergänzt Ilona Tekin. Eine kleine Gruppe von Schülern packte diese Aufgabe mit Hilfe der beiden Lehrpersonen an und schrieb das Drehbuch. Man legte Wert darauf, in den Szenen alle beteiligten Kinder auftreten zu lassen, insbesondere auch Kinder, die aus diesen Ländern stammen.

Auf der Suche nach der Liebe

Das in einer ländlichen Gegend aufgewachsene Mädchen Judith möchte nichts mehr wissen von jenem Bauernjungen, der in sie verliebt ist. Sie verlässt ihn und beschliesst zu verreisen und die Liebe in anderen Ländern zu suchen. Auf ihrer spannenden Reise begegnet sie verschiedenen Arten von Liebe und wird von den Einheimischen mit einem Souvenir beschenkt. Zurück in der Schweiz stellt sie fest, dass es zwar schön war, die Liebe anderer Menschen zu geniessen und zu erleben, aber die Freude nur kurz dauerte. Im Gespräch mit ihrer Freundin Susanne kommt sie zum Schluss, dass sie eigentlich das Erlebte, die verschiedenen Arten von Liebe zu teilen, genauso gut in ihrer Heimat weitergeben kann.

Gelebte Integration

Auf ihrer langen Reise über Paris, Spanien und Portugal nach den USA und in den afrikanischen Urwald musste Judith erfahren, dass je nach Land und Nation die Liebe der Nation, dem Häuptling, dem Stamm oder dem Teamgeist gehört. In Israel ist es die Liebe zum Vaterland und in Russland zu den grossen Festen und zum Wodka, während schliesslich in Deutschland die Liebe durch den Magen geht. Die anderthalb Stunden dauernde Aufführung gestaltete sich zu einer hervorragenden Gesamtdarbietung mit einer Parforce-Leistung aller Beteiligten: der frische und unbeschwerte Gesang des Chors mit dem vielfältigen Liedgut, das harmonische Zusammenspiel des ad hoc gebildeten Schülerorchesters und die unbeschwerten szenischen Darstellungen der jungen Schauspieler.

Zudem durften die weit über hundert Zuschauer erfahren, was gelebte Integration unter Kindern verschiedener Herkunft im Klassenverband bedeutet. Der Begeisterungsfunke der beiden jungen und engagierten Lehrerinnen ist auf Anhieb während der ganzen Aufführung übergesprungen auf die spielenden, musizierenden und darstellenden Schüler und vermochte auch das begeisterte Publikum anzustecken und mitzureissen. Und zum Schluss gaben die Schüler nach Judiths glücklicher Heimkehr dem Publikum weiter: «Gebt auch euere Liebe den Mitmenschen weiter.»